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Porträt

16.04.2018

Verein Frühförderung: Eine Pionierin geht in Rente

Eva Zett (rechts) und Maria Habermeyer im Gespräch.

Eva Zett leitete 26 Jahre lang den Verein Frühförderung in Neuburg. Wie es dazu kam.

Hätte man Eva Zett vor 33 Jahren gefragt, wo sie ihre berufliche Zukunft sieht, hätte die damalige Studentin der Sozialpädagogik vielleicht geantwortet: „Im Gefängnis.“ Sie hatte schon ein Praktikum bei der Jugendgerichtshilfe absolviert, sah sich eher in der Familien- oder Jugendhilfe. Und auch als Harald Indrich, Psychotherapeut und damaliger Leiter des Vereins Frühförderung in Neuburg, zu ihr sagte: „Mensch Eva, du schreibst doch gerade deine Diplomarbeit. Magst du nicht parallel dazu eine Erzieherin bei mir vertreten?“, hätte sie nicht geahnt, dass der Nebenjob den Grundstein für ihre berufliche Karriere legen würde.

„Ich bin hängen geblieben“, sagt Eva Zett heute und schmunzelt. Kinder statt Knast – eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Im Jahr 1992, als Indrich ans Klinikum wechselte, übernahm sie die Gesamtleitung des Vereins Frühförderung. Auf einen Schlag war sie für fünf Integrationsgruppen, eine Schulkindergartengruppe, fünf Spielgruppen, zwei Krabbelgruppen und 19 Mitarbeiter verantwortlich. Berufsbegleitend ließ sie sich zur Kinder- und Jugendtherapeutin weiterbilden. „Mit Kindern neue Sachen auszuprobieren, hat mir einen riesen Spaß gemacht“, sagt Zett, während durch das gekippte Bürofenster in der Franziskanerstraße Kindergeplapper und Gelächter dringt.

Doch das Konzept des Vereins lässt sich besser zeigen als erklären. Und Zett, die sich selbst lieber im Hintergrund hält und auch ihre eigenen Verdienste um den Verein ungern ausbreitet, beginnt lebhaft zu erzählen, wenn sie durch das Hauptgebäude spaziert. Sie zeigt auf die Werkbank, die in jedem Gruppenzimmer steht und sagt: „In all den Jahren hatten wir keinen einzigen abgeschnittenen Finger.“ Scharfe Sägen, spitze Nägel, harte Hämmer – selbst Vierjährige können aus Holzlatten eigene Hütten bauen, wenn man sie nur lässt.

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Kinder begleiten statt bevormunden ist der Kern des pädagogischen Konzeptes des Vereins. Ein weiterer Grundsatz der Einrichtung: „Es ist für uns normal, verschieden zu sein.“ Das legten schon die Gründungsmitglieder 1972 fest, die den Verein zur ältesten Integrationseinrichtung in Bayern machten. Egal, in welchen Bereichen das Kind noch Förderbedarf hat – ob motorisch, sozial-emotional, bei der Konzentration oder im logischen Denken – die Erzieher und Therapeuten des Vereins können gezielt darauf eingehen.

Zett kommt an einem dreitürigen Spiegelkonstrukt vorbei. Setzt sich ein Kind in die Mitte, wird es ins Unendliche gespiegelt. „Wir hatten mal ein mutistisches Kind“, erzählt Zett. Das Kind konnte sprechen, verweigerte es aus irgendeinem Grund aber. „Über den Spiegel habe ich es geschafft, dass das Kind mit mir spricht.“

Zwischen den bürokratischen Anforderungen, die die Leitung mit sich brachte, verlor Zett aber nie den Draht zu den Kindern. Je nach Bedarf stellte sie Diagnosen in den Gruppen oder beriet die Eltern und brachte den Verein zum Beispiel durch die Einrichtung der ersten Kinderkrippe in Neuburg voran. „Vom ersten Tag an hatte ich tolle Leute um mich herum“, betont Zett, die nun, nach 26 Jahren, die Leitung des Vereins mit mittlerweile 63 Mitarbeitern an ihren Nachfolger Roger Weber abgibt.

„Sie ist jemand, der vollkommen im Beruf aufgeht“, sagt Maria Habermeyer, Vorsitzende des Vereins Frühförderung. Dienstagabend soll Eva Zetts jahrelanges Engagement festlich gewürdigt werden. Und damit die Frau des Understatements nicht zu sehr im Mittelpunkt stehen muss, wird es einen Gastvortrag der Kunstpädagogin Marielle Seitz aus München geben. Dann kann sich Zett als letzte Amtshandlung zurücklehnen und den Vortrag ganz in Ruhe verfolgen.

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