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Neuburg

16.12.2020

Waldweihnacht in Neuburg: Ein bisschen wie vor 2000 Jahren

Fackeln erhellten den Nachthimmel beim Grünauer Schloss.
Bild: Anna Hecker

Mit Fackeln wanderten die Besucher zum Gottesdienst am Grünauer Schloss in Neuburg. Militärpfarrer Wiendl zog einen besonderen Vergleich.

Langsam wandt sich eine leuchtende Schlange durch den Winterwald. Vom Parkplatz in Grünau bis zum Jagdschloss wanderten große und kleine Spaziergänger mit brennenden Fackeln, um bei dem majestätischen Bau einen Gottesdienst zu feiern. Es war die Waldweihnacht der evangelischen Militärseelsorge, die zahlreiche Besucher in die Auenwälder bei Grünau gelockt hatte. Am dritten Adventssonntag feierten die Menschen ein Weihnachtsfest der besonderen Art – mit reichlich Corona-Abstand, aber noch viel mehr festlicher Stimmung.

Damit keinerlei Ansteckungsgefahr bestand, war der adventliche Zauber genauestens geplant. Schon am Parkplatz wurden die ankommenden Autos von Soldaten empfangen, die einen Stellplatz zuwiesen und ein Zeichen gaben, wann sich die Insassen auf den Weg zum Schloss machen durften. Für die besondere Atmosphäre wurden allen Besuchern brennende Fackeln überreicht, mit denen der Spaziergang zum Schloss zur feierlichen Prozession wurde.

Besondere Atmosphäre bei der Neuburger Waldweihnacht

„Die Waldweihnacht gibt es beim Militärpfarramt schon seit Jahrzehnten“, erinnerte sich Pfarrer Gunther Wiendl von der evangelischen Militärseelsorge. Vor 40 Jahren fiel der Startschuss für die Weihnachtsfeier unterm Sternenhimmel, die jedes Jahr zusammen mit der Gemeinde der Apostelkirche gefeiert wird. Die vergangenen drei Jahre war man dazu in den Steinbruch bei Laisacker eingekehrt, mit einer „sehr kuscheligen Atmosphäre“, wie Wiendl es beschreibt. Doch gerade dieses enge Beisammensein machte eine Feier mit ausreichend Abstand im Steinbruch nicht möglich.

Dass es rund ums Grünauer Schloss mehr als genug Platz gibt, zeigte sich am Sonntagabend schnell. Trotz der über hundert Fackelträger kam sich hier niemand zu nah. Die Soldaten führten die Gottesdienstbesucher an ihre Plätze entlang des Schlossgrabens, wo sie mit ihren Fackeln eine malerische Lichterkette bildeten. Zwischen den Besuchern und dem romantischen Jagdschloss hatten Wiendl, Pfarrhelfer Andreas Kriegl und Pfarrhelferin Alexandra Kuffer von der katholischen Militärseelsorge auf dem Damm, der den Schlossgraben teilt, einen kleinen Altar mit hölzernen Krippenfiguren aufgebaut. Von hier drangen ihre Stimmen klar und deutlich über den vom nächtlichen Wald eingesäumten Platz.

Militärseelsorge und Apostelkirche Neuburg feiern gemeinsam

„Ich habe mir im Vorfeld lange überlegt, ob ich einen thematisch normalen Weihnachtsgottesdienst halten soll, oder ob ich Corona in das Zentrum stelle“, meinte Wiendl. Doch die zahlreichen Parallelen zwischen der Herbergssuche und den aktuellen Beschränkungen seien so offensichtlich gewesen, dass er sich für eine außergewöhnliche Ansprache entschieden hatte, die vor allem eines erreichen sollte: allen Anwesenden Mut zu spenden. „Wie war das gerade?“, rief der Militärpfarrer, „sie fanden keinen Raum in der Herberge? Ist das nicht ein Text aus dem Jahr 2020? Nur dass man heute statt ,Herberge’ Hotel, Wellnessoase, Gästehaus oder Freizeitheim sagt.“ Es ging um fehlende Freiheit, staatliche Regelungen und dass die Leute vor 2000 Jahren vermutlich ähnlich geschimpft hatten, wie die Bürger heute. Dass ja sogar ein kleines Gespräch kaum noch möglich sei, nicht nur durch die Maske, sondern weil man sich aus verschiedenen Haushalten einander nicht mal mehr nähern dürfe. Doch Wiendl konzentrierte sich nicht auf die beschwerlichen Aspekte der Beschränkungen, nicht um die Betonung all dessen, was nicht mehr möglich ist, er stellte stattdessen das Positive ins Zentrum seiner Predigt. „So politisch interessiert, wach, aufgeschlossen, beteiligt habe ich unser Land noch nie erlebt“, sagte der Pfarrer. Er wünschte sich Vertrauen und ein Gefühl des Zusammenhalts.

Eine große Verbundenheit breitete sich aus, als die Bläserensembles zu den Weihnachtsliedern anstimmten. Zwar durften die Anwesenden nicht mitsingen, dafür aber summen, was „sowieso ergreifender ist, weil es den ganzen Körper zum vibrieren bringt“, freute sich Wiendl lachend.

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