Lesung

10.05.2019

Wider dem Gehorsam

„Poesie findet sich nicht ab mit dem Machbaren“, so Konstantin Wecker während seiner Lesung im Rahmen der diesjährigen Ingolstädter Literaturtage.
Bild: J. Seifert

Wie Konstantin Wecker bei den Ingolstädter Literaturtagen beeindrucken konnte

Konstantin Wecker zählt als Liedermacher, Schriftsteller, Schauspieler, Denker, Poet und Komponist ohne Zweifel zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten im deutschsprachigen Raum. Seit dem Beginn seiner so erfolgreichen Karriere 1968 ist er ununterbrochen auf der Bühne präsent. So war er neben Alice Schwarzer und dem Krimiautor Friedrich Ani ohne Zweifel der Stargast der 26. Ingolstädter Literaturtage.

Im gut besuchten Kulturzentrum neun spürte das Publikum sehr schnell, wie durchdacht, gereift, nahezu vollendet seine poetischen Texte wirken, die er in so unnachahmlicher Weise kredenzen konnte. „Wenn ich über Poesie schreibe“, so ist es in seinem neu verlegten Band „Auf der Suche nach dem Wunderbaren – Poesie ist Widerstand“ zu lesen, „dann als Poet, nicht als Poetologe“.

„Wenn ich über den Widerstand schreibe, dann weil ich die Kunst des Widerstehens im Laufe meines Lebens, ob aus freiem Willen – oder unfreiwillig – lernen durfte.“ Genau diese Zeilen treffen in ganz besonderer Weise die Absicht des in München geborenen Künstlers, der mit seinen Liedern der Freiheit – „Willy“ (sein Durchbruch) oder „Genug ist nicht genug“ – ungemein erfolgreich sein konnte.

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Konstantin Wecker betonte im Rahmen seiner spannend und unterhaltsam angelegten Lesung, dass er das Glück hatte, „von einem antiautoritären Vater (er verweigerte im Zweiten Weltkrieg den Dienst mit der Waffe und überlebte) sowie einer äußerst kämpferischen Mutter, die für ihre Generation erstaunlich selbstbewusst war, geprägt zu sein.

Jede Erziehung, die zu unbedingtem Gehorsam aufrufe, so Wecker, sei eine Erziehung zum Unmenschlichen. Und genau hier, dies wurde deutlich, sieht er sich als Kämpfer gegen ein Monstrum der Macht, gegen eine Weltanschauung der Unmenschlichkeit, die als ewig gefestigt, in Stein gemeißelt und unverrückbar erklärt werde.

Die Poesie, die er an diesem Abend gleichermaßen markant in den Mittelpunkt rückt, sieht Wecker als Anker und Wegweiser gegen ideologisch starre Anschauungen. „Diese singt, weil sie ein Lied hat, nicht weil es gefällt.“ Poesie ist unverkennbar auch ein Stilmittel seiner Lebensweise, die eben nicht Halt macht vor den Verstrickungen der Macht großer Konzerne. Wecker nennt sie beim Namen und bezeichnet sie als „Kriegs - und Umweltverbrecher“.

„Ich hör nicht auf zu träumen, von der herrschaftsfreien Welt, wo des Menschen Miteinander unser Sein zusammenhält.“ Schöne Worte eines wirklich großen Künstlers, der nicht müde wird, für sein Vermächtnis von Freiheit, Pazifismus und dem Miteinander der Kulturen einzutreten.

Hier auf der Bühne, dies wurde einmal mehr besonders deutlich, ist kein „Über-Engagierter“, kein „Über-Reflektierter“, sondern gleichermaßen ein „Prediger“, der sein Publikum zur Revolution der Zärtlichkeit und zum Frieden aufruft. Und dies ohne Zweifel, authentisch, schlicht, erfahren und großartig.

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