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Auwald (Serie)

09.12.2020

Wie man den Nasen in der Donau helfen kann

Die Nase ist eine von vielen Arten, die von dem neu angelegten Ottheinrichbach in den Neuburger Donau-Auen profitieren, sie laichen dort sogar. Das Foto zeigt eine Nase in der Laichphase mit dem dann auftretenden Laichausschlag.
Bild: Christoffer Nagel, Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie, TU München

Die bedrohte Fischart braucht schnell strömendes Wasser. Doch das ist selten geworden

Der Rückgang der Artenvielfalt ist ein allseits gegenwärtiges Thema geworden. Viele Leute denken dabei zum Beispiel an den Eisbären, dem das Eis unter den Füßen schmilzt, oder an den Verlust von tropischem Regenwald. Doch auch in der heimischen Donau gibt es bedrohte Arten. Eine solche bedrohte Art ist die Nase, ein Fisch aus der Familie der Karpfenartigen.

Der ungewöhnliche Name kommt übrigens von der charakteristischen Gestaltung des Mauls, das so aussieht, als hätte der Fisch eine Nase. Typischerweise haben Nasen eine Länge von bis zu 50 Zentimetern bei einem Gewicht von bis zu 1,5 Kilogramm. Ihren Lebensabend erreichen die Tiere in der Regel mit 12 bis 15 Jahren. Sehr selten wurden aber auch schon Tiere mit einem Alter von 20 Jahren und einem Gewicht von 2,5 Kilo gefunden. Interessanterweise sind die weiblichen Tiere, die sogenannten Rogner, größer als die Männchen.

Die Verbreitung der Nasen konzentriert sich auf Flüsse mit einer höheren Fließgeschwindigkeit, in denen es eine Gewässersohle aus Kies gibt. In solch einem Lebensraum trifft man die Fische dann meist im Schwarm knapp über dem Gewässergrund schwimmend an. Dort finden sie kleine Insektenlarven, Muscheln und Kleinkrebse zur Nahrung und dort hilft ihnen auch die besondere Gestalt ihres Mauls, ihre „Nase“. Die spezielle Form zusammen mit harten, scharfkantigen Lippen erleichtert ihnen die Nahrungsaufnahme.

Mit Beginn der Laichreife begibt die Nase sich auf Wanderschaft die Flüsse hinauf. Auch entlang ihrer Wanderroute ist die Nase dabei auf schnell strömendes Wasser und Kiesbänke angewiesen. In vielen Flüssen – so auch in der bayerischen Donau – haben Wasserkraftanlagen mit ihren Dämmen die Wanderrouten der Nasen abgeschnitten. Zudem reduzieren diese Anlagen die Dynamik des Flusses. Kiesbänke verschwinden und das Angebot an den Lebensraum für die Nase verkleinert sich drastisch.

Dies hat schlussendlich auch zur Reduzierung der Bestände und zur Gefährdung der Art geführt. Umso wichtiger sind heute künstlich angelegte Fließgewässer wie der 2010 fertiggestellte Ottheinrichbach in den Neuburger Donau-Auen. Er ermöglicht mit seiner Länge von acht Kilometern die Wanderung der Nase und anderen Fischen an der Staustufe Bergheim vorbei.

Darüber hinaus stellt der Ottheinrichbach aber auch selbst einen wertvollen Lebensraum dar. Wechselnde Abflüsse und regelmäßig stattfindende ökologische Flutungen sorgen dort für eine hohe Dynamik mit einem sich ständig verändernden Bachbett. Das führt zu einer großen Anzahl an Kiesbänken, auf denen sich auch die Nase sehr wohl fühlt.

Forscher der Technischen Universität München haben in einem vom Aueninstitut Neuburg koordinierten Projekt herausgefunden, dass diese Art den Ottheinrichbach nicht nur zur Wanderung an der Staustufe vorbei nutzt, sondern dort auch längere Zeit im Jahr verweilt. Damit leistet der Ottheinrichbach als Maßnahme des Bayerischen Umweltministeriums, ausgeführt vom Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der gefährdeten Nase. Nun müssen nur noch ausreichend viele weitere Umgehungsgewässer nach dem Neuburger Vorbild angelegt werden, dann kann man der Entwicklung der Bestände der Nase positiv entgegensehen.

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