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Nördlingen

16.07.2018

17000 potenzielle Problem-Asteoriden

Das Autorenduo Christian Köberl und Alwin Schönberger stellte in Nördlingen sein Buch „Achtung Steinschlag – Asteroiden & Meteoriten: Tödliche Gefahr und Wiege des Lebens“ vor.
Bild: Woerlen

Das Autorenduo Christian Köberl und Alwin Schönberger hat ein Buch über Meteoriten und Asteroiden verfasst. Panik sei nicht angebracht, sagen sie.

Zeitgleich zum Abschluss der RN-Serie zur Entstehung des Rieskraters hatten Volkshochschule und Bücher-Lehmann zu einer Autorenlesung eingeladen, die zum Thema passte: „Achtung Steinschlag – Asteroiden & Meteoriten: Tödliche Gefahr und Wiege des Lebens“. Die Autoren, Christian Köberl als Experte für Asteroiden, Meteoriten und Impaktkrater, Geochemiker und Professor für planetare Geologie, sowie Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien, und Alwin Schönberger, erfahrener Wissenschaftsjournalist, ließen von vornherein hohe Fachkompetenz erwarten.

Im zwanglosen Frage- und Antwortspiel stellten die beiden Autoren das Thema in den universellen Rahmen, wer den Abend miterlebte, bekam „Lust auf mehr“. „Ich werde von Steuergeldern bezahlt und bin es den Mitbürgern schuldig, dass ich mein Wissen nach Möglichkeit an sie weitergebe“, begründet Köberl seine Bereitschaft, auch vor einem nicht brechend vollen Sparkassensaal exemplarische Themen aus dem rund 200 Seiten starken populärwissenschaftlichen Werk auszubreiten und abzuarbeiten. Mit dem Format „Autorenlesung“ hatten die beiden Akteure wenig im Sinn. Gut gelaunt und im gemütlichen Wiener Tonfall führten sie die Zuhörer in die Weiten des Sonnensystems ein. Allerdings ersparten sie ihnen auch nicht ungemütliche Szenarien.

Was die Herkunft der immer wieder vereinzelt beobachteten „Himmelssteine“ anging, tappten die Naturwissenschaftler im Dunkeln, bis Anfang des 19. Jahrhunderts der erste Kleinplanet, Ceres, entdeckt wurde. Nun wusste man: Der interplanetare Raum ist nicht leer. In der Folgezeit wurde der ganze Schwarm von inzwischen rund einer Million weiterer Kleinplaneten und Asteroiden entdeckt, der zwischen Mars und Jupiter auf ebenso vielen einzelnen Bahnen um die Sonne kreist.

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Auf 17000 wird die Zahl der „Near Earth Objects“ geschätzt, potenzieller Problem-Asteroiden, die theoretisch mit der Erde kollidieren könnten, und jede Woche werden circa 30 neue erfasst. Allerdings bestehen nach Auskunft der Experten Gründe zu der Annahme, dass größere Kollisionen langfristig vorausberechnet und dann – hoffentlich – abgewendet werden können. Panik sei nicht angebracht, aber Vorsorge könne und müsse getroffen werden, so der Tenor. Welche außergewöhnlichen Methoden zur Wahl stehen, das wird im Buch behandelt.

Professor Köberl ist seit Jahrzehnten regelmäßig im Ries, auch mit Studentengruppen, und er fühlt sich hier wohl. Das wird auch in dem präsentierten Buch an mehreren Stellen deutlich, zum Beispiel als davon die Rede ist, dass Meteoriten auch manchmal „ein charmantes Antlitz“ zeigen. Allerdings ist die Tatsache, dass hier vor fast 15 Millionen Jahren „schon einmal“ ein Meteorit eingeschlagen hat, kein Indiz dafür, dass man hier sicherer leben würde, als irgendwo anders. Es gibt keinen naturwissenschaftlichen Grund für eine „gerechte“ Verteilung der Impakte. Allerdings sind Ereignisse der beim Ries-Impakt erreichten Dimension nur im Abstand von zehn Millionen Jahren oder mehr zu erwarten (ohne Gewähr).

Warum sind Mars und Mond offensichtlich von Impaktkratern übersät, und auf der Erde wird jeder einzelne bestaunt und beforscht? Jeder irdische Krater ist mit seiner Entstehung sofort den Einwirkungen von Wind und Wetter ausgesetzt, seit einigen Jahrtausenden vielfach auch der Bewirtschaftung durch die Menschen.

Die Mehrzahl der Krater kann daher nur noch mithilfe von schlüssigen Indizien aufgespürt und mit modernster Technik nachgewiesen werden. Nicht von ungefähr gilt das Nördlinger Ries zusammen mit einer Handvoll vergleichbarer Strukturen als Glücksfall für die Forschung.

Das Buch ist im gleichen unprätentiösen Tonfall gehalten wie die mündliche Präsentation durch die Autoren, ohne dass die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und Korrektheit leiden. Grafiken helfen zum Verständnis statistischer Zusammenhänge. Zahlreiche Hinweise auf wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen finden sich im Literaturverzeichnis.

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