Kleinsorheim

16.02.2018

Der Preis ist heiß

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Wer den Zuschlag für ein Los, wie die Verkaufseinheiten bei der Astholzversteigerung genannt werden, von Auktionator Hans Hafner (im Hintergrund) erhalten will, muss sich gegen die Konkurrenten durchsetzen. Das höchste Gebot gewinnt.
Bild: René Lauer

Bei der Astholzversteigerung in Kleinsorheim wird um günstiges Brennholz mit harten Bandagen gekämpft. Zum ersten, zum zweiten und...?

Der Mensch liebt es, um die Wette zu bieten. Im Fernsehen wird um alles mögliche gefeilscht. Beim einen Sender gibt es antike Kunst und Zierrat, beim anderen werden zurückgelassene Container oder Garagen gehandelt. Im Internet versteigern Nutzer auf Plattformen wie „Ebay“ alles, was man sich vorstellen kann.

Da sind die Rieser nicht anders – auch wenn hier bodenständigere Dinge bei Auktionen feil geboten werden. Zum Beispiel Holz. Das sei in der Region eine echte Tradition, sagt der Leiter des Forstbüros der Fürst Wallerstein Forstbetriebe, Josef Grau. Jedes Jahr treffen sich hunderte Menschen und bieten auf das, was im Wald nach der Holzernte übrig bleibt. Dort, wo neue Bäume nachwachsen, werde der Altbestand entfernt, erklärt Grau. Die massiven Stämme gehen in die Industrie oder werden weiterverarbeitet. Was dabei in den Waldstücken liegen bleibt, Baumkronen und Astholz, stoße im Handel auf wenig Interesse – bei Privatleuten mit einem Kachelofen im Wohnzimmer dafür auf umso mehr. Deshalb werde das Holz an Endverbraucher aus der Region versteigert, die dieses dann selbst aufarbeiten, also sägen und abtransportieren müssen, sagt Grau. „Es ist eine Situation, von der beide Seiten profitieren. Wir müssen das Astholz nicht aus dem Wald holen, und die Leute bekommen günstiges Brennholz in bester Qualität.“

Die Waldstücke, in denen Astholz liegen geblieben ist, werden in verschiedene Teilbereiche, genannt Lose, gegliedert. Mithilfe eines Waldplans können Interessenten diese dann etwa eine Woche lang vor Ort begutachten, ehe jedes Los versteigert wird. Diesmal, bei der Auktion für das Mönchsdegginger Revier in Kleinsorheim, stehen 66 Waldstücke auf der Tagesordnung. Welches das wertvollste ist? „Das kann nur unser Revierleiter Hans Hafner beantworten“, sagt Grau und zückt sein Handy. Hafner ist ohnehin im Mönchsdegginger Forst unterwegs – und lädt ein auf eine kleine Tour. Wie beliebt ein Los sei, hänge von mehreren Faktoren ab, erklärt der Fachmann, während er seinen Geländewagen über die engen Waldwege manövriert. Die Holzart sei entscheidend, die Lage des Loses – je näher an einer befestigten Straße, desto besser – und natürlich die Menge an Holz, die mitunter stark variiert.

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Der Schneefall im Wald wird stärker, selbst Hafners Geländewagen rutscht nur noch über den matschigen Weg. „Manche Lose sind nichts für einen, der das Holz alleine aufarbeiten und mit dem Auto abtransportieren will“, hatte Josef Grau bereits zu bedenken gegeben. Wer die am von der Straße abgewandten Hang liegenden, riesigen Äste sieht, will ihm nicht widersprechen. Da muss schweres Gerät anrücken.

Hafners Fahrzeug rollt an einigen „Sahnestücken“ vorbei. „Die werden heute Abend für viel Geld weggehen“, ist sich der Revierleiter sicher. Eines dieser Lose ist die Nummer 62 in der Abteilung Fangweg. Auf einer länge von rund zehn Metern ist Buchenholz direkt an der Straße aufgetürmt. „Buche geht am besten“, sagt Hafner. Der Rieser sei nunmal ein Gewohnheitstier und kaufe am liebsten das, was er kenne. Von der Brennleistung seien Esche oder Eiche zwar etwas schlechter, würden aber viel günstiger gehandelt. „Mal sehen, was heute Abend geht“, sagt Hafner.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Astholzversteigerung gleicht die Suche nach einem Parkplatz in Kleinsorheim der nach einer Nadel im Heuhaufen. Rund 150 Interessenten sind gekommen. Die meisten scheinen erfahren zu sein. „Wir haben rund 80 Prozent Stammkunden“, sagt Grau. Fast alle Käufer kämen aus der Region.

Nach einer kurzen Einweisung geht es los, Hans Hafner leitet die Auktion. Als er das Startgebot mit 70 Euro für das erste Los verliest, gehen die Arme nur zögerlich nach oben. Auf den Tischen liegen ausgebreitete Karten der Wälder oder Büchlein, in der die Bieter ihre Eindrücke notiert haben. Hafner muss nicht erklären, um welches Holz es sich handelt oder wie viel bei dieser Nummer zu holen ist, all das wissen die Teilnehmer längst. In Zehnerschritten bieten sich die Interessenten nach oben. Aus den 70 Euro sind mittlerweile 200 geworden, noch drei Bieter sind im Spiel. Für 310 Euro geht das Los nach Deiningen. Ein verhaltener Beginn, später sollen die Preise bis auf 790 Euro für ein Los steigen. Je höher der Kaufpreis, desto lauter wird es im Festsaal. „War es das wirklich wert?“, fragt ein Mann am Nebentisch. „Da hätte ich aber was übersehen“, entgegnet sein Sitznachbar und schüttelt den Kopf. Hafner wirft ein, dass es keine gute Idee sei, sich während der Auktion ein Bier bei der Wirtin zu bestellen. „Wer die Hand hebt muss ran, das hat es alles schon gegeben“, sagt er und lacht.

Endlich ist die Nummer 62 an der Reihe. Doch entgegen der Erwartung haben nur drei Bieter Interesse. Immerhin 450 Euro bringt das Los am Ende ein, vermutlich ein gutes Geschäft für den Käufer. So viel Glück haben nicht alle – es kann schon einmal vorkommen, dass man dem Anderen ein Schnäppchen nicht gönnt. „Das Los bekommt er nicht für 300 Euro“, ruft beispielsweise einer und steigert den Preis mehr als 100 Euro in die Höhe.

Am Ende werden alle Einheiten verkauft, doch die meisten Gäste gehen leer aus. „Viele kommen sowieso nur, weil sie neugierig sind“, meint Josef Grau. Andere würden nur wegen des Nervenkitzels etwas mitbieten. Hans Hafner nimmt einen Schluck Bier und wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Es ist gut gelaufen“, sagt der Auktionator. Aber so eine Versteigerung sei ganz schön aufreibend.

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