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Interview

15.05.2015

Gleiche Arbeit, unterschiedlicher Lohn

Die Personalratsvorsitzenden des gKU kritisieren den Fortbestand der Service-GmbH deutlich. Und sie warnen vor einem Problem in der Zukunft

Die Personalratsvorsitzenden des gKU kritisieren den Fortbestand der Service-GmbH deutlich. Und sie warnen vor einem Problem in der Zukunft

Herr Schönherr, Sie sind Personalratsvorsitzender des gKU, Frau Kuban, Sie sind seine Stellvertreterin. Wie haben Sie beide die Nachricht erfahren, dass die umstrittene Service-GmbH bestehen bleiben soll?

Kuban: Ich habe es in den Rieser Nachrichten gelesen. Aber wir haben schon damit gerechnet, dass die Entscheidung so ausfallen wird. Schönherr: Zudem haben uns die beiden Vorstände des gKU, Jürgen Busse und Roland Buchheit, am Freitagmorgen informiert.

Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Kuban: Es ist sehr schade, dass sie so gefallen ist. Wir waren bereit, nach einer anderen Lösung zu suchen. Schönherr: Jetzt haben wir eben weiterhin eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im gKU. Die einen werden nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes, dem TVÖD bezahlt, die anderen nach dem Gebäudereiniger-Tarif oder dem Tarif von Nahrung, Genuss und Gaststätten.

Die einen verdienen mit dem TVÖD mehr, die anderen weniger.

Kuban: Genau. Überwiegend beschäftigt die Service-GmbH ja auch Teilzeitkräfte. Und später, wenn die mal in Rente gehen, entsteht ein neues Problem: Denn im Alter haben diese Mitarbeiter, meist Frauen, nicht genügend Geld. Dann brauchen sie Grundsicherung. Die zahlt ja auch die Gesellschaft, genauso wie den Unterhalt der Krankenhäuser. Damit nimmt man es doch nur aus der einen Tasche raus und tut es in die andere wieder rein.

Bei der Service-GmbH sind neben dem Personal in den Küchen und den Pförtnern auch Reinigungskräfte beschäftigt. Der Gebäudereinigertarif bedeutet 9,55 Euro pro Stunde, sagt Landrat Rößle. Ist das aus Ihrer Sicht gerecht?

Kuban: Nein. Unsere Reinigungskräfte arbeiten in sehr sensiblen Bereichen – im Krankenhaus ist die Hygiene sehr wichtig, die Mitarbeiter müssen die entsprechenden Standards einhalten. Der Reinigungsbereich ist eine anspruchsvolle Arbeit. Schönherr: Für uns gehört die Hygiene auch ganz klar zum Kerngeschäft. Und das soll doch im TVÖD bleiben. Kuban: Wenn die Hygiene in einem Krankenhaus nicht stimmt, dann kann das verheerende Folgen haben. Und wir schätzen die Mitarbeiter der Service-GmbH sehr. Für das, was sie leisten, bekommen sie zu wenig Geld.

Das Argument der Verantwortlichen ist, dass mit diesem Modell Geld gespart wird.

Schönherr: Wir als Gewerkschafter können das nicht nachvollziehen. Wenn die Service-GmbH eine echte eigene Firma wäre, dann bräuchte sie auch Führungskräfte. Und dann würde das gKU mit diesem Modell kein Geld sparen. Kuban: Es ist eine Leiharbeitsfirma.

Wie reagieren denn die Mitarbeiter auf diese Service-GmbH?

Schönherr: In Donauwörth werden nur ganz wenige Mitarbeiter nach TVÖD bezahlt, die meisten werden nach den Tarifen der Service-GmbH entlohnt. Und wir bekommen das täglich zu hören, dass jemand für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommt.

Wie ist denn die Arbeitsbelastung allgemein in den Häusern des gKU?

Kuban: Die Leistungsgrenze ist erreicht, bei den Mitarbeitern in allen Abteilungen. In ganz Deutschland haben die Krankenhäuser ein Finanzierungsproblem. Da müsste die Politik endlich reagieren und die Häuser finanziell besser ausstatten. Schönherr: Im Schnitt betreut eine Krankenschwester in Deutschland 10,35 Patienten. In den skandinavischen Ländern sind es gerade mal 3,8 Patienten. Interview: Martina Bachmann

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