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Oettingen

02.08.2018

Herrlich schräges Herrenquartett

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2 Bilder
Die Band Mistcapala (von links: Tobias Klug, Armin Federl, Vitus Fichtl und Tom Hake) verstand es, ihre Musik mit witzigen Einlagen zu schmücken.
Bild: Toni Kutscherauer

„Mistcapala“ präsentierten feines Musik-Kabarett im Oettinger Festzelt. Mal satirisch, mal skurril, aber immer unterhaltend.

Die Auflösung des unausgesprochenen Rätsels gab’s erst ganz zum Schluss: Der Begriff „Mistcapala“ stand im Althochdeutschen für Mistgabel. Mit dem Hintergedanken, die alltäglichen Dinge des Lebens quasi satirisch aufzuspießen, hatte ein Landsberger Herrenquartett vor 18 Jahren für ihre frisch gegründete Formation genau diesen Namen gewählt. Als Nachschlag zur Jakobi-Kirchweih traten die Vier nun im Oettinger Festzelt auf und bereiteten den rund 200 Besuchern einen heiteren Abend mit inspiriertem Musik-Kabarett.

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Eine abwechslungsreiche Mischung aus witzigen Moderationen, originellen Sketchen und großteils selbst komponierten Musiktiteln bilden das Grundgerüst des Programms von „Mistcapala“. So sorgt nach dem Vorstellungslied ein unbestechlicher Schweizer Zöllner für die ersten Lacher, als er einen „unterfränkischen Dudelsack“ nicht ohne Strafzoll passieren lässt, was schließlich in einem „Schweizer Grenzkonzert“ mündet.

Es folgen zwei ebenso eigenwillige wie witzige Interpretationen bekannter Songs: erst finden zu „Kung Fu Fighting“ fernöstliche Weisheiten in diversen Alltagsszenarien Anwendung, ehe beim Kraftwerk-Hit ein frustrierter Lover seinen One-Night-Stand nicht mehr los wird („Sie ist ein Model und sie zieht nicht aus“). Ein großes Gaudium für die Besucher gibt es noch vor der Pause, als sich Tom Hake zum „Lied für gemischten Knabenchor“ als „Unlustknabe“ im Latex-Outfit präsentiert.

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Instrumentenvielfalt gilt als Markenzeichen von „Mistcapala“ und so reicht das Spektrum über die Standardbesetzung mit Kontrabass, Akkordeon und Gitarren weit hinaus. Neben Ukulele, Mandoline, Flöte und Klarinette bereichern auch mehrere Dudelsäcke und ein Kinder-Xylophon das eigenwillige Orchester. Was sich dabei musikalisch herausholen lässt, beweisen verschiedene Instrumentalnummern, etwa eine bemerkenswerte Version von Ravels „Bolero“.

Schräge Parodien und groteske Arrangements prägen auch den zweiten Teil der Show. Ein missmutiger Hausmeister beklagt seinen unerträglichen Arbeitsalltag, ehe ein passionierter Schütze sein makabres „Frühlingsgedicht“ zum Besten gibt. Dann wird „Ronny Rakete, die Country-Legende aus Speckbrodi“ als Versager beim weiblichen Geschlecht geoutet, nachdem er sich vorher als großer Macho geriert („bin ich erst einmal Mormone, gibt’s ein Fest für die Hormone“).

Auch die Zuschauer sind stetig gefordert, beispielsweise beim Applaus-Test („kompakter, lauter, spontaner“) wird’s laut und lustig. Und bei der abschließenden, schmalztriefenden Howard-Carpendale-Parodie hat auch Uli aus dem Publikum einen unfreiwilligen Einsatz.

Es ist ein ebenso humorvolles und intelligentes Programm, das Armin Federl, Vitus Fichtl, Tom Hake und Tobias Klug im Oettinger Festzelt vorstellen: Fein gesponnene Texte in satirisch zugespitztem Grundton, mal lustig, mal skurril, doch stets mit Anspruch. Diese erfrischende Mixtur weiß das Publikum zu würdigen: Erst nach zwei Zugaben und einer Abschluss-Polonaise zum Trio-Hit „Da-da-da“ findet der unterhaltsame und kurzweilige Abend unter dauerhaftem Schlussapplaus sein Ende.

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