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Wirtshausserie

23.11.2018

Im Hof der Sonne wurde gekegelt

Das ehemalige, denkmalgeschützte Gasthaus zur Sonne in Hürnheim fällt durch sein Fachwerk mit reichem Schnitzwerk auf. Im Sommer wurde auf der überdachten Kegelbahn im Wirtshof eifrig gekegelt.

Am Sonntag waren die Kegelbahnen im Ries ein beliebtes Ausflugsziel. Meist waren sie im Freien - und Kuhdung war ein wichtiger Werkstoff bei ihrer Herstellung.

Das Gasthaus zur Sonne in der Christgartener Straße in Hürnheim wurde bereits 1594 als „Tafern“-Wirtschaft genannt. Das stattliche Gebäude stammt nach Einschätzung des Denkmalamtes vom Beginn des 18. Jahrhunderts und ist aufgrund seines üppigen Fachwerkes, zum Teil mit bemalten Schnitzwerken, denkmalgeschützt. Auf dem Anwesen bestand seit Beginn der Aufzeichnungen eine „Preustatt“. Das Ende der Brauertätigkeit ist Anfang des 20. Jahrhunderts zu vermuten. Zur Bierlagerung standen unter dem Gebäude große, in Suevit gehauene Keller zur Verfügung. Diese sind mit Bruchsteinen verkleidet und weisen Ziegelböden und Solnhofener Platten auf. Im Erdgeschoß befand sich die Wirtsstube, die durch einen Anbau in Richtung Straße vergrößert worden und mit einem kleinen Saal ergänzt worden war. Da Hürnheim kein anderes Wirtshaus besaß, fanden im Dorf hier alle Feierlichkeiten – Hochzeiten, die Kirchweih – sowie Versammlungen und dergleichen in dem im Obergeschoß gelegenen Festsaal statt.

Zum Wirtshaus gehörte selbstredend eine Ökonomie mit Ställen, Stadel und Schuppen. Daneben beherbergte die Sonne im ausgehenden 19. Jahrhundert auch einen Kramerladen und später eine Mosterei mit turbinengetriebener Presse. 2003 schloss die Gaststätte und ging von der Sixenbrauerei in Privatbesitz über.

Die sonntäglichen Freizeitvergnügen waren in der Vergangenheit rar gesät. Viele Wirtshäuser und Ausflugsgaststätten steigerten daher die Attraktivität ihres Wirtgartens mit einer Kegelbahn. Erstmals wurden 1157 Kegelspiele als weit verbreitetes Volksvergnügen in einer Archivalie in Rothenburg ob der Tauber genannt. Bis zum 15. Jahrhundert hatte fast jedes Dorf einen Kegelplatz, der an Sonn- und Feiertagen genutzt wurde. Obwohl das Kegeln als Glücks- und Wettspiel teilweise verboten war, schaffte das Spiel auch den Sprung in den Hochadel und in die Klöster. Das Umwerfen der Kegel wurde von Mönchen „Heidentöten“ genannt. Zum Schieben wurden Steine oder Holzkugeln verwendet. Bis ins 18. Jahrhundert wurde ausschließlich im Freien gespielt. 100 Jahre später gegründete man in den Städten Kegelgemeinschaften und der sportliche Gedanke trat in den Vordergrund.

Das Hürnheimer Gasthaus „Sonne“ besaß im Hof eine Kegelbahn, die geschickt an eine verbliebene Außenmauer gebaut wurde; die Innenseite zum Hof blieb offen. Die Überdachung bestand aus einer Holzkonstruktion und Dachplatten. Die Kegelbahn selbst war aus Lehm, vermischt mit Kuhmist, gestrichen, um den Untergrund weich zu machen. Vormittags wurde noch etwas Wasser aufgesprengt und somit die Bahn geglättet. Damit lief die Holzkugel schnell und ruhiger und „bopfelte“ nicht. Später bestanden die Bahnen aus Holz, im Wirtsgarten der Thalmühle in Ederheim war der Kegelaufstellplatz vermutlich seit 1929 betoniert. Die Kegel waren aus Holz geschnitzt. Für die Verköstigung der Gäste wurden Lauben gebaut beziehungsweise in der „Sonne“ wurde ein überdachter Freisitz eingerichtet. Es kegelten lautstark alle Schichten, Kinder stellten die Kegel auf, brachten die Kugeln zurück und verdienten sich so ein Trinkgeld. Aus Lehmingen sind beispielsweise folgende zwei Spiele bekannt: Beim „Libecker“ begann man mit 200 Punkten und kegelte auf 0 Punkte zurück. Es gab ein eigenes Punktesystem, wobei alle Neune 48 Punkte, ein Kränzle 36 und zum Beispiel zwei Kegel vier Holz zählten. Wer zuerst fertig war, durfte von den anderen für je vier Holz einen Pfennig kassieren. Beim „Preisbartel“ „kuchelte“ man aufwärts bis zu einer vorher ausgemachten Punktezahl.

Aus dem Vergnügen konnte oft Ernst werden, wenn um höhere Geldbeträge gespielt wurde oder die Burschen einem Mädchen imponieren wollten. Melchior Meyr beschreibt Mitte des 19. Jahrhunderts in seinen „Erzählungen aus dem Ries“ ein sich steigerndes Kegelduell bei einem zuerst freundschaftlichen Nachmittagstreffen zwischen rivalisierenden Burschen. Mit jeweils nur einem Schub konnte der Konkurrent übertroffen und der Geldeinsatz gewonnen werden. Trotz der heutzutage vielfältigen Freizeitmöglichkeiten hat das Kegeln seine Anziehung kaum verloren und ist nach wie vor beliebt.

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