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Kultur in Nördlingen

24.11.2019

Kleinkunst mit französischem Pfiff

„Mademoiselle Mirabelle“ gastierte in Nördlingen.
Foto: Anton Kutscherauer

„Mademoiselle Mirabelle“ gastierte in der Alten Schranne in Nördlingen. Ein launiger und weitgehend unterhaltsamer Abend.

Kochkunst, Liebeskunst und Lebenskunst – drei „Künste“, in denen Franzosen den Deutschen nach gängiger Meinung überlegen erscheinen. Anlass genug für „Mademoiselle Mirabelle“, die Angelegenheit bei ihrem Auftritt im Nördlinger Schrannensaal aus humoristischem Blickwinkel zu betrachten. Schon ihr Äußeres mit Baskenmütze, Rüschenpants und Baguette weist die Kleinkünstlerin als eine Art Botschafterin in französischer Lebensart aus. In französischem Akzent und in permanenter Interaktion mit dem Publikum versucht die „Guillotine d’Amour“ dabei auf satirisch-ironische Weise, die Unterschiede zwischen den Nachbarländern offenzulegen.

Dies beginnt mit den kulinarischen Präferenzen („Eisbein versus Cordon Bleu“) und findet auch in den Gesangsproben mit den Besuchern seinen Niederschlag: Chanson funktioniert nicht, Wolfgang Petry dagegen schon. Sogar die unterschiedliche Körpersprache („der Franzose redet mit den Händen“) kann zu peinlichen Missverständnissen führen, etwa wenn ein Kompliment für gutes Autofahren in einer Anzeige wegen Nötigung endet.

Bekannte Lieder textet sie um

Im Wechsel mit den Textpassagen finden auch zahlreiche Gesangsnummern ihren Platz im Programm. Zur Selbstbegleitung mit Gitarre und Akkordeon textet „Mademoiselle Mirabelle“ bekannte Lieder kurzerhand um: Aus „Chanson d’Amour“ wird „So schön wie er fuhr“ und mündet dann in Henry Valentinos „Im Wagen vor mir“. „Pour a Flirt“ wird gleich in zwei Versionen angeboten, während der Kerstin Ott-Hit „Die immer lacht“ eine asiatische Variation verpasst bekommt.

Natürlich geht es auch um die Liebe, was schon der Programmtitel „Guillotine D’Amour“ ausweist („heute gibst du dich mir hin, morgen kommt die Guillotine“). In einer Art „Schlussmacher-Seminar“ gibt es Tipps für ein korrektes Beenden der Beziehung mit der männlichen „Schlaftablette“. Außerdem wird die deutsche Frau zu mehr Verführkunst ermuntert („préparé in négligé“): Der „Mischmund“ aus Kuss- und Schmollmund sollte kultiviert werden und statt auf Ordnung sollte sie mehr auf die innere Stimme achten („das Herz schreit nach Liebe, doch der Staubsauger ist lauter“).

Feinsinniger Humor

Kein Zweifel, „Mademoiselle Mirabelle“ gelingt es, das Flair von französischer Nonchalance mit Pfiff und feinsinnigem Humor auf die Bühne zu bringen. Und auch der Akzent sorgt für witzige Kapriolen („isch habe die Faust dick hinter die Ohren“). Allerdings fehlt es bisweilen an Tempo und so manche Pointe zündet nicht richtig. Gewiss, eine technische Panne kann immer passieren, doch die Nummer mit der „Wartepartei“ ist eher mäßig lustig – was wohl auch der bedauernswerte Langzeit-Besucher auf der Bühne so empfunden hat.

Davon abgesehen war es ein netter, kurzweiliger und über weite Strecken unterhaltsamer Abend mit einer vielseitigen Künstlerin. Am Ende startet „Mademoiselle Mirabelle“ bei Interpretationen von France Galls „Ella, elle l’a“ und Plastic Bertrands „Ca plane pour moi“ nochmal richtig durch und auch „Pierre“ und „Gerard“ aus dem Publikum dürfen mitmachen. Die rund 50 Besucher in der Alten Schranne spenden artig Beifall und werden in der Zugabe mit einem polyphonen Sprechgesangs-Kanon zu „Sur le pont, d’Avignon“ belohnt.

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