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Natur

09.05.2018

Landkreis: Großer Aufwand für eine kleine Raupe

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Mithilfe eines Helikopters, der ein Biozid über die befallenen Wälder versprüht, soll die Population des Eichenprozessionsspinners in der Region eingedämmt werden. Die stark reizenden Brennhaare der Raupen sind für Waldarbeiter und Spaziergänger eine Gefahr.

Der Eichenprozessionsspinner entwickelt sich zu einer zunehmenden Gefahr für Menschen und Pflanzen. Verantwortliche sagen den Tieren nun den Kampf an

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. So braucht es in der Region eine große Maschine, einen Helikopter, um einer kleinen Raupe den Kampf anzusagen. Ein einzelner Eichenprozessionsspinner wäre dabei kein Problem, es ist die Vielzahl der Tiere, die Verantwortliche vor Probleme stellt.

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Die sogenannten Brennhaare, mit denen die Raupen des Eichenprozessionsspinners am ganzen Körper überzogen sind, machen ihrem Namen alle Ehre. Bei Hautkontakt lösen sie starke Reizungen aus. Auch die Gespinstnester, die die Tiere an den Eichen hinterlassen – sie hängen dort teils noch Jahre, nachdem die Raupen sich zu einem Falter gewandelt haben – lösen bei Kontakt allergische Reaktionen aus.

Die Waldarbeiter sehen sich in der Region mit einer zunehmenden Gefahr ausgesetzt, sagt Josef Grau von den Fürst Wallerstein Forstbetrieben. Auch Spaziergänger oder Radfahrer seien häufig betroffen. Deshalb habe man sich nun entschlossen, gegen die Ausbreitung der Raupen vorzugehen. Mithilfe eines Helikopters soll ein Biozid über stark befallenen Eichenwäldern ausgebracht werden. Das Mittel werde in feinen Tröpfchen versprüht und lege sich über die Eichenblätter. Fressen die Raupen des Eichenprozessionsspinners, die vor Kurzem geschlüpft sind, diese, verenden sie. „Für den Menschen und alle anderen Tiere ist das Mittel ungefährlich“, versichert Grau. Trotzdem seien die Waldstücke vorsorglich abgesperrt worden. „Wenn der Helikopter über die Bäume fliegt, können Äste herabstürzen“, sagt der Fachmann. Außerdem wolle man vermeiden, dass Menschen sich erschrecken, wenn plötzlich ein Hubschrauber über ihnen kreise. Heute sollen die Sperren allerdings wieder aufgehoben werden.

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Mit Pilot Fred Burggraf geht Josef Grau vor dem Start in der Nähe von Schloss Baldern die Route durch. Zuerst sind Flächen bei Fremdingen an der Reihe, dann geht es über Munzingen und Minderoffingen in Richtung Baden-Württemberg, dazwischen muss der Helikopter immer wieder das Gemisch aus Biozid und Wasser „nachtanken“. Auch das Landratsamt des Ostalbkreises hat sich der Aktion angeschlossen. Bei Aalen und Ellwangen sei man schon 2008 mit einem Helikopter gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners vorgegangen, erzählt Wolf Noack vom Landratsamt. „Danach war es ein, zwei Jahre deutlich besser“, sagt er. Seit zwei Jahren habe sich das Tier aber wieder ausgebreitet, etwa bei Kirchheim am Ries. In diesem Jahr seien die Bedingungen für die Raupen besonders günstig, erklärt Wolf Noack. Die Eichenblätter sprießten bereits, bevor die Raupen geschlüpft waren, so hatten sie massig Nahrung zur Verfügung.

Erst in den kommenden Wochen und Monaten werde sich zeigen, ob die kostenintensive Aktion sich gelohnt hat. 70 Hektar Fläche besprühte der Helikopter gestern, jeder Hektar kostet die Verantwortlichen 300 Euro. „Wir haben noch keine Erfahrungswerte“, sagt Grau. In der Region gebe es noch deutlich mehr befallene Eichenwälder, man greife nur punktuell ein. Grau hofft, dass man so das ökologische Gleichgewicht zumindest etwas wieder herstellen könne. Der Eichenprozessionsspinner hat vor allem zwei natürliche Feinde, die Schlupfwespe und den Kuckuck, letzterer komme aber immer seltener vor. Entwickle sich die Population des Eichenprozessionsspinners so weiter, müsse man in Zukunft vielleicht regelmäßig Aktionen wie gestern initiieren.

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