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19.07.2010

Perlen der Klassik mit frischem Elan

Oettingen Vor der Sommerpause der Oettinger Residenzkonzerte bereitete die Salzburger Kammerphilharmonie dem Publikum einen vergnüglichen und abwechslungsreichen Konzertabend. Schon beim Betreten des Podiums war klar, dass ein junges Ensemble aus dem Umfeld des "Salzburger Mozarteums" die angekündigten "Perlen der Klassik" mit frischem Elan darbieten würden.

Und so war es auch: Bereits den Beginn der "Introduzione der sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" ließ Dirigent Yoon Kuk Lee sehr prägnant und energisch angehen, um dann im ruhigen, besinnlichen Teil ohne übertriebenes Pathos das mit Geduld ertragene Leiden des Gekreuzigten darzustellen. Mit wie Nadelstiche wirkenden aufrüttelnden Aufwärtsbewegungen und einem musikalisch ruhig hingenommenen bitteren Leiden kam hier Joseph Haydn einem für ihn ungewöhnlichen programmatischen Auftrag einer Passionsmusik für den Domherrn von Cadiz nach.

Nicht einmal gedruckt

Haydns Solokonzerte, wie das "Violinkonzert C-Dur", erlangten zu dessen Lebzeiten nicht die Wirkung seiner sinfonischen Werke und wurden damals zur Verbreitung nicht einmal gedruckt. Und dennoch erzielt dieses an Vivaldis barocken Musizierstil erinnernde Werk eine hohe Wirkung, wenn es so gesanglich und emotional interpretiert wird wie von der jungen tschechischen Geigerin Ivana Kovalcikova, mithilfe eines genüsslich mitspielenden Orchesters und einem Dirigenten wie Yoon Kuk Lee, der trotz seines sturzbedingten Gipsarmes dem ersten Satz einen schwungvoll heiteren Charakter verlieh.

Perlen der Klassik mit frischem Elan

Diskretes Pizzikato

Das diskrete Pizzikato der Streicher ermöglichte es der Solistin im folgenden Adagio-Satz die innige, ariengleiche Melodie auszukosten. Damit rührte sie das Publikum ebenso wirkungsvoll an wie mit dem sicheren Lagenspiel im tänzerisch musikantischen Rondo-Schlusssatz, jedenfalls vermittelte dies der überaus reiche Beifall der Zuhörer. Geradezu eine Premiere war der Auftritt der Sopranistin Mirela Bunoaica, denn seit Jahren mussten die Besucher der Residenzkonzerte auf eine gesangliche Darbietung warten. Und es waren hochkarätige Arien, die sie zu Gehör brachte. "Vorrei spiegarvi, oh Dio!" schrieb Mozart für seine Geliebte Aloysia Weber.

Die gesangstechnischen Anforderungen zeugten davon, dass nicht nur Aloysia Weber zu den angesehensten Sängerinnen in Mozarts Gegenwart gehörte, sondern dass auch die in Rumänien geborene Sängerin Bunoaica eine eindrucksvolle Leistung bot, nicht nur mit ihrer enormen Stimmkraft, sondern mit leicht fließenden Koloraturen und unglaublich sicher gesetzten Spitzentönen.

Ausdrucksvolle Interpretationskunst

Ihre ausdrucksvolle sängerische Interpretationskunst quittierte das Publikum auch in der folgenden als "Wahnsinnsarie" bezeichneten Klage der Elvira in Vincenzo Bellinis Oper "I Puritani" über die Untreue ihres Geliebten mit rauschendem Beifall und Bravorufen, - Ausdruck freudiger Akzeptanz von Gesangsdarbietungen.

Ein Genuss sinfonischer Musik war die Transkription der "Sinfonia concertante, g-Moll" von W. A. Mozart, ursprünglich für Streichquintett, übertragen auf ein Bläserquintett mit Streichern von Yoon Kuk Lee. Wie sich die Bläser und Streicher insgesamt, solistisch oder in anderen Kombinationen die Themen und Motive zuspielten, war kurzweilig und äußerst interessant.

Melancholische Stimmung

Die von den gedämpften Streichinstrumenten erzeugte melancholische Stimmung im Adagio und die ineinander verwobenen Stimmen im Finalsatz bestätigten, dass eine solch geniale Verquickung von Streichern und Bläsern nur mit herausragenden Solisten zu bewerkstelligen war. Damit sei aus der Seele des Publikums gesprochen, das einen äußerst langen Beifall spendete. (emy)

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