1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Rosetti-Musik im Blickfeld

17.06.2009

Rosetti-Musik im Blickfeld

Schloss Baldern (emy) - In einem großartigen Schlusskonzert im barocken Festsaal des Schlosses Baldern fanden die diesjährigen Internationalen Rosetti-Festtage ihren Abschluss. Präsident Johannes Moesus griff selbst zum Taktstock und führte das Kurpfälzer Kammerorchester Mannheim durch das Programm, das die in diesem Jahr durchweg hervorragenden Beiträge bei den acht Konzerten und Veranstaltungen aufbieten konnte. Damit erlebte das 10. Jubiläumsjahr der Festspiele einen Höhepunkt, der die im Ries im 18. Jahrhundert entstandene Musik weiter in das Blickfeld der 1500 Besucher rückte.

Auf diese zehn Jahre ging auch der Protektor der Festtage, Fürst Moritz, in seiner Begrüßungsrede ein. Er erinnerte an den Instrumentenfund der ehemaligen Hofmusik vor 25 Jahren im fürstlichen Archiv, an die Bemühungen Helmut Schecks beim Ausgraben und Bearbeiten der Notenfunde und an die heutigen Präsidenten und Vorstände der Rosetti-Gesellschaft, welche die organisatorischen, aber auch an die Sponsoren, die die finanziellen Voraussetzungen für die alljährliche Konzertreihe schaffen.

Das Konzert auf Baldern sollte nach der Vorstellung der Programmgestalter eine Rekonstruktion nach einem im Archiv gefundenen Programmzettel eines "Liebhaber-Concerts" vom 20. April 1786 sein. Darauf fand sich als erste eine Sinfonie des Antonio Rosetti, die allerdings nicht näher bezeichnet war. Und so wählte man, wie es sich dann herausstellte, mit der "Sinfonie Es-Dur" ein Werk, das nicht nur anspruchsvoll ist, sondern auch wegen der vielfältigen musikalischen Einfälle dem Publikum sehr entgegen kam: im Largo-Satz nach einem nachdenklichen Beginn eine schöne Melodik mit optimistisch aufstrebenden Themen, im sehr beschwingten Menuett ein hübsches Fagottsolo und wohliger Hörnerklang; der langsame, elegant schwingende dritte Satz schritt bis zum wohlgesetzten Schlussakkord vergnügt daher. Das Finale war geschmückt mit farbigen Bläsereinwürfen, verfiel zeitweise in heftiges Fortissimo, fand aber danach noch einen besinnlichen Ausklang.

Hervorragende Solistinnen

Rosetti-Musik im Blickfeld

Die Freude über die "Deutsche Kantate: Montan und Lalache" des Hofmusikintendanten Ignaz von Beecke teilte das Publikum trotz des traurigen Schicksals des Paares in Baldern mit den ehemaligen Zuhörern im Wallersteiner Hof, sicher auch deswegen, weil die Sopranistin Jutta Koch die lieblich beginnende Seefahrt, den Sturm, der das Schiff zerbrach und die Panik der Seenot so anschaulich gestaltete.

Die Zuneigung des Publikums gewann aber auch die Flötistin Gaby Pas-Van Riet für ihre atemberaubende Spieltechnik in dem begeisternden Flötenkonzert des kaum bekannten Friedrich Hermann Graf aus Augsburg aus derselben Zeit. Zu einem wahren Kunstgenuss gerieten die Koloraturen der Sopranistin Jutta Koch in den beiden Arien unbekannter Opern von Antonio Sacchini und Pietro Alessandro Guglielmi "Io non cerco, ed io non amo" und "Cari affetti del cor mio".

Ein würdiger Abschluss war eine Sinfonie von Joseph Haydn, dessen Geist über der Musik der Klassik schwebt. Johannes Moesus wählte dafür die "Es-Dur Sinfonie, Hob. I/76" und er traf damit eine gute Wahl, denn das temperamentvolle Allegro, der liedhafte langsame Satz, das tänzerische Menuett und der wie eine Polka mit kleinen Schleifern heiter dahin eilende Schlusssatz unterstrichen den unterhaltsamen Charakter des Werkes. Die engagierte und in allen Teilen exzellente Spielweise des Kurpfälzischen Kammerorchesters und das gestaltende Dirigat des Dirigenten würdigten die Zuhörer mit einem lang anhaltenden Applaus.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren