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Musica Ahuse

07.05.2013

Spirituelle Reise in Perfektion

Absolut stilsicher und in überragender Perfektion, unterstützt von wunderbarer Akustik, präsentierten sich die Musikerinnen und Musiker von „la Reverdie – ensemble di musica medioevale“ in der Klosterkirche von Auhausen.
Bild: Werner Kunzmann

Emotional-musikalisches Ereignis bei wunderbarer Akustik. „laReverdie“ in der Klosterkirche Auhausen

Auhausen Mit der italienischen Gruppe „laReverdie – ensemble di musica medioevale“ hatte der rührige Verein „Musica Ahuse“ zum Jubiläumsjahr des Schäufelin-Altars musikalische Hochkaräter in die Auhausener Klosterkirche geholt. Das in ganz Europa gefeierte Ensemble, das je nach Repertoire in Gruppen von drei bis 14 Musikern auftritt, spürte mit „I dodici giardini – Die zwölf Gärten“ den bloßen Andacht-Text der Bologneser Nonne Caterina de Vigri (1413–1463) auf.

Da zweifellos feststand, dass diese Texte gesungen wurden, jedoch keine Spur einer musikalischen Notation dieses Laudenrepertoires gefunden wurde, griffen die Musiker in akribischer musikwissenschaftlicher Kleinarbeit auf andere typisch-zeitgenössische Handschriften aus dem venetianischen Raum zurück. Zwar wäre die nun in der italienischen Originalfassung zu Gehör gebrachte reiche Instrumentation in einem Kloster nicht denkbar gewesen, doch sollte sie nach dem Willen der Gruppe „ein klingender Spiegel des überbordenden Reichtums an Metaphern für Licht, Farbe, Wärme, Geruch und Geschmack, Klang und Rhythmus, Gesang und Tanz sein, um das Unbeschreibbare zu beschreiben“.

Santa Caterina de Bologna vollzog in ihrem Text die spirituelle Reise einer Seele zur Vereinigung mit Christus und die verschiedenen Punkte auf dem Weg als „Gärten“. In jedem der zwölf Gärten hört und spürt man die intime Resonanz des göttlichen Wortes in der nach Vollendung strebenden Seele. Hoch konzentriert nahm sich „laReverdie“ – an diesem Abend als Sextett – dieser anspruchsvollen Aufgabe an: Claudia und Livia Caffagni mit ihren eindrucksvollen wie ausdrucksstarken Solostimmen, stets blitzsauber und glockenklar; Elisabetta de Mircovich las die einführenden Texte in italienischer Sprache an sich schon kantabel und spielte mit gefühlvollem Strich die Rebec, eine damals der sakralen Musik vorbehaltene Vorläuferin von Geige und Cello.

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Präsent, aber nie aufdringlich

Stets präsent, aber nie aufdringlich, legte Sara Mancuso auf Harfe und Claviciterium mit fließenden Läufen ein rhythmisches Fundament. Technisch brillant und in Anbetracht der einfachen Bauweise ungemein facettenreich, gelang Doron David Sherwin mit seinem Zink eine melodisch reizvolle und tragende Untermalung. Sein gelegentliches Schlagwerk schob er so pointiert wie zurückhaltend ein. Lisa Dunk schließlich steuerte ihren samtweichen, aber doch prägenden Sopran kirchenraumfüllend bei.

Die wunderbare Akustik der Klosterkirche ließ sämtliche hauchzarten Impressionen, kontemplativen Emotionen und auch die gelegentlichen von greifbarer Fröhlichkeit durchwirkten tänzerischen Momente, insgesamt die greifbare musikalische Hingebung des Ensembles in bewegter wie bewegender Harmonik und Melodik spürbar werden.

Absolut stilsicher und in überragender Perfektion aufeinander abgestimmt lieferte „laReverdie“ ein emotional-musikalisches Highlight in der Auhausener Klosterkirche, das weit mehr als die leider nur erschreckend spärlich besetzten Reihen verdient gehabt hätte.

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