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Sommer

08.07.2019

Wenn der Badespaß getrübt wird

Die Seen und Weiher (das Bild zeigt den Schmähinger Weiher) in der Region locken bei warmen Temperaturen viele Badegäste. Doch mit der Hitze kommen die Schattenseiten der natürlichen Gewässer.
Bild: Verena Mörzl

Plus Das warme Wetter hat seine Schattenseiten. Ein natürliches Phänomen sorgt für Papeln und Juckreiz. Warum das nichts mit schlechter Wasserqualität zu tun hat und was ein Experte rät.

Der Juni hat Temperaturen auf Sommer-Niveau hervorgebracht. Kein Wunder, dass Ausflüge zu den Badeseen in der Region beliebt sind. Behörden warnen allerdings: Immer wieder kommen Menschen mit Hautausschlägen zurück. Der Leiter des Nördlinger Gesundheitsamtes, Dr. Rainer Mainka, gibt Tipps, wie die sogenannte Badedermatitis, die auf verschiedene Weise auftritt, vermieden oder gelindert werden kann.

Ihm sind bereits Klagen über Rieser Seen zu Ohren gekommen. Am Schmähinger Weiher sollen Badegäste vereinzelt mit Juckreiz auf sogenannte Zerkarien reagiert haben. Das sind dem Amtsarzt zufolge Larven bestimmter Saugwürmer, die Papeln auslösen. Also Hautrötungen und kleine Schwellungen – im Volksmund auch Weiherhibbel oder Hundsblattern genannt, wie die Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg informiert. Demnach soll die „Erkrankung“ im fränkischen Raum am bekanntesten geworden sein, gerade bei Sommer-Wetter. Das Auftreten von Badedermatitiden hat nichts mit der Wasserqualität zu tun, sondern ist nach Angaben der Landesanstalt ein natürliches biologisches Phänomen.

Laut Mainka können mehrere Ursachen zu Hautausschlag führen

Als natürliche Endwirte (in denen die erwachsenen Saugwürmer leben und sich vermehren) gelten Wasservögel wie Enten, Gänse und Schwäne. Eier dieser Saugwürmer werden mit dem Kot des befallenen Vogels ins Wasser ausgeschieden. Dort schlüpfen kleine Larven, die so winzig sind, dass sie in Süßwasserschnecken eindringen können und sich laut Experten in diesem Zwischenwirt durch ungeschlechtliche Vermehrung zu Zerkarien, den frei schwimmenden Larvenstadien (Gabelschwanzlarven), entwickeln. Die kleinen Tiere bohren sich beim Erstkontakt mit dem Menschen in die Haut, werden dort aber in der Regel durch das Immunsystem des Menschen abgetötet. „Badezerkarien sind bei uns harmlos“, sagt Mainka, „im Gegensatz zu tropischen Gegenden. Ich würde nicht dazu raten, im Nil baden zu gehen“. Im tropischen Süßwasser könnten schwerere Krankheiten übertragen werden.

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Laut Mainka gibt es aber gerade im Sommer mehrere Ursachen, die zu einem Hautausschlag führen können. Auch der Eichenprozessionsspinner zählt dazu, die Reizungen ähneln Schnakenstichen – auch sie zählen zum Übel des Sommers. Einige Badegäste reagieren auch empfindlich auf Grasmilben, sagt Mainka. Sie können beim Kontakt mit der Grasoberfläche einen Ausschlag auslösen.

Lange Aufenthalte in flachem Wasser vermeiden

Die Badedermatitis wird mit Salben und Lotionen symptomatisch behandelt. Mainka rät allerdings auch, die Tipps zu befolgen, die das Landesinstitut vorschlägt: Lange Aufenthalte im Flachwasserbereich vermeiden, in tieferen oder leicht strömenden Bereichen schwimmen, nach dem Schwimmen die Badesachen wechseln und den Körper mit einem Handtuch gut abreiben.

In den Seen im Kreis werden regelmäßig Qualitätsproben entnommen. Laut einer Sprecherin des Landratsamtes gibt es derzeit keine weiteren Beanstandungen. Dasselbe gilt für das Wörnitzfreibad in Oettingen. Auf der Homepage der Stadt veröffentlicht die Verwaltung regelmäßig die Werte. Einer fällt auf: Die Wassertemperatur der Wörnitz lag in diesem Jahr beinahe bei 30 Grad, das zumindest haben die Labor-Proben ergeben. Bauamtschef Klaus Obermeyer erklärt, dass die Messungen der Stadt nicht ganz so hoch seien. „Das liegt daran, dass die Labor-Proben an der Wasseroberfläche genommen werden.“ Diese erhitze sich aber immer sehr schnell. Die Messungen, die die Stadt durchgeführt hatte, lagen vergangene Woche bei 25 Grad, sagt Obermeyer. 2018 habe der Rekord bei rund 26 Grad gelegen, sagt er. Bei solchen Temperaturen werde es wegen des sinkenden Sauerstoffgehalts problematisch für die Fische. Mit den frischen Temperaturen diese Woche hat die Natur allerdings eine Verschnaufpause.

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