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Neuerscheinung

05.04.2014

Wer weiß, was „Hommelbloama“ sind?

Verlegerin Helga Steinmeier (links) und Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler (2. von links) begrüßen zu zünftiger Musik 150 Gäste im Saal der „Rose“ in Mönchsdeggingen.

Gerda Schupp-Schied und ihr neunter Band

Leider ist die Rieser Heimatkunde-Ikone Gerda Schupp-Schied aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht da, als im Mönchsdegginger Wirtshaus „Rose“ ihr neunter Band zum kollektiven Rieser Gedächtnis, „Hommelbloama-Wei“, vorgestellt wird. Ihren Mann lässt sie schöne Grüße an die Gäste ausrichten „So an die fuchzeah werads scho sei“, hatte sie ihm gesagt. Mit der 15 lag sie gefühlsmäßig richtig, nur hätte sie noch eine Null dranhängen müssen; der Saal platzt aus allen Nähten.

Helga Steinmeier vom gleichnamigen Nördlinger Heimatverlag begrüßt die Gäste, sichtlich aufgeregt angesichts des unerwarteten Ansturms. Sie erinnert daran, dass Gerda Schupp-Schied schon seit fast 50 Jahren unterwegs ist, um Vor- und Nachkriegszeit im Rieser Dorfleben einzufangen. Alle Facetten des Alltagslebens beleuchtet sie in hunderten von Kapiteln; jetzt sind 26 neue hinzugekommen. Mit ungewohnten Aspekten dringt sie besonders tief in die Rieser Seele vor, wie bei Analyse von Bauernstolz, Kellnerinnen oder revolutionären Technologien, zum Beispiel Telefonzellen. „Sie ist ein Glücksfall für das Ries“, sagt Helga Steinmeier. Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler stellt das Buch vor und unterstreicht, was ihm beim Lesen auffiel: „Gerda Schupp-Schied hat bei ihren Recherchen mit unheimlich vielen Leuten gesprochen. In einer kurzen Textstelle zitiert sie fünf Menschen, die sie alle besucht hat.“

Dettweiler liest fünf der 26 Kapitel vor, zuerst das, in dem der Titel erklärt wird: „Hommelbloama“, auch „Muasdischla“, ist der Rieser Name für Löwenzahn. Daraus ließ sich, ebenso wie aus Beeren, Schlehen oder Hagebutten, Wein herstellen – ein altes Rezept schließt das Kapitel ab.

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Das Leben auf einer fürstlichen Domäne

Im Kapitel über den Möderhof bei Deiningen wird das Leben auf einer fürstlichen Domäne beschrieben. Der Gutshof war groß, professionell geführt mit Fachpersonal vom Verwalter bis zu speziellen Kräften zum Kühe melken oder Schweine füttern. Hier war man immer seiner Zeit voraus; Strom und Wasser kamen jeweils um Jahre früher als zu anderen Höfen.

Die Kindheit war wie im Paradies, erzählen Zeitzeugen – zur Schule fuhren sie auf dem Milchwagen mit, im Winter auf den warmen Kannen und in Decken gehüllt.

Aus einem Kapitel über die Motorisierung im Unterries wird klar, das diese Ende der 1920-er, Anfang der 1930-er Jahre zunächst mit dem Motorrad begann. So findet sich denn auch ein Bild einer Huisheimer Motorradgang von 1952 im Buch.

Im Kapitel „Gansviertelpartie“ geht es um das traditionelle Gänseessen in Gasthäusern; die Autorin rekonstruiert genau das Schlachten und Zubereiten der Gänse. Eine Frau Kommerzienrat bestand zum Beispiel auf Stücken von weiblichen Gänsen, die ihr auch angeblich stets serviert wurden – dabei kann man Gans und Gänserich in der Pfanne wohl kaum unterscheiden.

Grammophons waren selten, wurden zu besonderen Gelegenheiten wie an Weihnachts- oder Schlachttagen gespielt und waren die Attraktion. Mal versammelte man sich zu geselligen Einkehr-Abenden um den Plattenspieler, mal wurde er zum Vatertags-Ausflug auf dem Pferdewagen mitgenommen.

Bei der Buch-Präsentation schufen Bläser der Musikkapelle Mönchsdeggingen in der urigen Wirtschaft die Atmosphäre jener versunkenen Zeit, in die das Buch von Gerda Schupp-Schied entführt.

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