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Landkreis

23.12.2018

Wie der Kult um die Krippen entstanden ist

Alljährlich erfreut die große Krippendarstellung in St. Sebastian in Oettingen Hunderte von Besuchern. Das Besondere an ihr ist, dass die Christgeburt in einem Rieser Bauernhaus am Rande der Stadt Oettingen stattfindet.
Bild: Dettweiler

Weihnachtskrippen haben auch in der Region eine lange Tradition. Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler erklärt, was hinter den Figuren steckt.

Das Wort „Krippe“ gibt es im Deutschen in verschiedenen Bedeutungen. Einmal meint es den Futtertrog von Tieren, ein anderes Mal eine Einrichtung zur Pflege von Kleinkindern, in unserem Fall aber geht es um die Weihnachtskrippe.

Franz von Assisi soll 1223 die Weihnachtskrippe erfunden haben, zunächst als „lebende Krippe“ mit echten Schafen, Ochs und Esel und lebendigen Menschen, ähnlich wie sie heutzutage auf unseren Christkindlesmärkten wieder zu bewundern und Anziehungsmagnet vor allem für kleinere Kinder sind. Ausgangspunkt aller Krippen ist die Darstellung der Christusgeburt auf frühchristlichen Sarkophagen, mittelalterlichen Buchmalereien, Glasfenstern und Plastiken. Seit etwa 1350 liegt der Figurenkanon fest und umfasst die Heilige Familie mit Maria, Josef und dem Kind, Ochs und Esel, Hirten, Könige mit ihren Tieren, Engel und Stern. Bisweilen werden darüber hinaus auch andere Szenen dargestellt wie die Herbergssuche, die Hochzeit zu Kana und andere. In jedem Fall aber geht es um die plastische Darstellung einer biblischen Geschichte, an Weihnachten eben um die Geburt Jesu. In Lukas 2 wird dieses Geschehen ausführlich im Wort dargestellt und bei Matthäus im zweiten Kapitel um die Erscheinung der Weisen aus dem Morgenland erweitert.

Die Figuren: Maria und Josef und das Kind sind Grundausstattung einer jeden Krippe, sei sie aus Holz geschnitzt, aus Ton geformt, naturbelassen oder bemalt. Der Stern von Bethlehem als Komet und ein(ige) Engel, dazu ein Stall erweitern das Ensemble, noch dazu, wenn dann auch Hirten und Frauen, Schafe und Hunde, Ochse und Esel und weitere Dinge wie Palmen, Brunnen, Feuerstellen und Gewässer dazu kommen.

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Krippen: Die „Heiligen Drei Könige“ kamen erst später hinzu

Interessant jedoch wird es, wenn nach Neujahr die „Heiligen Drei Könige“ aufmarschieren, denn diese Gruppe kam mit ihrer Symbolik erst sehr viel später dazu, in der Barockzeit, nach 1680. Es sind drei Weise, denn ursprünglich waren vor 1492 erst drei Erdteile bekannt, Europa, Afrika und Asien. Die Dreiheit bedeutet nicht nur die göttliche Zahl, sondern in diesem Fall auch die Zahl der Ganzheit. Gott kommt zu allen Menschen; alle Menschen dürfen zu Gott kommen. Gleichzeitig wird auch die Prophezeiung Jesajas erfüllt (Jes. 49, 23): Und Könige werden vor dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht. Und Psalm 72, 10-15: Die Könige zu Tharsis werden Geschenke bringen … und Gaben zuführen… und man wird ihm Gold geben. Jes. 60, 6: Sie werden Gold und Weihrauch bringen.

Die „alte Welt“ (Europa) wird dargestellt von Melchior, einem Greis, einem alten Mann, der mit einem Pferd kommt, sich nieder bückt, um dem Kind sein Gold zu schenken, ein Zeichen des Reichtums (an Weisheit) von Königen. Jesus, der König! I.N.R.I. – Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum (Jesus von Nazareth, König der Juden) – diesen Satz ließ der römische Statthalter Pontius Pilatus nach Joh. 19,19-22 auch in Latein auf einer Tafel oben am Kreuz Christi anbringen.

Der jugendhafte Kaspar (Caspar) mit dem afrikanischen Elefant bringt Weihrauch, Zeichen der Heiligkeit und Verehrung, die dem Hohen Priester vorbehalten sind. Jesus, der Hohepriester! Nachzulesen ist das bei Joh. 17, 20.21 im so genannten „Hohepriesterlichen Gebet“.

Bleibt schließlich noch Balthasar. Er vertritt Asien und den Mannesstand, das „mittlere Alter“. Er reitet auf einem Kamel ins Heilige Land und führt als Gastgeschenk Myrrhe mit sich, Symbol der Bitterkeit, des Todes. Mit ihr gehen Ärzte und Heiler um. Hier wird schon angedeutet, dass Jesus viele Menschen heilen und schließlich für uns einen bitteren Tod sterben wird. Jesus, der Heiland, der macht, dass „die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen rein werden und die Tauben hören, die Toten auferstehen und den Armen das Evangelium gepredigt wird.“ (Mat. 11, 5)

20+C+M+B+19: Und wenn zwischen Neujahr und Epiphanias die „Heiligen drei Könige“ mit ihrem Sternträger von Haus zu Haus gehen und den Segensspruch „20+C+M+B+19“ an die Türen schreiben, dann dürfen die einen glauben, dass das Caspar, Melchior und Balthasar bedeutet, die anderen aber darin den lateinischen Spruch erkennen „Christus Mansionem Benedicat“ – möge Christus dieses Haus segnen.

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