Besonders ältere Personen im Landkreis haben pfiffige Ideen, wie sie ihr Lagerobst unterbringen. Aus alten Möbelschränken mit schmalen Schubladen, in denen in kühlen Räumen jede Apfelsorte sorgsam voneinander getrennt aufbewahrt wird, strömt mit der Zeit herrlicher Duft hervor. Woanders dienen ehemalige Viehställe mit günstigen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsverhältnissen dem gleichen Zweck.
In der Literatur gibt es einen Hinweis, die Äpfel am besten so zu lagern, wie sie auf dem Baum hängen, nämlich mit dem Stiel nach oben. Was in dieser Stellung auf Ästen nicht ausgereift ist, kann im Lager in Anlehnung an die Natur fortgesetzt werden. Sind die Früchte aber nicht ausreichend trocken oder der Raum tendenziell auch mal zu feucht, kann es genau umgekehrt besser sein. Ist die Stielgrube einer Apfelsorte nämlich so tief, dass eine offene beziehungsweise direkte Verbindung zum Kernhaus besteht, kann Wasser eindringen und für Schimmelbildung sorgen.
Der Schöne aus Boskoop schrumpelt gerne
Bei vielen Apfelsorten liegt die ideale Luftfeuchtigkeit bei 85 bis 90 Prozent, während andere Artgenossen 92 bis 95 Prozent lieben. Letzteres gilt für Früchte mit rauer Schale und geringer Wachsschicht. Der bekannteste Vertreter ist hier der Schöne aus Boskoop, der gerne schrumpelt, während andere nicht dazu neigen. Optimal ist eine Lagertemperatur zwischen zwei und drei Grad plus Celsius, doch bestimmte Sorten wünschen eine Temperatur leicht darüber. Das Reifegas Ehtylen sollte durch Lüften öfter mal entweichen, auch ist es ideal, Herbst- und Winteräpfel getrennt voneinander zu lagern, damit die späten Sorten haltbarer werden. Gemüsesorten wie etwa Zwiebeln würden Geschmack und Geruch drastisch beeinflussen.
Die Apfelsorte Jonagold ist mit ihrer Entstehung 1943 relativ neu. Sie entstand in Geneva bei New York in den USA durch gezielte Kreuzung aus Jonathan und Golden Delicious, wobei es mehrere Typen gibt. Wird Jonagold zu spät geerntet, kann es zu Fleischbräune kommen. An manchen Stellen im Landkreis gedeiht dieser Apfel in bestimmten Jahren überraschend gut. Nach fünf Monaten im Lager lässt das Aroma nach. Doch gerade bei dieser Sorte ist Aufbewahrung in perforierten Folienbeuteln möglich.
Äpfel in der frostfreien Gartenhütte lagern
In modernen Häusern hapert es wohl meist an ausreichend feuchten und kühlen Lagermöglichkeiten. Frostfreie Garagen und Gartenhütten mögen hier helfen. Es gibt Familien, die sich mit Decken oder dergleichen behelfen und ihre Früchte erstaunlich haltbar machen. Naturkeller mit gewachsenem Boden oder Wänden aus Klinkersteinen sind ideal. Hier und da im Landkreis gibt es noch Höhlen- oder Felsenkeller, die unseren Vorfahren ohne Kühlschrank sehr gute Dienste leisteten. Für Obstfans, die keine geeigneten Möglichkeiten haben, wäre es ideal, in einem Ort eine gemeinsame Lagermöglichkeit zu schaffen.
Steckbrief Jonagold:
- Baum: groß, breit, dicht belaubt (Sommerschnitt!), viröse Triebsucht möglich, liebt wärmere, gute Böden
- Schale: hart, glatt, fettig, grünlich-gelb, Deckfarbe rot (gestreift, verwaschen)
- Frucht: süß und mildsäuerlich, Aroma steigt mit der Ausfärbung, daher mehrmals durchzupflücken
- Blüte: mittelspät, lang anhaltend, frostempfindlich, schlechter Pollenspender
- Pflückreife: ca. Mitte Oktober
- Genussreife: ab Oktober
- Haltbarkeit: März
- Ralf Hermann Melber ist Mitglied im Deutschen Pomologenverein und Obstbaumpfleger.