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Wespen

18.06.2019

Droht diesen Sommer eine Wespenplage?

Wespen sind Nützlinge und Plagegeister in einem. Jetzt im Juni sind sie auf der Suche nach eiweißhaltiger Nahrung für die Larven.
Bild: Jens Kalaene, dpa (Symbolbild)

Die ersten Wespen schwirren bereits durch die Gegend. Beim Naturschutzbund rechnen Experten für diesen Sommer mit weniger Wespen. Diese Faktoren sind maßgebend.

Der Sommer ist da und mit ihm kommen die Wespen. Beim Eisessen, im Biergarten oder am Frühstückstisch fühlen sich die meisten von den Wildtieren gestört. Jetzt im Juni sind die ersten Larven geschlüpft und die Wespen schwärmen aus, um Futter zu besorgen. Die Hochsaison der unter Naturschutz stehenden Wespen beginnt jedoch erst in einigen Wochen.

Wespen suchen derzeit Futter für die Larven

Auf Süßes haben es die Wildtiere im Moment noch nicht abgesehen, wie Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung (DeWiSt) erklärt. Auf dem Wespenlarven-Speiseplan stehen vielmehr proteinreiche Insekten wie Blattläuse, Fliegen oder Spinnen. "Die Larven-Fütterung mag der Grund sein, warum der eine oder andere jetzt das Gefühl hat, 'Hilfe, die Wespen kommen'", so die DeWiSt-Sprecherin.

Menschen sind Calvi zufolge nicht gefährdet, solange sie sich vom Nest und den sammelwütigen Wespen fernhalten. Wer beim Grillen Steaks auf dem Teller liegen hat, solle nicht hektisch werden und die Wespen gewähren lassen, denn das Fleisch locke die Wildtiere auf ihrer Suche nach Eiweiß für die Larven an. "Haben sie ein Stück Beute ergattert, ziehen sie auch wieder weiter. Hier ist Toleranz und Miteinander gefragt", so Calvi. Wer für die Wespen keine Bedrohung darstellt, laufe demnach auch nicht Gefahr gestochen zu werden.

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Expertin rechnet für 2019 mit weniger Wespen als im Vorjahr

Das eigentliche Wespenjahr beginnt je nach Witterung und Region Ende Juli. "Sind die Bedingungen günstig, kann man dank der Klimaerwärmung damit rechnen, dass die Wespen sogar bis in den November hinein herumschwirren", so Melanie von Orlow, Biologin beim Naturschutzbund (Nabu). Neigt sich das Wespenjahr dem Ende zu, sterben die Arbeiterinnen und lediglich die Jungköniginnen überwintern in geschützten Hohlräumen unter Steinen, in Baumhöhlen oder in Holzstapeln.

Im vergangenen Jahr hatten wochenlange Trockenheit und hohe Temperatur den Wespen ideale Lebensbedingungen beschert. Doch "so extrem wie letzten Sommer wird es nicht", winkt von Orlow ab. Die promovierte Biologin rechnet für diesen Sommer "bestenfalls mit einem Gleichstand" im Vergleich zu 2018, die Zahl der Wespen werde aber keinesfalls zunehmen. Statistisch erfasst wird das Wespenaufkommen nicht.

Diese Faktoren entscheiden, ob 2019 ein Super-Wespenjahr wird

Ideale Witterungsbedingungen herrschen Jenifer Calvi zufolge, wenn es trocken und warm ist, die Temperaturen jedoch unter 30 Grad bleiben und ab und an ein Regenguss kommt. Bei zu großer Hitze stören die Plagegeister den Menschen weniger, "denn dann werden die Arbeiterinnen zum Ventilator – mit ihren Flügeln fächeln sie Luft in das Nest hinein um die Brut vor dem Austrocknen zu schützen", so Calvi. Einige der Arbeiterinnen sterben ihrzufolge dabei gar den Erschöpfungstod.

Entscheidend für die Zahl der Wespen ist von Orlow zufolge das Frühjahr, wenn die Königin alleine sei. "Ist das Wetter dann schlecht, scheitert die Königin am Nestbau und so reduziert sich zwangsläufig die Population", erklärt die Biologin. Die Zahl der Wespen hängt außerdem vom Klima am jeweiligen Ort ab.

Auch die Anzahl der Hornissen entscheidet darüber, ob es diesen Sommer mehr Wespen gibt. "Hornissen sind Feinde der Wespen, sie überfallen Wespennester und verfüttern das Wespenfleisch wiederum an ihre Larven", erklärt Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung. Starkregen und Stürme können zudem bereits bestehende Wespennester zerstören und durch Überschwemmungen wiederrum können ganze Staaten ertrinken, gibt Calvi zu bedenken. Wie viele Wespen es in diesem Sommer geben wird, lasse sich daher nicht eindeutig vorhersagen.

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