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Hund und Katz

17.08.2007

Haustiere machen glücklich

Haustiere können die Psyche des Menschen stärken und seinen Gesundheitszustand verbessern. "Ein Haustier schafft Glücksmomente", sagt Prof. Reinhold Bergler, Psychologe an der Universität Bonn.

Der Arbeitstag war stressig, der Magen knurrt ­ und jetzt auch noch dieser Stau. Doch kaum dreht sich zu Hause der Schlüssel im Schloss, miaut es hinter der Tür, und der Feierabend beginnt für den Katzenhalter noch einmal neu.

"Ein Haustier schafft Glücksmomente und kann die Bilanz zwischen Alltagsfreuden und -ärgernissen zum Positiven verändern", sagt Prof. Reinhold Bergler, Psychologe an der Universität Bonn. Doch ganz von allein funktioniert das nicht: Nur wer sich intensiv mit seinem Tier beschäftigt, bekommt von ihm auch etwas zurück.

Zahlreiche Studien haben bewiesen: Haustiere können die Psyche des Menschen stärken und seinen Gesundheitszustand verbessern. "Ein Tier animiert uns zum Sprechen, Lachen und Zärtlichsein. Es aktiviert wohltuende Gefühle", erklärt Bergler, der zugleich Vorsitzender des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft in Bremen ist. 2004 fanden Forscher heraus, dass Haustierbesitzer gesünder leben als Menschen ohne Tier: Deutlich weniger Arztbesuche waren bei den Tierfreunden zu verzeichnen.

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"Voraussetzung ist aber immer, dass zwischen Mensch und Tier eine liebevolle Beziehung herrscht", sagt Andrea Beetz, Psychologin aus Erlangen mit dem Schwerpunkt Mensch-Tier-Beziehung. Wenn jemand seinen Hund zwar pflichtbewusst regelmäßig füttert und nach draußen führt, ihn aber ansonsten weitgehend ignoriert, dann darf er auch keine positiven Effekte auf die Psyche erwarten.

Wer dagegen viel Zeit mit seinem tierischen Gefährten verbringt, tut sich selbst etwas Gutes: "Tiere beruhigen uns. Beim Streicheln einer Katze zum Beispiel sinkt die Atemfrequenz", sagt Heidi Bernauer-Münz, Tierverhaltenstherapeutin aus Wetzlar. Auch wer still seine Aquarienfische vorüberziehen sieht, entspannt sich. Doch Tiere bringen ihre Halter auch auf Trab. "Wer einen Hund hat, bewegt sich automatisch an der frischen Luft", sagt Reinhold Bergler. Gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, Blutdruck- oder Gelenkproblemen könne ein Hund indirekt zur Genesung beitragen.

Warum genau viele Menschen überhaupt gerne Tiere um sich herum haben, ist bis heute nicht geklärt. Viele Experten können sich jedoch auf die so genannte Biophilie-Hypothese einigen: "Wir haben ein natürliches Interesse an Tieren, weil sie uns ­ als Nahrung, Nutztier oder Bedrohung ­ in unserer Entwicklungsgeschichte immer begleitet haben", sagt Andrea Beetz. Die Sehnsucht nach der Natur sei tief im Menschen verankert, sagt auch Heidi Bernauer-Münz. "Mit einem Hund oder einer Katze holen wir die Natur nach Hause."

Unbestritten ist, dass Kinder durch den Umgang mit Haustieren lernen können, auf die Bedürfnisse anderer Lebewesen einzugehen. "Tiere stärken ihr Verantwortungsbewusstein und fördern die kindliche Kommunikation", sagt Bernauer-Münz. Dabei muss es gar nicht unbedingt eine Katze oder ein Hund sein. Gerade für kleinere Kinder eignen sich auch Kaninchen oder Meerschweinchen.

Laut Bergler fällt vielen Kindern das Lernen leichter, wenn ein Hund bei ihnen ist. Das belegten wissenschaftliche Beobachtungen: "Die schulischen Leistungen in der Vergleichsgruppe der Schüler mit Hund verbesserten sich deutlich." Wenn der Hund neben dem Kind auf dem Boden liegt, entsteht eine Atmosphäre der Ruhe und Stetigkeit. "Die Anwesenheit des Hundes diszipliniert und motiviert das Kind."

Nicht nur in den USA kommen Tiere in der Therapie zum Einsatz. "Auch in Deutschland gibt es verschiedene Ansätze mit Tieren", sagt Heidi Bernauer-Münz. So nehmen manche Psychologen Hunde mit in die Praxis, weil sie eine natürliche Atmosphäre schaffen. Und in einem ungezwungenen Gespräch über seinen Hund könne der Therapeut unter Umständen leichter ein Vertrauensverhältnis zum Patienten herstellen, erklärt Andrea Beetz.

Das Institut für soziales Lernen mit Tieren in Wedemark (Niedersachsen) bietet Therapien für geistig- und köperbehinderte Kinder an. Kontaktaufbau, Körpergefühl und Konzentrationsfähigkeit werden beim Streicheln und Spielen mit Esel, Schaf oder Hund trainiert. Behinderte erfahren häufig auch bei der Reittherapie ein neues Körperbewusstsein.

Bei essgestörten oder missbrauchten Jugendlichen kann der Umgang mit Pferden das Selbstwertgefühl steigern, so Andrea Beetz. Informationen dazu gibt es etwa beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten (www.dkthr.de). Ein wissenschaftlicher Beleg für den Erfolg der vor allem in den USA angebotenen Delfintherapien steht laut Reinhold Bergler noch aus. Dennoch gelten entsprechende Behandlungen als Möglichkeit, Störungen wie Autismus zu behandeln.

"Wer ein Tier hat, fühlt sich seltener einsam", sagt Andrea Beetz. Die stumme Akzeptanz, die Tiere Menschen entgegenbringen, gebe es in der menschlichen Kommunikation nur selten. Nach dieser Kommunikation sehen sich viele Hundehalter trotzdem ­ und nicht selten ist es kein anderer als der Vierbeiner, der sie anbahnt: Wer einen Hund hat, wird auf der Straße oder beim Bäcker öfter angesprochen, sagt Heidi Bernauer-Münz. "Die Kontaktmöglichkeiten verbessern sich." Und vielleicht gehen nach dem ersten kurzen Plausch über den Hund schon bald zwei Tierfreunde gemeinsam mit diesem spazieren. (dpa)

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