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Interview

06.01.2012

King Kool Savas: vom Porno-Rapper zum Naturburschen

Kool Savas ist der scheinbar Geläuterte unter den Rappern. Im Gespräch hat er verraten, warum er sich verändert hat und statt auf Partys lieber in der Natur unterwegs ist. Foto: Fabian Bimmer dpa

Kool Savas ist der scheinbar Geläuterte unter den Rappern. Im Gespräch hat er verraten, warum er sich verändert hat und statt auf Partys lieber in der Natur unterwegs ist.

Kool Savas ist zurück. Mit seinem dritten Soloalbum „Aura“ startet der selbst ernannte „King of Rap“ durch. Nach gut einer Woche war „Aura“ bereits auf Platz eins in den deutschen Charts. Doch hört man Savas’ drittes Soloalbum, erkennt man den King of Porno, der mit Songs wie „Lutsch mein Schwanz“ oder „Alle MCs sind schwul in Deutschland“ berühmt wurde, kaum wieder. Seine neuen Lieder machen Mut, zu seinen Schwächen zu stehen und erzählen vom steinigen Weg zum Erfolg. Der K!ar.Text-Redaktion verriet Kool Savas, warum er an den Zustand des vollkommenen Glücks glaubt, weshalb er keine Partys mehr feiert, lieber in den Bergen unterwegs ist und warum der Porno-Rap von früher ein Fehler war.

Savas, wo ist der Porno-Rap auf deiner neuen Platte geblieben?

Kool Savas:
Den gibt es dort nicht. Es ist kein Text dabei über Frauen. Kein Text über Partys. Es geht um mich selbst, es ist viel Retrospektive drin. Ich erzähle von mir, auch aus der Vergangenheit. „Stimme“ zum Beispiel ist ein sehr persönlicher Song, der sich mit einem eher unangenehmen Thema beschäftigt: über seine Schwächen zu reden und dazu zu stehen.

Warum machst Du keinen Porno-Rap mehr?

Kool Savas:
Ich weiß heute, was meine Zeilen für Auswirkungen hatten. Was sie für eine Wirkung in der Öffentlichkeit gehabt haben müssen. Vor allem für die Kids waren sie kein gutes Vorbild. Ich möchte selbst irgendwann Kinder. Es ist einfach die Frage, ob man solche Texte wegen ihrer Außenwirkung noch mit sich vereinbaren kann. Und die Leute, die meine Musik früher gemocht haben, finden es auch jetzt gut, was ich mache.

Es geht also um die Außenwirkung? Du selbst hattest kein Problem mit solchen Texten?

Kool Savas: Ich habe solche Texte gemacht, weil das einfach mein Humor ist. Es ging mir früher einfach darum, Texte und Musik zu machen, die unterhalten. Ich habe es als Spaß gesehen. Das gibt es öfter. Nehmen wir zum Beispiel die Macher von South Park: Das sind erwachsene Menschen, die Quatsch produzieren. Von mir war das damals eine leicht spätpubertäre Haltung, die ich witzig fand. Es hat einfach Spaß gemacht.

Es war also nie Deine Absicht, mit diesen Zeilen Frauen abzuwerten?

Kool Savas: Nein! Gott gütiger! Ich bin immer respektvoll mit Frauen umgegangen.

Auf Deinem neuen Album gibt es den Track „LMS“, den Du zusammen mit Xavier Naidoo aufgenommen hast. Jetzt steht er für „Last Man Standing“. Früher war „LMS“ die Abkürzung für „Lutsch mein Schwanz“. Warum hast Du ausgerechnet die ordinäre Abkürzung von früher für einen Song gewählt, der Mut machen soll?

Kool Savas:
Das war irgendwie Schicksal. Das ist ein toller Titel, der meine Veränderung wieder spiegelt. Gerade weil das, was früher als provokant empfunden wurde, jetzt für meine eigene Veränderung steht. Der Titel steht dafür, dass man sich verändern darf, kann und sogar soll.

Veränderungen sind also absolut wichtig im Leben?

Kool Savas: Selbstverständlich. Das ist etwas sehr Wichtiges. Ich habe mich privat und als Künstler verändert. Es ist ein Unterschied zwischen der Zeit, als ich 20 war und jetzt, wo ich 35 bin. Sich zu entwickeln darf niemals aufhören. Außer man hat den einen Punkt erreicht, an dem man absolut glücklich ist, und alle Umstände so perfekt sind, wie man sie sich immer gewünscht hat.

Denkst Du, dass es den Zustand des vollkommenen Glücks überhaupt gibt?

Kool Savas:
Ich denke, dass das möglich ist. Das Problem ist nur, dass der Mensch an sich ein undankbares Wesen ist. Man muss sich in klaren Momenten immer wieder vor Augen führen, was man eigentlich alles hat. Ich gehe dazu in die Natur. Da kann ich meinen Kopf leer kriegen und die weltlichen Probleme hinter mir lassen. Da kann ich abschalten und innehalten. Ich liebe es, mich in der Natur, vor allem in den Bergen, aufzuhalten. Es ist ein wunderschöner Ort, um nachzudenken. Das gibt mir ehrlich gesagt mehr als Partys.

Kool Savas besucht also keine Partys mehr?

Kool Savas:
Nein. Ich fühle das nicht mehr so. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis danach. Ich finde das total stumpf. Ich rauche, trinke und kiffe nicht. Die Leute, die dort sind, tun das meist. Alle um dich herum sind betrunken und aggressiv. Dazu noch die laute Musik. Das brauche ich nicht mehr.
 

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