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Kriminalität
10.05.2017

Alle Bürger in einer DNA-Bank speichern?

Radikaler Vorschlag eines Mediziners stößt auf Ablehnung

Jedes Jahr werden im Hamburger Institut für Rechtsmedizin circa 4000 Tote untersucht. Institutsdirektor Klaus Püschel und seine Mitarbeiter müssen die Identität der Opfer klären und die Todesursache feststellen. Haben die Rechtsmediziner eine DNA gefunden, ist es oft noch ein mühsamer Weg bis zur Ermittlung eines Täters, wenn er nicht schon polizeibekannt ist. Püschel könnte sich eine radikale Vereinfachung vorstellen: „Wir sollten den DNA-Code von jedem Menschen in unserem Lande haben“. Von jedem Neugeborenen und jedem Erwachsenen, aber auch von jedem Touristen und von allen Flüchtlingen sollte eine DNA-Probe genommen werden.

Verbrechen könnten schneller aufgeklärt werden. Auch nach einem Unglücksfall wäre die Identifizierung von Toten viel einfacher. Deutschland wäre insgesamt viel sicherer, glaubt Püschel. Die Daten sollten nach Ansicht des Rechtsmediziners an einem vollkommen sicheren Ort gespeichert werden, „tief unten in einem Bergwerk“, und auch vor Hackerangriffen absolut geschützt sein. Über den Zugang sollten mehrere Richter wachen, die die Daten nur in gesetzlich klar definierten Fällen herausgeben, etwa bei Entführung, Vergewaltigung, Mord und Totschlag.

Jan Reinecke, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Hamburg, sagt zu dem Vorschlag: „ Die polizeiliche Arbeit könnte dadurch erheblich vereinfacht werden.“ Doch dann äußert er große Bedenken: „Wer sichert uns zu, dass diese Datenbank nicht in falsche Hände gerät?“ Auch Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar warnt eindringlich vor Püschels Idee. Eine genetische Vorratsdatenspeicherung sei weder mit der Unschuldsvermutung noch mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar. „Eine Strafverfolgung um jeden Preis, die den Einzelnen ohne Anlass als Objekt der staatlichen Kontrolle behandelt, mag es in totalitären Systemen geben. Dem Rechtsstaat sind derartige Ansätze fremd.“ (dpa)

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