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Sprachforschung

17.06.2009

Sächsisch bleibt unbeliebtester Dialekt

Die Frauenkirche in Dresden.

Sächsisch ist nach einer repräsentativen Umfrage weiterhin der unbeliebteste Dialekt in Deutschland. Schwäbisch und Bayerisch liegen weit vorn, müssen aber einer anderen Mundart den Vortritt lassen.

Berlin (dpa) - Sächsisch ist nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Deutsche Sprache weiterhin der unbeliebteste Dialekt in Deutschland. 30 Prozent der befragten Bundesbürger gaben an, Sächsisch als "besonders unsympathisch" zu empfinden.

Schwer beliebt ist dagegen das Norddeutsche. 24 Prozent der Interviewten empfanden den herben Klang des Nordens als sympathisch, berichteten Sprachforscher am Mittwoch in Berlin. Positiv überrascht stellten sie darüber hinaus fest, dass die Deutschen ihre Sprache lieben, Dialekte pflegen und ausländische Akzente tolerieren. Sie lesen auch gern Zeitung oder Bücher. Sorge macht den Forschern nur, wie schwer sich viele Deutsche bei der Verständigung mit Ausländern tun.

Für die Untersuchung zu aktuellen Spracheinstellungen in Deutschland wurden im Oktober 2008 etwa 2000 Menschen befragt. "Wir hatten wirklich nicht mit so positiven Gefühlen gerechnet", sagte Sprachforscher Ludwig Eichinger. Statt der erwarteten Nörgelei empfanden viele Befragte "Liebe" (47 Prozent) und "Stolz" (56 Prozent) gegenüber ihrer Muttersprache. Sie beschrieben sie als schön, anziehend und logisch, nur eben auch ein bisschen schwierig.

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So manches Vorurteil gegenüber Dialekten dürfte mit dieser Studie dahinschwinden. 60 Prozent der Deutschen gaben an, einen Dialekt zu sprechen - völlig unabhängig vom Bildungsgrad. Die meisten von ihnen leben im Süden und Südwesten Deutschlands. Im Rest der Republik halten vor allem die Berliner im Ostteil der Hauptstadt ihr Fähnchen hoch: 83 Prozent berlinern mit Leidenschaft.

Darüber hinaus ist eine Unterscheidung zwischen "Ostdeutsch" und "Westdeutsch" 20 Jahre nach dem Mauerfall jedoch kein Thema mehr. Die meisten Interviewten nehmen heute allein ein sprachliches Nord- Südgefälle wahr. Als sehr sympathisch wird neben dem norddeutschen Klang das Bayerische sowie das Schwäbische und Badische (Alemannisch) bewertet. Unsympathisch klang in den Ohren vieler Befragter neben Sächsisch aber auch Bayerisch. Dass Bayern und Sachsen ihre Dialekte innig lieben, überrascht als Ergebnis weniger.

Unter den ausländischen Akzenten hören die Deutschen den französischen am allerliebsten. 48 Prozent sagen, dass sie gar keinen Akzent unsympathisch finden. Weniger gern lauscht der Rest allerdings einem russischen (14 Prozent) und türkischen Akzent (11 Prozent). Bei den jüngeren Erwachsenen bis 29 Jahren wird eine türkische Satzmelodie aber auch als sympathisch gewertet (27 Prozent). Je mehr Kontakte es in der Schule oder im Alltag mit Fremdsprachen gibt, desto positiver wirkt nach Einschätzung von Sozialpsychologen auch ihr Klang.

Insgesamt tun sich viele Bundesbürger in der Begegnung mit Einwanderern, die noch wenig oder kein Deutsch sprechen, jedoch schwer. 43 Prozent finden das schwierig oder sehr schwierig. Dass Immigranten im Privatleben in ihrer Muttersprache reden, lehnen vor allem Befragte mit einem niedrigen Bildungsgrad ab.

Sorgen um die Zukunft der deutschen Sprache machen sich die Forscher allein im Wissenschaftsbereich. Dort hat das Englische die Herrschaft übernommen. An der Leselust der Deutschen zweifeln sie dagegen nicht: 70 Prozent der Interviewten gaben an, täglich Zeitung zu lesen, ein Drittel - vor allem Frauen - griff gern zum Buch. Auch Internetfreunde lesen laut Studie gern Zeitung oder Bücher.

Viele Befragten legten auch Wert auf ein gepflegtes Deutsch und eine korrekte Rechtschreibung. Die Mehrheit möchte, dass mehr für die deutsche Sprache getan wird. Ein Gesetz, dass das Deutsche vor negativen Einflüssen schützt, lehnen aber fast zwei Drittel ab.

Sächsisches Allerlei: Die zwischen Görlitz, Leipzig und Vogtland gesprochene Mundart hat klangvolle Ausdrücke und Wendungen hervorgebracht. Einige Beispiele:

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