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Sexspielzeug aus dem Familienunternehmen

05.03.2008

"Spaßbringer vom Lande": Holzdildos aus Heimarbeit

Holzdildos aus Heimarbeit
2 Bilder
Maria Thüry färbt einen handgefertigten Holz-Vibrator ein.
Bild: ml/dvb

Ein Familienunternehmen der besonderen Art macht auf dem Markt für Sexspielzeuge Furore: Im Odenwald produziert eine Familie Dildos aus Fichtenholz mit den klingenden Namen "Goliath" oder "Bärenzunge".

Buchen (ddp). Ein Familienunternehmen der besonderen Art macht auf dem Markt für Sexspielzeuge Furore: Im Odenwald produziert eine Familie Dildos aus Fichtenholz.

Sie heißen "Goliath", "Fuchsschwanz", "Hummel", "Bärenzunge", "Keule" und "Eichelhauer" und sind die "Spaßbringer vom Lande". Hergestellt werden sie in Deutschlands erster Manufaktur für Dildos aus Fichtenholz im Odenwald.

Auf die Idee kam Maschinenschlosser Elmar Thüry aus dem Buchener Teilort Hettigenbeuern. Am Anfang stand das schlechte Wetter irgendwann im August 2006. "Da habe ich mich an die Drechselbank gestellt und Holzpilze gemacht", erinnert sich der 46-Jährige.

Offenbar waren die nicht ohne weiteres als solche erkennbar, jedenfalls kam seinem ältesten Sohn Steffen beim Betrachten kein Pilz, sondern ein Dildo in den Sinn. Im Internet-Auktionshaus Ebay ging der erste Holzdildo schließlich für 20 Euro weg.

Kurz darauf meldete sich ein Sexshop-Besitzer aus dem Saarland und wollte wissen, ob es noch mehr gibt. "Wenn der die will, machen wir sie", lautete die Antwort von Elmar Thüry.

Heute gibt es mehr als 72 verschiedene Dildos, Vibratoren und andere Freudenbringer in den Größen L, M und S. Wobei keine Grenzen gesetzt sind: Ein auf Kundenwunsch gefertigtes Exemplar brachte es auf einen Durchmesser von zwölf Zentimetern.

Ehefrau Maria Thüry war am Anfang noch skeptisch, wie übrigens fast alle Kunden. Ihr Mann überzeugte sie aber dann, dass Fichtenholz nicht splittert und eine einmalige Resonanz hat. "Nicht umsonst sind Geigen und Gitarren ja auch aus Fichtenholz", erklärt der Dildo-Produzent. Zum Beweis schlägt er mit der "Keule" mehrmals hart auf die Kante der Drehbank auf, was weder der Lackierung noch dem Holz schadet.

Jedes Stück ist reine Handarbeit, und pro Tag schafft Thüry bis zu 40 Exemplare. Gattin Maria, die früher Puzzles mit mehreren tausend Teilen machte, lackiert jetzt die Sexspielzeuge mit dem Namen "Waldmichlsholdi" nach einem geheimen Verfahren.

Die Frage, wie er auf diese Bezeichnung gekommen sei, beantwortet Thüry zunächst mit einem schelmischen Grinsen und dann mit Verweis auf ein Volkslied, in dem ein Waldmichel vorkommt. So sei er auf den Begriff gekommen, wobei der "Holdi" schlicht für Holzdildo stehe. Der Namensschutz sei gerade im Gange. Für Dildos und Sexspielzeuge aus Fichtenholz hat Thüry schon jetzt ein Gebrauchsmuster.

Waldmichlsholdi ist ein reines Familienunternehmen. Neben den Eltern kümmert sich Sohn Steffen (28) um den Internetshop, Daniel (24) ist für die Arbeitsvorbereitung zuständig, und Jasmin Thüry (18) verpackt die Produkte. Ihre Freundinnen reagierten sehr positiv auf die speziellen Aktivitäten der Familie Thüry, sagt Mutter Maria.

"Hinter vorgehaltener Hand wird im Ort aber schon getuschelt", fügt Elmar Thüry hinzu. Nicht alle Ortsbewohner finden Gefallen an der Geschäftsidee. Dabei macht Thüry kein Geheimnis aus seiner Nebentätigkeit und lässt bei Interesse auch mal einen Blick in die Lackiererei und Versandstelle - eine frühere Abfüllstation für Getreide - zu.

Direkt verkaufen darf die Familie ihre Produkte nicht, sondern nur über das Internet. So mussten zwei Pärchen, die sich kürzlich für das Waldmichlsholdi-Sortiment interessierten, wieder unverrichteter Dinge nach Hause fahren.

Eine halbe Stunde später bestellten sie dann vier "Holdis" per E-Mail. Dennoch will Elmar Thüry noch in diesem Jahr ein Schild mit der Aufschrift "Waldmichlsholdi" an seinem Bauernhaus anbringen.

Seine echte Handarbeit verkauft Thüry mittlerweile auch in die Schweiz und nach Belgien. Große Erotikanbieter haben bereits Interesse signalisiert. So steht dem Maschinenschlosser in diesem Jahr noch der Besuch einer Erotikmesse in Las Vegas ins Haus.

"Das macht einem fast ein bisschen Angst", kommentiert der 46-Jährige den Erfolg, der ein Nebenerwerb bleiben soll. Seinen eigentlichen Beruf will er auf jeden Fall weiterhin ausüben, was Expansionspläne aber nicht ausschließt: "Eine zweite Maschine kommt in den nächsten Tagen, und wenn die Nachfrage noch größer wird, haben wir auch noch Platz für eine dritte."

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