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Studie

02.03.2019

Spielen in der Natur macht Kinder gesünder

Auf Bäume klettern, im Gras Fangen spielen oder Verstecken im Wald – das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch gut fürs Wohlbefinden.
Bild: Jan-Philipp Strobel, dpa (Symbol)

Wer in jungen Jahren oft im Grünen spielt, ist psychisch besonders stabil – und zwar das ganze Leben lang. Kinder in Betonwüsten haben es da schwerer.

Immer mehr Menschen leben weitab von Wiesen und Wäldern in Betongroßstädten. Verstädterung nennen Sozialwissenschaftler das Phänomen. Eine umfangreiche dänische Studie hat jetzt ergeben, dass neben konkreten Gesundheitsgefahren durch schlechtere Luftqualität und Lärm anscheinend auch die Psyche deutlich darunter leidet.

Die Analyse der Universität Aarhus in Dänemark ergibt, dass Kinder, die mit mehr Grün in der Umgebung aufwachsen, ein bis zu 55 Prozent geringeres Risiko haben, später im Leben eine von 16 typischen psychischen Krankheiten zu entwickeln. „Je länger Kinder von der Geburt bis zum zehnten Lebensjahr von Grün umgeben sind, desto geringer wird deren Risiko, psychisch zu erkranken“, präzisiert Studienautorin Kristine Engemann gegenüber unserer Redaktion. Für die Studie, in dieser Woche im renommierten US-Wissenschaftszeitschrift Pnas veröffentlicht, haben die dänischen Wissenschaftler Satellitendaten aus der Zeit zwischen 1985 und 2013 ausgewertet. Die Bilder zeigen, wie grün die Wohnorte von einer Million dänischer Kinder waren und sind. Diese wurden dann mit Gesundheitsdaten aus dem späteren Leben verglichen.

Wohlhabenden Familien leben öfter im Grünen

„Dabei haben wir Störfaktoren herausgerechnet. Etwa die Tendenz, dass Kinder aus wohlhabenden Familien mit höherem Lebensstandard eher in grüneren Gegenden groß werden als Kinder aus armen Familien. Auch den Bildungsgrad der Eltern und deren Einkommen haben wir als Störfaktoren, die auch einen Einfluss auf die spätere Gesundheit haben könnten, herausgerechnet“, sagt Engemann. „Unsere Studie zeigt, dass die Umgebung, in der wir aufwachsen, viel wichtiger ist, als man bislang angenommen hat.“ Die Forscherin hofft, dass diese Erkenntnis zu einer besseren Städteplanung mit mehr Grünanlagen beitragen kann. „Das ist besonders wichtig, weil in Zukunft immer mehr Menschen in Städten leben werden“, sagt Engemann.

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In der Stadt zu leben, sei nicht per se schädlich. In städtischen Parks zu spielen, ist demnach genauso gesundheitsfördernd, wie im Wald auf Bäume zu klettern oder auf Wiesen durchs Gras zu tollen. Warum genau eine grüne Nahumgebung in der Kindheit so positive Auswirkungen auf das spätere seelische Wohlbefinden hat, bleibt unklar. „Laut früheren Studien regenerieren Menschen sich nach Belastungen schneller in einer grünen Umgebung als im Betondschungel“, sagt Engemann.

Natur hilft Kindern beim Lernen

Eine weitere Studie habe zudem ergeben, dass Kinder, die in eine Schule mit viel Grün ringsherum gehen, durchschnittlich ein besseres kognitives Vermögen entwickeln als Kinder in Schulen ohne viel Grün. Zudem sei bekannt, dass Grünflächen in naher Umgebung dazu führen, dass Menschen mehr Sport machen, sich mehr bewegen, so Engemann. Auch bei Kindern mit deutlichen Konzentrationsschwierigkeiten sei festgestellt worden, dass eine grüne Nahumgebung hilfreich ist, um deren Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Allerdings darf die Studie nicht missverstanden werden. Sie besagt nicht, dass mehr als die Hälfte der Kinder in der Stadt später psychisch krank werden. „Es ist wichtig, dass es in unserer Studie nur um relative Risikosteigerungswerte geht. Es ist nicht automatisch so, dass Kinder aus Betongettos in absoluten Zahlen zu 55 Prozent häufiger psychisch krank werden als Kinder aus grünen Nahumgebungen“, betont Engemann.

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