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Studie häusliche Gewalt
23.11.2016

Wenn zu Hause die Gewalt wartet - Zahlen und Fakten

Mehr als 100 000 Frauen pro Jahr werden in Deutschland Opfer von Gewalt in der Partnerschaft.
Foto: Maurizio Gambarini (dpa)

Eine aktuelle Studie zu häuslicher Gewalt zeigt: Immer noch werden Frauen häufig Opfer ihrer Partner. Die meisten suchen keine Hilfe.

43 Prozent aller getöteten Frauen in Deutschland wurden im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht. Generell ist die Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt in den Jahren 2012 bis 2015 um 5,5 Prozent gestiegen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, gestern in Berlin. „Das sind knapp 130000 Opfer und 18 Prozent aller bei der Polizei erfassten Delikte“, sagte er.

Studie häusliche Gewalt: Körperverletzung am häufigsten angezeigt

Am häufigsten würden Fälle von leichter Körperverletzung angezeigt. Gefolgt von Bedrohung, gefährlicher Körperverletzung, Stalking, Mord oder Totschlag. Frauen machen 82 Prozent der Opfer aus und sind damit am häufigsten von häuslicher Gewalt betroffen. Der Anstieg der Zahlen ist laut Statistik damit zu erklären, dass die Zahl der Körperverletzungen zunehme. Eher rückläufig seien dagegen Vergewaltigungen, Nötigungen, Bedrohungen, Stalking oder Tötungsdelikte.

Häusliche Gewalt gibt es in allen Gesellschaftsschichten. Eine Altersklasse sticht aber hervor: Ein Drittel der Opfer ist laut Münch zwischen 30 und 39 Jahren alt. Auch die Mehrheit der Täter sei so alt. „Ein Viertel der Täter stand außerdem unter Drogeneinfluss“, sagte er. Ein häufiges Motiv sind dem BKA-Präsidenten zufolge Trennungen.

Häusliche Gewalt beginnt meist langsam

„Es handelt sich aber weniger um plötzliche Eskalationen“, relativierte Petra Söchting, Leiterin des bundesweiten Hilfstelefons für Opfer von häuslicher Gewalt. „Es fängt langsam an. Mit Kontrolle zum Beispiel, die Frauen häufig noch mit Liebe verwechseln.“ So würden Opfer zunehmend isoliert, bis sie nicht mehr wüssten, wie sie alleine aus der als ausweglos erscheinenden Situation herauskommen. „Wir müssen den Opfern ein Ausstiegsangebot machen“, sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). Laut Studien suchten zwei Drittel der Frauen keine Hilfe. Sie verwies deshalb auf das Hilfstelefon, das unter 08000/116016 zu erreichen ist. Seit 2013 gibt es das Angebot. Es helfe vielen Frauen, weil sie zwar von Angeboten wie Frauenhäusern wüssten, die Hemmschwelle, dort Hilfe zu suchen, ist jedoch höher, als eine telefonische Beratung zu nutzen.

BKA-Präsident Münch verwies außerdem auf das Gewaltschutzgesetz, das es der Polizei erlaube, Täter einer Wohnung zu verweisen und das polizeilich durchzusetzen.“ Früher war das unmöglich. Ein sensibles Thema sei noch die Vereinbarkeit des Gewaltschutzgesetzes mit dem Umgangsrecht des Täters für gemeinsame Kinder. „Für mich ist das Kindeswohl schon gefährdet, wenn Gewalt gegen die Mutter ausgeübt wird“, sagte Schwesig. Es soll diesbezüglich Gespräche mit dem Justizministerium geben.

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23.11.2016

Die oben genannten 82% können sich nicht nur auf häusliche Gewalt beziehen, denn die geht, wie mehrere hundert Untersuchungen belegen, zu nahezu gleichen Teilen von beiden Geschlechtern aus. Heißt also die genannten 100.000 weiblichen Opfer wären noch um rd. 100.000 männliche (!) Opfer zu ergänzen! Die dürfen wir auch nicht vergessen, die leiden genauso wie die Frauen!

Wobei, selbst wenn nicht nur häusliche Gewalt gemeint ist, die 82% in seltsamen Widerspruch dazu stehen, daß insgesamt Männer die häufigsten Gewaltopfer sind -laut Kriminalstatistik!

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