Newsticker
Ja zur Ampel: Grüne stimmen für Koalitionsverhandlungen mit SPD und FDP
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Technikmesse IFA: Wie sich das Fernsehen wandelt

Technikmesse IFA
09.09.2014

Wie sich das Fernsehen wandelt

Android für die Glotze: Beim UHD-TV 65PUS9809 von Philips sollen Nutzer wie beim Smartphone den Play Store aufrufen können.
Foto: Philips (dpa)

Heute sind es nicht mehr die TV-Geräte-Hersteller, die mit ihren Neuheiten die Technikmesse IFA dominieren. Mobile Endgeräte bestimmen das Fernsehen der Zukunft.

Über Jahrzehnte war die Funkausstellung ein Ort der Innovationen. 90 Jahre wird die weltgrößte Technikmesse IFA in diesem Jahr. Und nicht nur einmal ist unter dem Berliner Funkturm Fernsehgeschichte geschrieben worden: Die erste Rundfunksendung kam 1926 vom Messegelände. Zwei Jahre später gab es die ersten Fernseher zu sehen. Und 1967 gab Willy Brandt dort den Startschuss für das deutsche Farbfernsehen.

Mobile Geräte laufen dem Fernseher den Rang ab

Heute sind es nicht mehr die TV-Geräte-Hersteller, die mit ihren Neuheiten die Messe dominieren. Vielmehr spielen Smartphones, Tablets und Internet-Dienste die Hauptrolle. Ist das Zeitalter des klassischen Fernsehens also beendet, wie es Panasonic-Manager Laurent Abadie prophezeit? Nein. Wohl aber steht die erfolgsverwöhnte Branche vor einem tief greifenden Umbruch.

Android für die Glotze: Beim UHD-TV 65PUS9809 von Philips sollen Nutzer wie beim Smartphone den Play Store aufrufen können.
12 Bilder
IFA 2014: Das sind die Neuheiten und Trends der Messe
Foto: Philips (dpa)

Zum einen klagen die Hersteller, dass der Absatz von TV-Geräten stockt. Doch nach dem Flachbildschirm-Boom der letzten Jahre fehlen der Branche die Innovationen. Die 3-D-Technologie hat sich als Flop erwiesen, weil die Zuschauer nicht mit Hightech-Brillen vor den Fernseher sitzen wollen. Ähnlich dürfte es den gebogenen Bildschirmen ergehen, die in diesem Jahr präsentiert werden. Wer will schon ein Bild, das nur in der Mitte scharf ist? Es hilft auch wenig, dass die Geräte immer schärfere Bilder zeigen können, wenn es dafür auf absehbare Zeit keine Inhalte gibt.

«heute Show» (ZDF): Im Schnitt auf etwa 3,2 Millionen Zuschauer und damit eine halbe Million mehr als in der Vorjahresstaffel kam die Satiresendung mit Oliver Welke, vor der mancher Mächtiger zittert.
14 Bilder
Die Tops und Flops des TV-Jahres 2013/14
Foto: Willi Weber, ZDF

Loewe und Metz erwehren sich der Konkurrenz aus Asien

Zugleich tobt auf dem Markt ein ruinöser Preiskampf, der den Produzenten zu schaffen macht, die Kunden aber freut. Für ein LCD-Gerät zahlen sie heute 25 Prozent weniger als 2010 – und das bei verbesserter Ausstattung und größeren Bildschirmen. Die heimischen Hersteller können mit den Schleuderpreisen der asiatischen Konkurrenz nicht mithalten. Die Folgen sind gravierend: Mit Loewe und Metz kämpfen die letzten deutschen Hersteller gegen den Niedergang. Vom Glanz vergangener Tage kann sich die deutsche Unterhaltungselektronikbranche nichts kaufen. Bekannte Namen wie Telefunken, Saba und Nordmende sind verschwunden, Grundig ist in einem türkischen Konzern aufgegangen.

Was die Branche aber am stärksten umkrempelt, ist das Internet. Inhalte, die die gesamte Familie vor dem Schirm versammeln, sind die Ausnahme. Die Mediennutzung ist individueller geworden. Vor allem jüngere Menschen verzichten auf vorgeschriebene Inhalte zu festen Zeiten und bestimmen selbst, was sie wann sehen: Videos aus dem Netz, Inhalte aus Mediatheken, Serien aus Streaming-Portalen. Je mehr internetfähige Bildschirme es gibt, desto stärker verlagert sich der Medienkonsum auf Tablet und Smartphone.

Auch wenn einzelne Manager es prophezeien: Das Internet wird das klassische Fernsehen nicht ersetzen, ebenso wenig wie mobile Geräte den Flachbildschirm ablösen können. Der Fernseher hat seine Berechtigung – als Mittelpunkt des Wohnzimmers, als Treffpunkt für die Familie, als Statusobjekt. Dafür spricht allein die Tatsache, dass die Deutschen im Schnitt vier Stunden pro Tag vor der Glotze sitzen.

Das Smartphone wird zur Fernbedienung des Lebens

Klar ist aber, dass digitale Inhalte die Mediennutzung weiter verändern werden. Vor allem junge Menschen fordern ein Angebot, das mehr Flexibilität und Interaktivität bietet. Davon werden Streaming-Dienste, die Inhalte direkt aus dem Netz abspielen, ebenso profitieren wie Online-Plattformen. Auch für die Gerätehersteller ist das eine Herausforderung. Der Fernseher der Zukunft muss sich nicht nur problemlos vernetzen. Vor allem aber sollte er sich mithilfe von Smartphone und Tablet steuern lassen. Daran führt kein Weg vorbei. Schließlich wird das Smartphone zunehmend zur Fernbedienung für alle Bereiche des Lebens.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.