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Kino

20.01.2015

The Imitation Game: Ein Hacker gegen die Nazis

Um die deutsche Chiffriermaschine „Enigma“ zu knacken, baute Alan Turing (Benedict Cumberbatch) im Krieg einen der ersten Computer.
Bild: Square One Entertainment

Alan Turing knackt im Zweiten Weltkrieg die deutsche Chiffriermaschine. Aber etwas Privates verhindert, dass der britische Mathematiker ein Held wird.

Eigentlich war Alan Turing der erste Hacker. Während des Zweiten Weltkrieges knackte der britische Mathematiker und Kryptologe die Chiffriermaschine „Enigma“ der Nazis und trug damit entscheidend zu einer Verkürzung des Krieges bei. Die Maschine, die er dafür entwickelte, gilt als einer der ersten Computer. Seine innovativen Ideen legten die Grundlagen für das Konzept künstlicher Intelligenz, das unseren digitalen Alltag bestimmt.

Großbritannien und sein gespaltenes Verhältnis zu Alan Turing

Aber warum ist dieser Mann nicht ebenso bekannt wie Konrad Zuse? Das hat zwei Gründe: Zum einen führte er seine wichtigsten Arbeiten im Auftrag des britischen Geheimdienstes durch, der das Wirken des begnadeten Informatikers unter Verschluss hielt. Zum anderen war Turing schwul und das galt im Vereinigten Königreich der 50er als kriminelles Vergehen. 1952 verurteilte ein Gericht ihn zu einer Hormonbehandlung, die einer chemischen Kastration gleich kam. Ein Jahr später beging Turing Selbstmord.

Erst 2009 entschuldigte sich die britische Regierung offiziell und vier Jahre später wurde er von der Queen posthum begnadigt. Die Biografie eines solch tragischen Helden ruft geradezu nach einer filmischen Aufarbeitung und der norwegische Regisseur Morten Tyldum („Headhunters“) bekam den Auftrag, den „Fall Turing“ für das Kino neu aufzurollen. Als Rahmenhandlung dient hier das Verhör, in dem Turing nach seiner Festnahme 1952 einem Londoner Kommissar Rede und Antwort steht. Aus dem Polizeirevier blendet der Film zurück auf zwei verschiedene Zeitebenen.

Spionagethriller und Portät über den Wissenschaftler

Zum einen in die Kindheit, in der Alan als Stotterer immer ein Außenseiter bleibt, bis er in Jugendjahren auf dem Internat seinen Mitschüler Christopher kennenlernt und seine Homosexualität entdeckt. Zum anderen in die Zeit des Zweiten Weltkrieges, wo Turing in Bletchley Park mit einem Team von Schachspielern, Mathematikern und Kryptoanalytikern den Code der „Enigma“ zu knacken versucht. Der junge Wissenschaftler beweist sich als völlig teamunfähig, glaubt aber fest an seine Idee, dass nur eine intelligente Maschine die „Enigma“ besiegen kann. Einzig zu der Kollegin Joan Clarke (Keira Knightley) baut Turing eine echte Beziehung auf.

„The Imitation Game“ verbindet Elemente des klassischen Spionagethrillers mit dem Porträt eines eigenwilligen Wissenschaftlers, dessen Persönlichkeit stark durch soziale Ausgrenzung geprägt wurde. Benedict Cumberbatch („Sherlock“, „12 Years a Slave“, „Inside Wikileaks“) nähert sich der Figur mit seiner typischen Mischung aus kühler Analyse und starker Empathie. Sein Alan Turing wird nicht zum Sympathieträger weichgespült, obwohl die Figur ihren eigenen spröden Charme entwickelt.

Historisches Flair aber zu wenig Tiefgang

Aber auch für „The Imitation Game“ gilt die eherne Hollywood-Regel: je unkonventioneller der Held, desto konventioneller die filmische Form. Gut geölt gleitet die Rückblendendramaturgie zwischen den Zeitebenen hin und her. Vergangene Jahrzehnte erstrahlen in feinstem Historienfilm-Design. Zu knapp wird dabei die letzte Lebensphase Turings verhandelt, die eigentliche Tragik und der Skandal werden nur angerissen. Da hätte der Film seinen Zuschauern schon mehr zumuten können, die der eigensinnigen Hauptfigur sicher auch in die weniger komfortablen Zonen seiner Biografie gefolgt wären.

Bewertung: 5 Sterne

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