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Weltfrauentag 2019

07.03.2019

Wo Internationaler Frauentag 2019 ein echter Feiertag ist

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Internationaler Frauentag 2019 ist heute in Deutschland zum ersten Mal ein gesetzlicher Feiertag - allerdings nur in einem Bundesland.
Bild: Stephanie Pilick dpa

Internationaler Frauentag 2019 ist heute in Deutschland zum ersten Mal ein gesetzlicher Feiertag - allerdings nur in einem Bundesland. Andere Nationen sind beim Weltfrauentag deutlich weiter.

Ist Internationaler Frauentag 2019 - englisch International Womens Day 2019 - heute am 8. März ein gesetzlicher Feiertag, an dem man offiziell frei hat? Tatsächlich kann ein Bundesland diese Frage jetzt mit Ja beantworten: Berlin.

Andernorts in Deutschland wird der Weltfrauentag zwar ebenfalls begangen, allerdings ist der 8. März dort kein gesetzlicher Feiertag. Warum ist der Frauentag nur in Berlin ein Feiertag? Wie kam es dazu? Wie steht es in anderen Bundesländern? Der Überblick.

Wo ist Internationaler Frauentag 2019 ein gesetzlicher Feiertag?

Der Internationale Frauentag am 8. März ist dieses Jahr zum ersten Mal gesetzlicher Feiertag, und zwar in Berlin. Eine entsprechende Gesetzesnovelle hatte das Berliner Abgeordnetenhaus Anfang des Jahres beschlossen. Berlin ist das erste und bislang einzige Bundesland, das den Internationalen Frauentag zum gesetzlichen Feiertag erklärt hat.

Die Berliner dürfen sich freuen: An diesem Freitag gibt es in der Hauptstadt einen neuen Feiertag. Erstmals haben Arbeitnehmer am Frauentag frei. Damit soll auch eine Ungleichheit behoben werden.
Video: dpa

Wie kam es zum Feiertag Weltfrauentag in Berlin?

Der Vorschlag, den Internationalen Frauentag zum Feiertag zu machen, kam in Berlin von den Linken - und wurde von ihren Koalitionspartnern Grünen und SPD angenommen.

Seit wann gibt es den Internationalen Frauentag überhaupt? Herkunft und Geschichte

Initiiert wurde der Weltfrauentag im August 1910 von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin auf dem zweiten Kongress der sozialistischen Internationale in Kopenhagen. Zum ersten Mal forderten dann am 19. März 1911 mehr als eine Million Menschen in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweiz, dass Frauen Ämter bekleiden und wählen dürfen. Außer in Finnland waren zu diesem Zeitpunkt nirgends in Europa Frauen zur Wahl zugelassen.

Clara Zetkin, aufgenommen während des Internationalen Kongresses für gesetzlichen Arbeitsschutz im Jahre 1897 in Zürich.
Bild: ADN/dpa

Was passiert am Internationalen Frauentag in Deutschland?

Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Tag schon lange mit roten Nelken verbunden. Zu DDR-Zeiten war der Frauentag eine sozialistische Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen weniger politische Forderungen als das gemeinsame Feiern. Ein oft männliches Mitglied der Betriebsführung zeichnete verdiente Kolleginnen aus.

Die Feministinnen der Bundesrepublik hingegen sahen den Frauentag der Ostblockstaaten kritisch: "In den 1970er Jahren kannten wir keinen 8. März", schrieb "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer 2010 über den ihrer Meinung nach "sozialistischen Muttertag". Frauen hätten sich in der DDR mit Kuchen, Nelken und "billigem Parfüm" abspeisen lassen.

In vielen deutschen Städten wird am 8. März in Veranstaltungen die Gleichstellung der Geschlechter thematisiert. Aktuelle Studien belegen, dass Frauen in vielen Bereichen des Lebens nach wie vor benachteiligt sind.

Und wie wird der Feiertag Frauentag in anderen Ländern gefeiert?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich.

  • In Russland ist der Weltfrauentag seit 1913 einer der wichtigsten Termine. Seit der Oktoberrevolution 1917 ist er offizieller Feiertag. In der Sowjetunion hatte er sozialistischen Charakter. Im heutigen Russland werden in einer Mischung aus Valentins- und Muttertag nicht nur Ehefrauen und Mütter, sondern auch Arbeitskolleginnen mit Pralinen, Parfüm und Schmuck bedacht.
  • Polen: Der "sozialistische Feiertag" mit roten Nelken hat schon in den 80er Jahren an Popularität verloren - Blumen wurden mehr und mehr am Valentinstag verschenkt.
  • Wie in Madagaskar und Nepal ist in China der 8. März ein Feiertag allein für Frauen. In chinesischen Staatsbetrieben bekommen sie häufig den halben Tag frei, manchmal verteilen die Unternehmen auch kleine Aufmerksamkeiten. In privaten Firmen und in Großstädten werden diese beiden Traditionen allerdings nur noch selten gepflegt.
  • In Italien werden meist gelbe Mimosen verschenkt. Die Blumenwahl geht zurück auf drei Widerstandskämpferinnen während der Herrschaft der Faschisten, die diese als ihr Symbol wählten. Seitdem gilt in Italien die gelbe Mimose als Zeichen für die Befreiung der Frauen von männlicher Unterdrückung.
  • Spaniens Frauen planen zum Internationalen Frauentag 2019 Demonstrationen zur Verteidigung ihrer Rechte. Spaniens Frauen sind europäische Vorreiter im Kampf gegen die Machokultur. Mit sichtbarem Erfolg: Sie setzten nicht nur eine Reihe von Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetzen durch. Sondern sie sorgten auch für eine beeindruckende öffentliche Mobilisierung: Die Welt staunte, als am Weltfrauentag im Jahr 2018 Millionen von spanischen Frauen die Arbeit niederlegten und protestierend durch Spaniens Straßen marschierten. Damit wurden die Spanierinnen zum Vorbild für Feministinnen in ganz Europa.
  • 44 afrikanische Aktivistinnen forderten diese Woche von den Staats- und Regierungschef der Welt mehr Einsatz für Frauenrechte. "Wir brauchen echte Fortschritte, keine leeren Versprechen", hieß es in einem von der Entwicklungsorganisation One verbreiteten offenen Brief. Die Aktivistinnen erinnern darin an das Versprechen der UN-Nachhaltigkeitsziele, bis 2030 die globale Gleichberechtigung der Geschlechter zu erreichen. Beim aktuellen Tempo der Verbesserungen würde es bis dahin allerdings noch 108 Jahre dauern, so die Unterzeichnerinnen.

Mehr zum Thema: Interaktive Weltkarte: Seit wann Frauen wo wählen dürfen (AZ)

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