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Versorgung

07.01.2019

Bald keine Hausbesuche mehr? Ärzte fordern mehr Geld

Ärzte fordern mehr Geld für Hausbesuche.
Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Verdient jeder Klempner besser als ein Arzt, der Patienten zu Hause besucht? Mediziner fordern mehr Geld für Hausbesuche. Was Krankenkassen dazu sagen.

Machen Ärzte bald keine Hausbesuche mehr? Die Zahl der häuslichen Visiten jedenfalls sinkt kontinuierlich. Untersuchten Deutschlands Ärzte im Jahr 2009 noch 30,3 Millionen Patienten zu Hause, waren es 2016 nur noch 25,2 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von 17 Prozent. Und der Trend hält an, denn Hausbesuche kosten Zeit, werden aber vergleichsweise gering vergütet – nach Angaben der Ärzte mit nur 23 Euro pro Besuch. Ändere sich das nicht, fürchtet Andreas Gassen, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass es auf lange Sicht gar keine Hausbesuche mehr gibt.

Falls die Vergütung für die Besuche nicht deutlich angehoben werde, warnt er, „werden sie perspektivisch nicht mehr stattfinden können“. Konkrete Zahlen nennt Gassen nicht - zur Illustration seiner Forderung aber wählt der Ärztefunktionär ein plastisches Beispiel: „Wenn der Klempner kommt, nimmt er teilweise schon 45 Euro für die Anfahrt. Da hat er die Tasche noch nicht mal ausgepackt.“ Bei einem Arzt dagegen sei in einer Großstadt bei einem Hausbesuch mit An- und Abfahrt schnell eine Stunde vorbei – für 25 Euro inklusive Fahrtpauschale.

Krankenversicherungen: "Hausbesuche werden ordentlich bezahlt"

In den Verhandlungen mit den Krankenkassen haben die Ärzte bisher allerdings keine Erhöhung der Honorare für Hausbesuche durchsetzen können. „Hausbesuche werden selbstverständlich ordentlich bezahlt“, sagt Florian Lanz, der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen. Die 23 Euro seien lediglich der Zuschlag für den reinen Hausbesuch.

 Zu diesem Betrag komme eine Versicherungspauschale dazu sowie weitere Honorare wie beispielsweise das für das Arzt-Patienten-Gespräch, sodass ein Arzt tatsächlich etwa 86 Euro für einen Hausbesuch bei einem Patienten über 75 Jahre erhalte - nach 19 Uhr und in der Nacht sogar noch mehr, nämlich bis zu 131 Euro.

Eine Einschränkung macht Lanz allerdings: Die 86 bzw. 131 Euro beziehen sich auf den ersten Besuch in einem Quartal. Die Pauschale kann ein Arzt also lediglich einmal in drei Monaten ansetzen, auch wenn er zu einen Patienten in dieser Zeit fünfmal kommt.

Warum Hausbesuche für Ärzte wichtig sind

Bis sich Ärzte und Kassen einigen, besuchen Ärzte wie Jakob Berger aus Meitingen im Landkreis Augsburg weiterhin zum bisherigen Tarif Kranke zu Hause. An manchen Tagen betreut er nach eigene Worten so bis zu 15 Patienten. „Wirtschaftlich“, sagt Berger, „ist das kaum zu machen.“ Je nach Region müssten Ärzte auch weite Wege auf sich nehmen. Und das koste Zeit.

Aus Sicht von Berger, dem Chef der schwäbischen Hausärzte, sind Hausbesuche häufig nicht nur aus rein medizinischen Gründen nötig: „Man erfährt auch Dinge, die im normalen Praxisalltag vielleicht untergehen.“ Entdecke er etwa einen Windelkorb, wisse er, dass der Patient sich nicht traue, seine Inkontinenz anzusprechen. Außerdem erkenne ein Arzt beim Hausbesuch rechtzeitig, wenn sich der Zustand des Patienten verschlechtere. „Ich kann ihn dann direkt behandeln und dadurch eine Krankenhauseinweisung vermeiden.“

Gerade Ältere und chronisch Kranke bedürften einer engmaschigen Versorgung. „Es muss aber nicht alles ein Arzt machen“, sagt Berger. Deshalb bilde der Hausärzteverband Arzthelferinnen zu Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis aus. Sie machen dann Hausbesuche, wenn nicht zwingend ein Arzt gefordert ist, und nehmen beispielsweise Blut ab oder wechseln Verbände.

Werden Hausbesuche zu schlecht bezahlt? Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Lächerlich wenig pro Hausbesuch.

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