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Kommentar
13.09.2016

Modehäuser müssen kreativer werden, wenn sie überleben wollen

Wie geht es weiter bei Strenesse? Der Investor, die MAEG Holding, hinter der die polnische Familie Kucharczyk steht, hat nun seinen Rückzug angekündigt
Foto: dpa

Wöhrl, SinnLeffers und Strenesse kämpfen ums Überleben. Aber es sind nicht die einzigen Unternehmen der Branche. Der ganze Markt wird umgewälzt. Und was bleibt?

Mode und Mittelmaß – das passt nicht zusammen. Mode – das ist Magie, Leidenschaft, Lebenslust, Überraschung. Die ganze Palette großer Gefühle. Doch, mal ehrlich, in welchem Modehaus ist das besondere Flair noch zu spüren? Die Innenstädte werden von Bekleidungsketten dominiert, die austauschbare Massenware bieten. Warum sollten Kunden überhaupt noch kommen? Diese Frage müssen Händler beantworten und endlich neue, kreative, mit dem Internet überzeugend verbundene Ladenkonzepte realisieren. Gerade in der Mode.

Vor allem mittelständische Textilhändler müssen gute Antworten haben und ihre Einzigartigkeit herausarbeiten – einzelne Häuser in der Region machen dies bereits. Die missliche Lage eines Wöhrl, eines SinnLeffers muss aufrütteln. Geschieht dies nicht, droht das Sterben gerade mittelständischer Modehäuser weiterzugehen. Denn sie sind besonders bedroht. Auf sie wächst der Druck von allen Seiten: Globale Textilketten wie Zara oder H&M verstehen es mit kurzlebigen Trends, gerade die Jugend für sich zu begeistern. Markenshops ziehen Kunden an. Discounter wie Aldi und Lidl haben längst die Mode entdeckt und machen auch mit höherwertigen Kollektionen von sich reden. Nicht zuletzt wandern viele Kunden ins Internet ab.

Online-Shopping hat alles verändert

Das Online-Angebot hat das Kaufverhalten komplett verändert: Nicht nur, dass viele junge Leute sich in sozialen Netzwerken über Klamotten austauschen und oft bevorzugt im Internet kaufen. Der Kunde ist verwöhnt. Das Internet eröffnet ihm eine gigantische Auswahl und ermöglicht es, dass er oft über das, was er will und was es kostet, besser Bescheid weiß als mancher Verkäufer. Vor allem wollen viele Kunden eines nicht: Warten! Doch die Digitalisierung mit Smartphone & Co. ebnet dem Handel vor Ort Wege, um sogar besser und schneller auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.

Schneller muss aber nicht nur Bluse oder Hemd beim Kunden sein. Schneller ist die ganze Mode geworden. Eine Kollektion jagt die nächste. Vorbei sind die Zeiten, in denen klare Trends auszumachen sind. Die einen setzen auf Marken. Andere verbinden ein bestimmtes Lebensgefühl mit dem, was sie tragen. Für zu viele ist Mode Wegwerfware ohne jede Wertschätzung. Sie machen sich keine Gedanken darüber, zu welchen Lasten dieses Übermaß geht. Eine gefährliche Entwicklung, da sie menschenwürdige Arbeitsbedingungen zerstört und auf Kosten der Umwelt geht.

Überleben wird nur, wer Kunden an sich binden kann

Billig und schnell lautet leider oft das Motto vieler Anbieter. In diesem Haifischbecken als Mittelständler seinen Platz zu behaupten, ist nicht leicht. Managementfehler, wie sie offenbar bei Wöhrl passiert sind, kann sich keiner mehr leisten. Auch kein Modehersteller mehr. Das zeigt Strenesse. Die Schwaben spielten einst in der Champions League der internationalen Modewelt – und kleideten Sportgrößen wie Jogi Löw ein. Doch der Weggang der kreativen Designerin Gabriele Strehle erwies sich nicht als Zäsur, die neue Wege eröffnet. Er war der Beginn eines bedauernswerten Niedergangs. Heute kämpft Strenesse um seine Existenz – und es ist nicht der einzige Hersteller.

Experten sprechen zu Recht in der Mode von einem „brennenden Markt“. Er wird umgewälzt. Überleben werden nur die, denen es gelingt, nachhaltig Kunden an sich zu binden. Das kann die kleine Boutique ebenso sein wie das mittelständische Modehaus. Größe entscheidet nicht. Kunden müssen einen Grund haben, genau dort einzukaufen: beste Beratung, individuelle Mode, perfekter Service, tolles Ambiente. Nur mit einem überzeugt man nicht mehr: mit langweiliger Mittelmäßigkeit. Sie hat in der Mode auch nichts verloren.

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