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Technik
27.11.2014

Saba, Nordmende, Schneider: Deutsche TV-Geräte aus dem Programm genommen

In der besten Zeit gingen bei Schneider in Türkheim 1000 Fernseher am Tag vom Band. Dieses Foto entstand 2002, als die Firma Insolvenz anmeldete.
4 Bilder
In der besten Zeit gingen bei Schneider in Türkheim 1000 Fernseher am Tag vom Band. Dieses Foto entstand 2002, als die Firma Insolvenz anmeldete.
Foto: dpa

Deutschland war so etwas wie der König unter den Fernsehgeräte-Herstellern. Inzwischen produzieren nur noch drei Unternehmen hier. Einer ist jetzt pleite. Was schief gelaufen ist.

Ach Gottchen, wird jetzt mancher sagen, ein Nordmende Prestige SK 2. Uralte Flimmerkiste. Was wollen Sie denn mit dem? Fernsehen etwa?

Wer weiß, wer weiß, denkt sich wohl jener Herr, der auf der Internet-Plattform sammler.com ebenjenes Fernsehgerät anpreist. Mit Standfuß, an die 40 Jahre alt, vielleicht sei jemand auch nur am Gehäuse interessiert: „Habe gehört, dass manche Leute die Retrogehäuse mit neuer Technik versehen.“ Preis: Verhandlungssache.

Deutsche Fernseher nur noch Relikte aus vergangenen Zeiten?

Oder wie wäre es mit einem Siemens Bildmeister FT 380. Einem Telefunken mit der putzigen Bezeichnung „Porti 190 SE“. Könnten ja Sammlerobjekte darunter sein, die man zu Geld machen kann. Relikte aus einer Zeit, als Deutschland so etwas wie der König unter den Fernsehgeräte-Herstellern war. Einst gab es hierzulande im Bereich Unterhaltungselektronik etwa 80 selbstständige Markenunternehmen. Fast alle sind Geschichte oder wurden an ausländische Massenhersteller verkauft.

Übrig geblieben sind nur drei: Technisat mit Sitz in Daun in der Eifel. Loewe aus dem oberfränkischen Kronach, das vor gut einem Jahr pleite war, sich aber wieder etwas erholt haben soll. Und Metz aus Zirndorf bei Nürnberg. Auch ein Traditionsname. Auch einer mit Problemen. Vergangene Woche hat die Firma Insolvenz angemeldet.

Schneider in Türkheim ging 2002 pleite

Michael Ackermann bewahrt seinen alten Fernseher in einem hellen Holzschrank im Wohnzimmer auf. Wie in einem Schmuckkästchen. Ein Schneider Excellent 100. Das schwarze, kastenförmige Gerät stammt aus einer Zeit, als Ackermann Betriebsleiter in der Schneider-Zentrale in Türkheim im Landkreis Unterallgäu war. Mit dem Niedergang der Fernseherbranche geriet auch Schneider aus der Spur. Nach der Insolvenz 2002 und einem Wiederbelebungsversuch durch den chinesischen Konzern TCL schlossen sich die Tore des Standorts 2005 endgültig. Und damit war auch die Marke Schneider Geschichte.

Ackermann sitzt vor dem alten Fernseher nur noch dann, wenn seine Frau etwas anderes sehen will als er. Das Gerät Nummer eins im Haus ist heute ein großer moderner Flachbildfernseher. Michael Ackermann ist 80 Jahre alt, ein ruhiger und besonnener Mann mit grauem Haar und blauer Strickweste. Er sitzt im Wohnzimmer seines Einfamilienhäuschens in Türkheim am Tisch und blättert in einem etwas abgegriffenen Leitz-Ordner. Darin bewahrt er seine privaten Notizen, Unterlagen und Fotos aus der Zeit bei Schneider auf.

Fast sein ganzes Berufsleben hat Ackermann dort verbracht. 1955, zwei Jahre nach Eröffnung des Werks in Türkheim, hat er als 21-Jähriger seine Karriere begonnen. Ins Geschäft mit Fernsehern stieg die Firma erst viel später ein. Anfang der 1970er Jahre bestellte der Quelle-Versand 50000 Tonmöbel für das Weihnachtsgeschäft – Schränke quasi mit eingebautem Radio oder Plattenspieler. Die Ulmer Firma Emud, die die Rundfunkgeräte für den Einbau an Schneider lieferte, ging allerdings 1971/72 pleite. Schneider übernahm den insolventen Zulieferer.

Noch in den 1990ern Rekordumsätze

Dort war bis zuletzt an der Entwicklung von Farbfernsehgeräten gearbeitet worden. Die Schneider-Geschäftsführung entschloss sich, nun selbst in dieses Geschäft einzusteigen. Bereits zu dieser Zeit ein umkämpfter Markt. „Damals gab es allein in Deutschland 16 produzierende Hersteller. Wir dachten, da können wir auch noch dabei sein“, erzählt Ackermann und lacht.

Die einstigen Mitarbeiter von Emud wurden übernommen. Sie arbeiteten fortan in einem neu gebauten Werk in Straß (Landkreis Neu-Ulm), wo sie die Elektronikteile für die Schneider-Fernseher herstellten. In Türkheim wurden die Kunststoffgehäuse gespritzt und die Endmontage der Geräte vorgenommen. „In der besten Zeit gingen 1000 Fernseher am Tag vom Band“, erinnert sich Ackermann. Belief sich der Umsatz 1977 noch auf 16 Millionen D-Mark, erwirtschaftete das Unternehmen schon drei Jahre später 227 Millionen D-Mark. 1990 wurde mit 970 Millionen nur knapp die Milliarde verpasst. Auf dem wirtschaftlichen Höhepunkt hatte das Unternehmen rund 1500 Beschäftigte.

Jeden Morgen machte Ackermann seinen Rundgang durch die Produktion. Dort schufteten die Mitarbeiter täglich acht Stunden im Akkord. Der Börsengang des Unternehmens 1985 spülte mehr als 100 Millionen D-Mark in die Kassen. Die ganze Struktur des Unternehmens habe sich in der Folge verändert, sagt Ackermann. Zwischen 1985 und seinem Ausscheiden 1998 wechselten sich 15 Vorstandsvorsitzende ab. Nur die wenigsten hätten Erfahrung aus der Elektronikbranche mitgebracht, sagt er.

Entwicklung des Laserfernsehens kostete zu viel Geld

Ackermann nimmt ein selbstgezeichnetes Diagramm zur Hand. Es zeigt, wie die Kosten für Verwaltung und Vertrieb exorbitant stiegen. Oft habe er noch abends über den Zahlen gegrübelt, gerätselt, wo es noch Sparpotenzial gibt. „Es war klar, so kann es nicht weitergehen.“ Nach der Wiedervereinigung gab es einen kurzen Aufschwung. Dann brach der Umsatz ein. Klar ist heute, dass sich Schneider mit der Entwicklung des Laserfernsehens zu Beginn der 1990er Jahre übernommen hat. Eine technische Revolution, bei der das Bild auf jeden beliebigen Hintergrund in einer bis dahin ungekannten Schärfe projiziert werden konnte. „Das hat die Firma mehr als 100 Millionen Euro gekostet, konnte aber nie verwirklicht werden.“ Selbst wenn er das Ende nur als Außenstehender erlebt hat: Für Ackermann war das schmerzhaft. „Es tut mir heute noch im Herzen weh, wenn ich an dem ehemaligen Werksgelände vorbeifahre.“

Schneider also: weg. Saba, Telefunken, Nordmende und viele andere auch. Drei sind geblieben, die noch Fernseher in Deutschland herstellen. Loewe hat wie Metz auf die Hochpreis-Nische gesetzt. Und die deutsche Nummer drei, Technisat, taugt nur bedingt zum Vergleich. Erst 1998, nach der Übernahme des einzigen DDR-Herstellers RTF, ist das Unternehmen in das Geschäft mit Fernsehern eingestiegen. In erster Linie baut das Unternehmen aus der Eifel Satelliten-Receiver.

Deutschland war einmal Fernseh-Land Nummer 1

Dabei war Deutschland einst eine Wiege der Television. Nicht nur, weil auf der Berliner Funkausstellung 1928 der erste Fernseher präsentiert wurde und drei Jahre später die erste öffentliche elektronische Fernsehübertragung stattfand. Die Bundesrepublik war vor allem ein Standort, an dem entwickelt und produziert wurde. Als das deutsche Fernsehen an den Start ging, buhlten 16 Firmen um die neue Technik – Schaub, Lorenz und Nora, Krefft, Graetz und Imperial, aber auch Loewe, Metz und Grundig. Wer sich in den Wirtschaftswunderjahren ein Gerät leistete, legte dafür mehrere Monatsgehälter hin.

„In der Branche herrschte Goldgräberstimmung“, sagt Gert Redlich. Der Elektronikingenieur aus Wiesbaden sammelt alles, was es über die deutsche Fernsehergeschichte zu wissen gibt und hat daraus ein virtuelles Museum zusammengestellt. Weil er die Erinnerung an eine glanzvolle Industrie bewahren will. Weil jene Namen, die verschwunden sind, nicht auch noch in Vergessenheit geraten sollen. „Viele wissen doch gar nicht mehr, dass auch in Deutschland Fernseher hergestellt wurden“, sagt Redlich.

Deutsche Produkte sind nicht mehr wettbewerbsfähig

Im Glanz vergangener Tage kann sich die deutsche Unterhaltungselektronik nicht mehr sonnen. Die Gegenwart ist ernüchternd. Heute kommen nicht einmal zehn Prozent der Fernseher, die hierzulande verkauft werden, aus deutschen Werken. Den Markt dominieren Firmen wie Samsung und LG. Vor zehn Jahren haben die Asiaten die Branche mit Flachbildschirmen revolutioniert, während die Deutschen noch an der Röhre festhielten. Nun setzen sie mit Billigpreisen Maßstäbe – auch weil sie unter viel günstigeren (Lohn-)Bedingungen produzieren. Ein Standortvorteil, der deutsche Herstellern wie ein Keulenschlag trifft. Markengeräte mit einem Meter Bildschirmdiagonale, die in Elektromärkten für 369 Euro verkauft werden, sind keine Seltenheit.

Der Grund für den Niedergang der deutschen Industrie aber ist für Redlich ein anderer. Es sei der Erfolg gewesen, der die heimischen Hersteller in den 70ern überheblich werden ließ, sagt der Fachmann. „In all diesen Firmen saßen alte Leute. Die konnten sich gar nicht vorstellen, dass Produzenten in einem anderen Land mit besseren Ideen kommen“, erzählt Redlich.

Konkurrenz aus Japan zu lange nicht ernst genommen

Grundig-Chef Max Grundig soll sich noch zu Zeiten, als die Gewinne des Marktführers schrumpften und Lagerhallen leer standen, über die Japaner lustig gemacht haben. Dass Sony mit neuen, schärferen und leuchtenderen Trinitron-Bildröhren den deutschen Markt erobern könnte, obwohl die Produkte deutlich teurer waren, wollte sich der Patriarch nicht vorstellen. Und die Idee, dass sich die Europäer gegen die erstarkende Konkurrenz aus Japan zusammenschließen sollten, scheiterte an Machtinteressen. Während Sony Lizenzen an die Konkurrenz vergab, sträubte man sich hierzulande, Wissen zu teilen.

Die Pleitewelle, die in den 70er und 80er Jahren eintrat, war aus Redlichs Sicht unvermeidlich. „Viele kleine Hersteller sind verschwunden, andere gingen mit einem großen Knall.“ Wega ging an Sony, Nordmende wurde 1977 vom französischen Staatskonzern Thomson aufgekauft, wo später auch Saba und Telefunken landeten. „Die Franzosen konnten es auch nicht“, sagt Redlich. Die Marke Nordmende beerdigten sie Jahre später, unter Saba wurde Billigware verkauft. Der klangvolle Name Telefunken existiert nach wie vor, gehört aber nun der türkischen Firma Vestel.

Deutsche Fernseher - ein Fall für den Elektroschrott?

Auch Grundig ist nur noch eine Markenhülle, über die der türkische Koc-Konzern verfügt. Auch eine Bürgschaft des Freistaats konnte das Ende des fränkischen Herstellers nicht aufhalten. 2003 ging Grundig pleite. In Nürnberg, wo einst 10.000 Mitarbeiter in Europas größter Fernseherfabrik arbeiteten, sind heute noch 200 Menschen in Verwaltung und Logistik beschäftigt.

Auf der Internet-Seite der Technik-Nostalgiker werden auch alte Grundig-Geräte angeboten. Beispielsweise ein Fernseher aus den späten 50er Jahren. Ob jemand so etwas kaufen würde, fragt eine Sabrina. Oder wäre es besser, „ihn gleich wegzuschmeißen“?

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