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Mecklenburg-Vorpommern
31.08.2022

Eine Safari auf dem "Amazonas des Nordens"

Ich bin dann mal mitten in der Natur: Die Peene in Mecklenburg-Vorpommern ist einer der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands.
Foto: Helge Bendl

Die Peene gilt als der "Amazonas des Nordens" und ist einer der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands. Ein Revier für Eisvögel und Seeadler und ein Paradies für Paddler.

Raus aus dem Schlafsack, rein in die Klamotten, ran ans Ufer! Nebelschwaden wabern über die dampfende Peene und verwandeln die Auenlandschaft am anderen Ufer in einen Märchenwald. Im Zwielicht der Dämmerung wirkt der Fluss, als habe ihn jemand verzaubert. Dazu passt, dass die Tautröpfchen im an der Anlegestelle gespannten Spinnennetz glänzen, als hinge dort ein Collier aus funkelnden Brillanten. Dann rührt sich was: Schwanenmama, Schwanenpapa und ihre fünf Küken watscheln zwischen den Kajaks zum Wasser. Die Eltern helfen dem Nachwuchs bei der Morgentoilette. Und geben ihnen gleich noch einen Crash-Kurs im schnellen Paddeln: Wenn ein Seeadler herabstürzt, bringt man sich als Wasservogel nämlich besser umgehend im Schilf in Sicherheit.

Früh aufstehen lohnt sich, wenn man im Kajak oder Kanu die Peene erkundet. Eine Safari auf dem Wasser ist dann am schönsten, wenn die Natur erwacht. Also schälen sich die meisten menschlichen Wasserwanderer zeitig aus ihren Zelten. Dann fauchen die Gaskocher, frisch gebrühter Kaffee duftet, zum Frühstück gibt’s meist extragroße Portionen Müsli. Packen, die Ausrüstung verstauen und los geht’s! Den Startschuss gibt, mit hellem Pfiff, ein Eisvogel. Der fühlt sich hier wohl, weil 37 Fischarten im Fluss leben. Das gefällt auch den Ottern, die ein paar Biegungen weiter mit Treibholz spielen: Der naturnahe Zustand der Peene sorgt dafür, dass sie reichlich Nahrung finden.

Mit dem Verleih von Kajaks hat alles begonnen

Früher wurde in der Region Brenn-Torf gewonnen, später versuchte man es mit intensiver Landwirtschaft. Heute sind die Abgeschiedenheit in Mecklenburg-Vorpommern und die wilde Natur der Grund, warum sich Menschen aus dem Rest der Republik etwa bei Antje Enke melden. Die 53-Jährige ist mit ihrem Mann, einem gelernten Bootsbauer, vor mehr als 20 Jahren nach Vorpommern gezogen. „Auch heute noch bin ich immer wieder überwältigt von der Ursprünglichkeit und der Weite.“ Nach vielen privaten Ausflügen auf der Peene wurde ihr klar: „Der Fluss ist viel zu schön nur für eine Tagestour.“ Mit dem Verleih von Kajaks und Kanus hat alles begonnen. Inzwischen ist daraus das Netzwerk „Abenteuer Flusslandschaft“ entstanden, bei dem mehrere Anbieter zwischen Kummerower See und Usedom mitmachen. Das Projekt wurde mit dem „Eden Award“ ausgezeichnet, einem von der Europäischen Kommission vergebenen Preis für nachhaltigen Tourismus. Von ihrer Basis am Hafen von Anklam schickt Enke Hybridboote mit leisem Elektroantrieb aufs Wasser, damit kein Geknatter die Tierwelt stört. Sie engagiert Naturführer, die Biber aufspüren und ihren Gästen erzählen, dass die schneeweißen Federn der Silberreiher als Hutschmuck einst heiß begehrt waren.

Wer auf Komfort verzichtet, kommt dem Fluss noch näher. „Auf Augenhöhe mit der Natur ist man bei einer Paddeltour“, sagt die Expertin. Schnittige Seekajaks und kippstabile Kanus, wasserdichte Tonnen für die Campingausrüstung und Spritzdecken zum Schutz vor Wind und Wetter kutschiert ihr Team mehrmals pro Woche zum weiter im Inland liegenden Kummerower See. Sechs entspannte Tage sind es von hier aus zurück nach Anklam, übernachtet wird direkt am Fluss. Oft sehr idyllisch: Alle paar Kilometer gibt es für Paddler angelegte Rastplätze, auf denen man Kajaks und Kanus gut an Land ziehen, für kleines Geld sein Zelt aufstellen und eine Dusche nehmen kann. In Pensin campt man am ehemaligen Fähranleger, in Sophienhof an einem Badestrand, in Stolpe am Rand einer Marina und in Gützkow auf dem Vereinsgelände des lokalen Kanuclubs. Es heißt, in Vorpommern mache man aus einer Mücke keinen Elefanten.

Die kleine Peene hat kaum Strömung

Doch warum bezeichnen die wenigen Menschen, auf die man beim Landgang trifft, dann ihr abseits der Region kaum bekanntes Flüsschen manchmal als „Amazonas des Nordens“? Vielleicht, weil die kleine Peene kaum Strömung hat und nicht plätschert wie ein Gebirgsbach, sondern träge fließt wie ein großer Strom. Wer nicht paddelt, kommt kaum voran: Von ihrem Ursprung am Kummerower See bis zu ihrer Mündung bei Anklam hat der Fluss auf 85 Kilometern nur ein Gefälle von weniger als 30 Zentimetern. Bei starkem Ostwind fließt die Peene deswegen nicht zum Meer, sondern auf einmal in die Gegenrichtung. Die Peene ist aber vor allem deshalb der „Amazonas des Nordens“, weil weder Staustufen noch Wehre das Wasser regulieren, nur kurze Flussabschnitte begradigt sind und das Ufer abseits der Städte nicht befestigt ist. Fast der ganze Fluss wird von Naturschutzgebieten gesäumt, um eines der letzten größten Niedermoore Europas zu bewahren. So ist die Peene heute wild wie kaum ein anderer Fluss.

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Man muss also nicht unbedingt nach Afrika fliegen, um besondere Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Was hier alles fliegt und schwimmt, wächst und gedeiht, erfährt man im Besucherzentrum des Naturparks Flusslandschaft Peenetal. Biologen unterscheiden zwischen Quellmooren, Durchströmungsmooren und Überflutungsmooren, die sich nach der letzten Eiszeit hier entwickelt haben – und sonst im norddeutschen Tiefland fast überall verschwunden sind. Dazu kommen Bruchwälder, Sumpf- und Feuchtwiesen. Orchideen und Trollblumen sprießen, Schmetterlinge wie der Feuerfalter und bedrohte Wildbienen sind hier zu Hause. Bekannt ist das Peenetal für seine großen Populationen an Bibern und Fischottern.

An der Peene war einst die größte Wikingersiedlung im Ostseeraum

Ein Refugium ist es auch für Vögel: Mehr als 160 Brutvogelarten sind erfasst, davon gilt jede zweite laut Roter Liste als gefährdet. Wer still an den Bruchwäldern vorbeitreibt und mit dem Fernglas in die gefluteten Polder späht, sieht mit Glück neben Fisch- und Seeadlern auch die noch selteneren Schreiadler. An den Sommerabenden geben quakende Frösche und Kröten ihr Konzert, im Herbst singen einen röhrende Hirsche in den Schlaf.

Wo heute die Natur regiert, herrschte im zehnten Jahrhundert der legendäre Dänenkönig Harald Blauzahn über das Land. An der Peene errichteten seine Truppen die größte Wikingersiedlung im südlichen Ostseeraum. Südlich des Ortes Menzlin wurden die Gräber der Handwerker und Seeleute gefunden, leider aber noch nicht der königliche Silberschatz. Nach der Christianisierung wurden ab dem zwölften Jahrhundert dann überall Kirchen gebaut: Kleine Kapellen wie im Gutspark von Alt Plestlin (der nette Hafenmeister hat den Schlüssel), große Gotteshäuser in Demmin und Anklam. Dass die Backsteingotik einst ziemlich bunt war, zeigt Anklams dreischiffige Marienkirche: Die farbenprächtigen Wandmalereien im Inneren stammen noch aus dem 14. Jahrhundert.

Um die Ecke, in der in den letzten Kriegstagen zerstörten Nikolaikirche, huldigt man dem hier getauften Otto Lilienthal. Dem Flugpionier gelangen ab 1891 die ersten sicheren Gleitflüge der Menschheit. So finden sich in der ehemaligen Kirche nicht nur die Wappen zahlreicher Hansestädte, weil der heilige Nikolaus als Schutzpatron der Seefahrer, Fischer und Handelsleute galt. Auch ein Nachbau des Fluggleiters hängt im Kirchenhimmel. Die Tour auf und entlang der Peene wird am Ende also zu einer Safari an Land, zu Wasser und sogar in der Luft.

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