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Königsbrunn

24.11.2019

Beschwingter Jazz mit skurriler Literatur

Jazz & Book im Infopavillon 955 Königsbrunn: Musik gab es vom „A n‘D Sharp Trio“, das sind von links: Nico Weber (Trompete), Vicky Komeyer (E-Gitarre) und Andreas Scharf (Kontrabass).
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Jazz & Book im Infopavillon 955 Königsbrunn: Musik gab es vom „A n‘D Sharp Trio“, das sind von links: Nico Weber (Trompete), Vicky Komeyer (E-Gitarre) und Andreas Scharf (Kontrabass).
Foto: Claudia Deeney

Ein Bürgermeister erfüllt sich mit einem Auftritt in Königsbrunn einen Wunsch. Bei „Jazz & Book“ schaffen es vier Künstler, sich perfekt zu ergänzen.

Einen äußerst vergnüglichen und zudem lehrreichen Abend genossen nicht nur die Gäste am Freitagabend sondern auch Gastgeber und Künstler bei „Jazz & Book“ im Infopavillon 955.

Letztgenannte fühlten sich sicht- und hörbar wohl und gaben sich locker und entspannt. Vor allem Andreas Scharf, der als musikalischer Bürgermeister von Graben bekannt ist, führte als Bandleader nicht nur am Kontrabass seine Musiker durch den Event, sondern übernahm auch die Moderation. Und zwar informativ und so unterhaltsam, dass das Publikum immer wieder lachen musste.

Andreas Scharf lobt seine ehemalige Schulkameradin

Mit zur fröhlichen Atmosphäre trug sicher auch bei, dass sich sowohl die Gastgeberin des Abends, Kulturbüroleiterin Ursula Off-Melcher und Scharf sich schon seit Schulzeiten kennen, wie dieser scherzhaft zum Besten gab: „Sie hat aus ihrem Abitur was gemacht, ich muss mich mit Jazz durchschlagen.“

Auch habe er alle Register gezogen, um endlich einmal im „955“ auftreten zu dürfen, weil dieser Raum so eine tolle Akustik habe. Diese kennt er natürlich, da Andreas Scharf unter anderem als Vorsitzender des Lech-Wertach-Orchesters und in seiner Eigenschaft als Bürgermeister schon oft im „955“ war. Nur eben als Künstler selbst noch nicht und so war das am Freitag auch eine kleine Premiere für ihn.

Für alle uneingeweihten Zuhörer, die zwar die Ankündigung gelockt hatte, dass es unter dem Motto „Jazz & Book“ musikalische Darbietungen mit Lesungen geben wird, erklärte der Moderator gleich nach dem ersten gespielten Stück: „Keine Angst, wir spielen Jazz in einem festen Rahmen, die Solos sind allerdings improvisiert und danach klatschen Kenner dieser Musik, um ihre Anerkennung auszudrücken.“

Bei aller Lockerheit zeigen die Künstler, dass sie ihre Instrumente ernsthaft beherrschen

Nach dieser kleinen Lektion in Sachen „Jazz und Improvisation“ wussten die Zuhörer was sie zu tun hatten und so kamen die Musiker auch zu ihrem verdienten Zwischenapplaus, während der Stücke. Denn, dass an diesem Abend bei aller Lockerheit doch sehr gute Instrumentalisten ihre Kunst darboten, hörten auch die Gäste im Publikum, die nicht unbedingt mit Jazz an und für sich vertraut sind.

Mit wenig Technik, nämlich nur zwei kleinen Verstärkern für Vicky Komeyers E-Gitarre und den von Scharf beschwingt gezupften Kontrabass, sowie Nico Weber an der Trompete präsentierte das „A n‘D Sharp Trio“ Jazz unplugged. Alle drei Instrumentalisten verständigten sich untereinander mit Blicken und achteten darauf, sich gegenseitig Raum zu geben. Eine Kunst die vielleicht nicht jedem Zuhörer auffällt, aber sich im Klang eindrucksvoll bemerkbar macht.

„Bauer sucht Frau“ trifft auf große Literatur

Durchaus auch sehr eindrucksvoll der Vortrag von Anna Biedermann, die insgesamt vier Einheiten aus dem Buch „Unter den Menschen“ von Mathijs Deen vorlas. Das Buch hatte Andi Scharf ausgewählt, wie er erklärte: „Die Handlung erinnert an die Sendung „Bauer sucht Frau“. Allerdings ist der Ablauf sehr skurril.“ Und da hatte er nicht zu viel versprochen, wie sich herausstellte.

Sind die beiden Hauptpersonen „Jan“ und „Wil“ schon sehr eigenartig und ihre Suche nach einem Partner nicht nur humoristisch sondern mit einigen Hindernissen beschrieben, trug Anna Biedermann mit ihrer Art die ausgewählten Kapitel vorzutragen, auf alle Fälle dazu bei, sich die Welt der beiden Protagonisten richtig gut vorstellen zu können. Das Publikum brach immer wieder in lautes Gelächter aus und die nachdenklichen Momente wurden durch Biedermann herausgearbeitet, indem sie ihre Stimme senkte und besondere Stellen langsam, zuweilen auch stockend vorlas.

Zuhörerin Stefanie Früchtl lobte die Vorleserin und den ganzen Abend, als ausgesprochen kurzweilig und zum Buch sagte sie: „Ich fand das Kapitel über die Selbsterkenntnisse von Wil fesselnd und insgesamt ist die Entwicklung in dem Buch sehr spannend“. Ihr Mann Benjamin bekomplimentierte die gebotene Mischung, denn die Musikdarbietungen zwischendurch ermöglichten dem Zuhörer das Gehörte zu verarbeiten. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Franz Feigl, der seinen Amtskollegen Scharf in der Pause begrüßte.

Da Scharf gerne Gästen in Graben ein Handtuch als Gastgeschenk überreicht, bekam er selbstverständlich aus den Händen von Off-Melcher so ein gutes Stück mit dem Logo der Stadt Königsbrunn, nach viel Applaus und zwei Zugaben, ganz persönlich umgehängt. Und versprach: „Wir kommen gerne wieder“.

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