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Kleinkunst

06.08.2016

„Das Leben ist nicht nur unfair, sondern auch schön“

Alex Burkhard beeindruckte nicht nur mit Wortwitz, sondern auch mit seiner Körpersprache.
Bild: H. Schneider

Poetry-Slammer Alex Burkhard verlangt dem Publikum als fulminanter Wortakrobat einiges ab

Zum Abschluss des Halbjahresprogramms der Kleinkunstbühne in der Buchhandlung Schmid offerierte Hans Grünthaler seinen Gästen vor der Sommerpause noch ein besonderes Schmankerl. Alex Burkhard rutschte mit seinem Soloprogramm „Nicht mein Hauptwerk“ als Nachzügler ins Programm. „Nach seinem fulminanten Auftritt mit Pierre Jarawan war mir klar, dass auch noch ein Termin für sein Soloprogramm gefunden wird“, sagte Hans Grünthaler.

Burkhard verlangt dem Publikum gleich zu Beginn seines literarischen Kabaretts einen imaginären Zeitensprung ab. Er stellt sich vor, eine Schulklasse würde lange nach seinem Tod über ihn als berühmten Dichter referieren. „Sie würden in jede alltägliche Belanglosigkeit, in jeden einfach so dahingeschriebenen Satz etwas Bedeutendes hineininterpretieren, etwas was Du selbst nie gedacht hast“, versetzt sich Burkhard in die Gedankenwelt der Schüler und imitiert einen sehr unmotivierten und einen übereifrigen Referenten und deren moderierenden Lehrer.

In deren Rolle rezitiert er dann seine eigenen Texte in beeindruckender Sprechgeschwindigkeit und Wortwitz zweimal 45 Minuten lang, mal im Poetry-Slam-Stil und dann wieder in feiner, fast altertümlich klingender Lyrik. So beklagt er seine Nöte beim Friseurbesuch, da seine Haare schon in jungen Jahren begannen „sich an den Flanken zurückzuziehen wie Napoleons zerrüttete Armee nach dem Brand von Moskau“. Als Student der Skandinavistik sieht er sich stets der Frage ausgesetzt, was man damit später mal anfangen kann.

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Als er mit seinem Wissen über Skandinavien beim Kneipenquiz eine Runde Schnaps gewinnt, möchte er das Tablett am liebsten auf den Tisch knallen und sagen: „Das kann man damit anfangen!“ Köstlich anzuhören sind seine Texte über sein Leben als Hundehalter in seiner Münchner Studentenbude oder als ewig unglücklich Verliebter, der sich nicht traut, seiner heimlich Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Doch bei einer Fußballübertragung fasst er den Entschluss: „Ich möchte wie Thomas Müller sein, der hinfällt, wenn er läuft, auch mal ne Chance versiebt, aber trotzdem nie aufgibt“.

So mancher Zuhörer erkennt sich in den hintergründig witzigen Geschichten selbst wieder und dankt es mit spontanen Lachsalven. Alex Burkhard braucht keine Requisiten, er steht einfach nur da und spricht auswendig. Wenn er mal vom Blatt abliest, dann wohl nur, um die imaginären Schüler darzustellen. Die „gebrauchten“ Blätter lässt er einfach auf den Boden fallen. Er wirkt nicht dominant, eher selbstkritisch und verletzlich. Eher fragend als belehrend und dabei offenbart er Lebensweisheiten wie „Die einzige Konstante im Leben sind drei Fragezeichen“ oder „Das Leben ist nicht nur unfair, sondern auch schön“.

In der Zugabe erfreut Alex Burkhard das Publikum mit herrlichen Beschreibungen seiner Heimat Lindenberg im Allgäu und seiner Studentenheimat München in gereimten Poetry-Slam-Texten. Hans Grünthaler bedankte sich bei ihm für diesen „fulminanten Abend“ mit der obligatorischen Stofftasche, in der sich diesmal ein kleines Buch mit dem Titel „Das Lob der guten Buchhandlung“, ein Wortfinderspiel und eine Fußball-Fanmaschine fand.

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