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Königsbrunn

08.05.2020

Dichterkinder - Das ist das neue Buch von Kulturpreisträger Armin Strohmeyr

Vor einem Jahr las Armin Strohmeyr in der Stadtbücherei aus dem Buch „Weltensammlerinnen“. Eine Lesung aus seinem neuen Buch „Dichterkinder“ wird es voraussichtlich im April 2021 in Königsbrunn geben.
Bild: Marion Kehlenbach

Der gebürtige Königsbrunner Armin Strohmeyr hat ein neues Buch herausgebracht, das sich mit dem Nachwuchs der großen deutschen Autoren wie Thomas Mann oder Frank Wedekind befasst.

Kulturpreisträger Armin Strohmeyr hat ein neues Buch veröffentlicht. „Dichterkinder“ heißt es. Wie schon in der Vergangenheit hat Strohmeyr darin unterschiedliche Persönlichkeiten porträtiert. Das Neue ist, dass die Menschen diesmal alle miteinander verbunden sind – über Liebe und Literatur, aber auch über Verrat und Drogen. Die Protagonisten sind berühmte Dichterkinder: Erika und Klaus Mann (Kinder des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann), Bühnenbildnerin Mopsa Sternheim (Tochter des Dramatikers Carl Sternheim) sowie die Schauspielerin Pamela Wedekind (Tochter des Schriftstellers Frank Wedekind). Herausgekommen ist eine spannende Geschichte junger Menschen, die in der Zeit der Weimarer Republik Liebe und Anerkennung suchten, in der NS-Zeit um ihre künstlerische Arbeit kämpften und nach Kriegsende im Exil auch versuchten, die Scherben gescheiterter Beziehungen wieder aufzulesen.

Wenn nicht bekannt wäre, dass sich die Begebenheiten nachweislich genau so zugetragen haben, könnte man meinen, der Autor dramatisiere übertrieben an der einen oder anderen Stelle. Beispielsweise liebte Erika Mann die Schauspielerin Pamela Wedekind, diese verlobte sich aber mit Klaus Mann, um letztendlich den Vater der gemeinsamen Freundin Mopsa, Carl Sternheim, zu heiraten. Autor Armin Strohmeyr hat alle Fakten akribisch zusammengetragen aus Biografien, Zeitungsberichten, Tagebüchern sowie Briefen. Teilweise griff er auch auf bisher unveröffentlichtes Material zurück, was das Buch wohl auch für Literaturwissenschaftler so interessant macht.

Strohmeyrs enge Bindung zu Klaus Mann

Das fundierte Wissen speziell über Klaus Mann beruht auf Strohmeyrs Doktorarbeit. Als er vor einigen Jahren wieder Bücher von Klaus und Erika Mann zur Hand nahm, erinnerte er sich an den engeren, künstlerisch-literarischen Freundeskreis um die beiden, die bereits von Zeitgenossen „Dichterkinder“ genannt wurden. Das war von der Presse zunächst abwertend gemeint, berichtet der Literaturwissenschaftler. „Dichterkinder spielen Theater“ lautete die Schlagzeile nach der Uraufführung zum fulminanten Misserfolg von „Anja und Esther“, einem Theaterstück von Klaus Mann.

Hier spielten sich die Dichterkinder selbst. Allerdings konnte die Schauspieltruppe später den Skandal in einen grandiosen Erfolg ummünzen. In diesem Zusammenhang fiel Strohmeyr auf, dass es trotz der Fülle an biografischen Arbeiten über die Familie Mann noch keine Darstellung dieses Dichterkinder-Freundeskreises gab. „Und ich begriff die Chance, eine solche Darstellung nicht nur als biografische Geschichte einer kleinen Gruppe aufzufassen, sondern als Spiegel deutscher Kulturgeschichte von den 1920er Jahren bis in die 1980er Jahre hinein.“ Mit der Vorgeschichte der Eltern Mann, Sternheim und Wedekind fängt Strohmeyrs Erzählung um 1900 an. „Das ist ein einzigartiger Glücksfall, fast ein Jahrhundert deutscher Kulturgeschichte anhand eines einzigen Freundeskreises erzählen zu können, einschließlich der historischen Konflikte und Verwicklungen“, so Strohmeyr.

Der Freundeskreis zerbricht

Während der Arbeit am Skript erweiterte sich der enge Kreis um andere künstlerisch tätige Freunde: Gustaf Gründgens, Therese Giehse, René Crevel, Annemarie Schwarzenbach und Rudolph von Ripper. „Dass der Freundeskreis als solcher in Teilen zerbricht, ist auch eine Folge der historischen und ideologischen Zerwürfnisse.“ Klaus und Erika Mann, Therese Giehse, Mopsa Sternheim und Rudolph von Ripper gingen 1933 ins Exil, kämpften mit Feder oder Waffe gegen das NS-Regime. Mopsa Sternheim überlebte schwer gezeichnet das Konzentrationslager. Gustaf Gründgens und Pamela Wedekind hingegen blieben in Deutschland und arrangierten sich mit dem NS-Regime. „Die Hoffnungen und die ganze Tragik eines deutschen Jahrhunderts in wenigen Menschenschicksalen wie in einem Brennspiegel gebündelt zu sehen - das war der Reiz an dieser biografischen Darstellung“, erläutert der Autor. Vor ihm entrollte sich eine atemberaubende historische Erzählung, die spannender als jeder Roman wirkt und doch in allem mit Quellenangaben belegt ist, berichtet Strohmeyr. Auch sprachlich nimmt er seine Leser mit auf eine Zeitreise.

So ist Erika Mann keine gute Autofahrerin sondern eine „begnadete Automobilistin“ und Mopsa vertraut ihre Gefühle nicht einem Tagebuch an, sondern „ihrem Diarium“. Spannend wird es auch, wenn Vater und Sohn ihren Konflikt über Literatur austragen. So schreibt sich Thomas Mann seine Verärgerung über seine älteren Kinder in der Novelle „Unordnung und frühes Leid“ von der Seele. Woraufhin sich Klaus Mann literarisch rächte mit der Veröffentlichung seiner „Kindernovelle“. Armin Strohmeyr lebt in Berlin, für das kommende Jahr plant der gebürtige Königsbrunner eine Lesung in seiner Heimatstadt.

Dichterkinder von Armin Strohmeyr, erschienen im März 2020 im Piper-Verlag, Preis zwölf Euro.

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