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Kirche

03.09.2018

Mit Regenschirmen zur heiligen Ottilie

Pater Tomasz Wesolowski (links) und die vier Ministranten nehmen trotz des Regens den Weg zur Wallfahrtskapelle in Asbach auf sich – allesamt waren mit Regenschirmen ausgestattet.
Bild: Louisa Müller

Die Wallfahrt im Laugnaer Ortsteil Asbach besteht seit dem Jahr 1355. Sie ist damit die älteste der Umgebung. Ausgefallen ist sie nur ganz selten. An diesem Sonntag fand sie trotz des Regens statt. Wie Pater Tomasz damit umging

Wie in Strömen regnet es an diesem ersten Sonntag im September. Daran, die jährliche Ottilienwallfahrt in Asbach abzusagen, denkt aber niemand.

Gertrud König ist in Asbach geboren und neben der Kirche aufgewachsen. Seit über 40 Jahren betreut sie ehrenamtlich die kleine Kirche in dem Laugnaer Ortsteil. „In meinem ganzen Leben mussten wir die Wallfahrt erst zwei- oder dreimal absagen“, erinnert sich die Mesnerin. Damals habe es allerdings noch viel stärker geregnet, gewittert und geblitzt. Christine Reitenberger, die seit über vierzig Jahren bei der Wallfahrt dabei ist, stört das wechselhafte Wetter nicht. „Ich glaube, das letzte Mal, dass der Gottesdienst nicht stattgefunden hatte, war Ende der siebziger Jahre. So ein bisschen Regen halten wir schon aus.“ Die Familie Reitenberger war es auch, die beschlossen hat, die Kapelle auf dem Ottilienberg in Asbach wieder aufzubauen. Die alte Kapelle war 1785 abgerissen worden, nur noch das Taufbecken war erhalten gewesen. Der neue Andachtsort wurde 2011 fertiggestellt.

So findet sich bis zum Beginn der Prozession eine große Menge Gläubiger ein, die sogar im Regen gewillt sind, den Weg zur Kapelle auf sich zu nehmen. Unter ihnen sind neben den traditionellen Wallfahrern auch Neulinge, die heute zum ersten Mal bei der Wallfahrt dabei sind. Eine von ihnen ist Margit Seitz, die mit ihrer Familie gekommen ist: Sie kommen aus einem Nachbarort und haben schon sehr viel über den Festgottesdienst gelesen und gehört: „Jetzt waren wir einfach neugierig und wollten selbst einmal dabei sein.“

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Bei der Wallfahrt soll der heiligen Ottilie, der Schutzpatronin der Blinden und des Elsass, gedacht werden. Die Herzogstochter wurde blind geboren und von ihrer Mutter in ein Kloster geschickt. Im Alter von zwölf Jahren erhielt sie ihr Augenlicht wieder, nachdem sie vom damaligen Bischof von Regensburg, dem späteren heiligen Erhard, getauft worden war.

In Asbach gibt es die Wallfahrt schon seit Anfang des 14. Jahrhunderts, zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde sie 1355. Damit ist sie die älteste Wallfahrt in der Umgebung.

„Nachdem die Kapelle im 18. Jahrhundert abgerissen worden ist, gab es bei uns nur noch eine kleine Wallfahrt im Dorf am Ottilientag, also dem 13. Dezember“, erinnert sich Gertrud König. Heute noch wird am Todestag der heiligen Ottilie in Asbach gefeiert. „Wir feiern im Dezember einen Wallfahrtsgottesdienst in der Ottilienkirche im Dorf.“ Danach gebe es vor der Kirche Glühwein und Plätzchen, erzählt Christine Reitenberger.

Musikalisch begleitet wurde die Prozession an diesem Sonntag vom Musikverein Osterbuch. Den Gottesdienst leitete Pater Tomasz Wesolowski. Auch er und die vier Ministranten und Ministrantinnen scheuten sich nicht, den Weg durch den Wald auf sich zu nehmen – allesamt mit Regenschirmen ausgestattet. „Wir haben eigentlich besseres Wetter bestellt“, sagt Pater Tomasz lachend. „Ich weiß auch nicht, warum das dieses Mal nicht funktioniert hat.“

Die Wallfahrt ist trotz des schlechten Wetters damit alles andere als ins Wasser gefallen.

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