Die „Pforte des Himmels“ mitten in Buttenwiesen beherbergt eine besondere Ausstellung, die kürzlich eröffnet wurde. Durch einen Umbau verlor das Gebäude einst sein charakteristisches Aussehen.
Von Marion Buk-Kluger|01.04.22 - aktualisiert:
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Die Ausstellung zur jüdischen Vergangenheit eröffnet am Wochenende. Foto: Marion Buk-Kluger
Dieter Proksch erinnert sich noch gut, als er 1971 als Junglehrer nach Buttenwiesen kam. „Ich wusste gar nicht, dass in dem Gebäude früher die Synagoge war. Ich kam von Augsburg, wurde von der Regierung hierher geschickt und hatte keine Ahnung, was an diesem Ort vorher war. Es war so umgebaut, dass man das nicht erkannte.“
Vor vielen Jahren wirkte der ehemalige Konrektor der Grundschule in Pfaffenhofen beim jüdischen Arbeitskreis mit, erfuhr einst erst zehn Jahre nach seinem Jahr in der Buttenwiesener Schule von der Geschichte des Hauses. An die 50 Schüler unterrichtete der damalige Seminarist in Lehrerausbildung in dem Raum, der nun ein Museum ist und an seine ursprüngliche Bedeutung erinnert. Darin werden jetzt Teile der Synagoge und des jüdischen Glaubens gezeigt.
Vor 80 Jahren wurden die letzten Juden aus Buttenwiesen vertrieben
„Ein Sockel, der den siebenarmigen Leuchter trug, stand vor der Schule. Niemand ahnte, was das eigentlich war.“ Schließlich war eine Decke eingezogen worden, der Gottesdienstraum mit der Empore, auf der traditionell die Frauen Platz nahmen, nicht mehr als solcher erkennbar. Auch die im Nachhinein gemauerten Wände veränderten den Gebetsort. Ein radikaler Umbau 1950/51 ließ das jüdische Leben im Bauwerk optisch verschwinden, wie auch am 1. April 1942 als 37 der letzten Juden im Ort verschwunden waren und nur noch drei, die dann im Juni 1942 deportiert wurden, übrig blieben. „Nur eine Frau von den letzten 40 überlebte, die in die USA ging.“ Damit man heute sehen kann, was verändert wurde, sind die nachträglich entstandenen Wände im Museumsraum dunkel angestrichen worden, die Original-Baustruktur ist in Weiß gehalten. Mit diesem Museum soll das Gedenken an die jüdische Bevölkerung und Religion in Buttenwiesen bewahrt werden.
Viele interessante Exponate sind zu sehen. Foto: Marion Buk-Kluger
Viele der Exponate, wie eine Hülse für Stab und eherne Schlange von der Giebelspitze, die Zeiger der Synagogenuhr oder Bruchsteine des Giebelaufbaus wurden erst 2019 in einem Fehlboden entdeckt, als man anfing die Synagoge zu sanieren. Jeden letzten Sonntag im Monat ist sie von 14 bis 17 Uhr geöffnet, Dokumentarfilme werden gezeigt und die Besucher können die Mikwe (bezeichnet im Judentum das Tauchbad, dessen Wasser der Erlangung ritueller Reinheit durch Untertauchen dient) und den Friedhof besuchen.
Noch eine Ausstellung wurde eröffnet
Die Bauzaun-Ausstellung, die ebenfalls am vergangenen Wochenende eröffnet wurde, erinnert zudem an die jüdische Geschichte der Gemeinde. Auf Bannern wird unter dem Motto „Auf dem Weg zum guten Ort“, der früheren Bezeichnung für den jüdischen Friedhof, Wissenswertes vermittelt. „370 Jahre werden hier vermittelt, von der ersten Ansiedlung im 16. Jahrhundert bis zum Holocaust 1942, die einzelnen Epochen eben“, erklärt Johannes Mordstein. Die Schau soll bis zur Sanierung der Synagoge stehen bleiben, Führungen bei Interesse inklusive.
Als Aufsicht bei der Museums-Eröffnung dabei: Dieter Proksch.Foto: Marion Buk-Kluger
„Es ist auch der Versuch, die vier Themensonntage vom letztjährigen Projekt zu Leben in Deutschland in dauerhafter Gestalt zu präsentieren“, so Mordstein weiter, der erläutert, dass die Bauzaun-Variante auch der Pandemie geschuldet sei, da man 2021 auf die Bestimmungen reagieren musste, als das Projekt konzipiert wurde. Auch das Nebengebäude der Synagoge gehört zum Ensemble, hier war ein Wohnhaus jüdischer Mitbürger, und ist von den Bauzäunen umgeben Teil der Freiluft-Ausstellung.