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Die Auto-Industrie muss ihren Misthaufen endlich wegräumen

Kommentar Von Jürgen Marks
22.02.2018

Erst nächste Woche wird über Diesel-Fahrverbote entschieden. Es gibt aber auch andere Lösungen für bessere Luft in den Städten. Die Hersteller sind in der Pflicht.

Die Vertagung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts belegt vor allem eines: Bevor Richter Fahrverbote für mehr als zehn Millionen ältere Diesel in deutschen Städten ermöglichen, sind einige hochkomplexe rechtliche Hürden zu überwinden. Kein Mitglied des 7. Senats wollte sich dem Vorwurf aussetzen, eine so wichtige Entscheidung in Eile gefällt zu haben.

Welche Tragweite das Thema hat, zeigte ein Blick auf TV-Sender und Nachrichten-Portale. Sie verbreiteten vor dem erwarteten Urteil eine apokalyptische Stimmung: Von "Countdown" war die Rede und von einem "Tag der Wahrheit". Man hätte meinen können, die Richter würden über das Schicksal einer Nation von Diesel-Fahrern entscheiden, die jammernd vor ihren polierten Motorhauben auf das Todesurteil für ihren Liebsten warteten.

Die Luftqualität kann auch anders verbessert werden

Und in der Tat bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Fahrverbote für ältere Diesel in Städten bald möglich sind, wenn Stickoxid-Grenzwerte überschritten werden. Doch das heißt nicht, dass sie dann tatsächlich verhängt werden. Einfahrstopps sind zwar effektiv, können aber nur die Ultima Ratio sein.

Denn es gibt noch andere Hebel, mit denen die Luftqualität verbessert werden kann. Kurzfristigen Erfolg, den Stickoxidausstoß älterer Selbstzünder auf das geringe Level der neuen, sauberen Euro-6-Diesel zu bringen, verspricht vor allem eine Hardware-Umrüstung. Dabei gibt es nur ein Problem: Die Kosten liegen bei mehreren tausend Euro. Es darf nicht sein, dass Autobesitzer diesen Preis bezahlen müssen.

Die Auto-Industrie muss Verantwortung übernehmen

Denn sie sind ohnehin die Betrogenen. Sie haben sich einen Selbstzünder im guten Glauben gekauft, er verbrauche weniger Kraftstoff und schone die Umwelt. Jetzt droht ihnen ein Wertverlust. Nein, in der Verantwortung für den Schlamassel stehen die Autohersteller. Es ist an der Zeit, dass die Regierung die Industrie härter anpackt und zur Kasse bittet.

Denn Fakt ist, dass vor allem deutsche Hersteller Motoren auf den Markt brachten, die schmutziger sind als versprochen. Nach diesen Schummeleien behaupteten sie fälschlich, dass eine Nachrüstung unmöglich sei. Das zielte nur darauf ab, neue Autos zu verkaufen, statt alte Kisten zu ertüchtigen.

Über Jahrzehnte sind die Automanager von der Politik wie Fürsten hofiert worden, weil sie in Deutschland etwa 800.000 Arbeitsplätze sichern. Nach allem, was sie angerichtet haben, wäre es nun ihre Pflicht, vom Thron zu steigen und den Misthaufen wegzuräumen. Das heißt: Umrüstung älterer Diesel auf Werkskosten. Es geht der Industrie nicht so schlecht, dass sie sich das nicht leisten könnte.

Auch die Politik bekleckerte sich nicht mit Ruhm

Auch die Politik hat sich in der Causa nicht mit Ruhm bekleckert. Zunächst hat die Bundesregierung EU-Grenzwerte für den Autoverkehr akzeptiert, die übertrieben streng sind. Denn es ist überhaupt nicht bewiesen, dass 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Straßenluft im Jahresmittel tatsächlich gesundheitsschädlich sind. An Arbeitsplätzen sind viel höhere Werte zulässig. Wer soll das verstehen?

Dann tat Berlin zu wenig, um die Stadtluft zu verbessern. Die Förderung von Elektro-Autos war ein Rohrkrepierer. Und Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verbiss sich vor allem in seine umstrittene Autobahn-Maut.

Stattdessen hätte er die Kommunen finanziell dabei unterstützen müssen, den Auto-Anteil an der Mobilität zu reduzieren. Denn wenn die Großstädte früher und engagierter auf den öffentlichen Nahverkehr, auf Carsharing-Konzepte und mehr Fahrradfreundlichkeit gesetzt hätten, dann wäre ihre Luftqualität heute besser. Und Verbote wären kein Thema.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

 

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Die Diskussion ist geschlossen.

23.02.2018

Man könnte meinen, der Feinstaub kommt nur von den Dieselmotoren. Feinstaub hat viele Ursachen, den auch Benzinautos verursachen und von dem LKW Verkehr und Kleinlastwagen redet kein Mensch.

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23.02.2018

Es geht auch nicht um Feinstaub, sondern um Sickoxide und für die sind fast ausschließlich Dieselfahrzeuge verantwortlich.

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23.02.2018

Natürlich geht es auch um Feinstaub, aber nicht nur Diesel PKW stoßen Stickoxide aus, sondern auch die Lieferfahrzeuge und LKW die täglich mehr werden, Dank Internetkäufe.

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23.02.2018

Deswegen habe ich auch von "Dieselfahrzeugen" geschrieben. :-) Und: Nein, es geht nicht um Feinstaub.

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23.02.2018

Klar, geht es auch um die Feinstaubbelastung in den Städten.

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23.02.2018

Dieses einseitige rumhacken auf den deutschen Autoherstellern nervt ein wenig. Zum einen sind es nach wie vor nicht alle, denn BMW konnte man, trotz aller seriösen und unseriösen Versuche der DUH, bisher immernoch keine Manipulation nachweisen. Zum anderen vermittelt die Debatte den Eindruck, dass die ausländischen Diesel alle Einhornpfürze mit Blümchenwiesenduft ausstoßen. Dem ist natürlich nicht so, die stinken genauso wie deutsche Diesel nach Abschaltung der Mogelsoftware. Deren Vorteil ist lediglich, dass sie nie besseres versprochen haben. Das mag moralischer sein, hilft der Luft in den Städten aber wenig. Freilich wird ein Fahrverbot auch diese Fahrzeuge treffen. Bei einer Suche nach einer Lösung auschliesslich an die deutschen Hersteller zu appelieren ist somit nicht zielführend. Ein Toyota Avensis 2.2 D-4D Combi hatte in einem Test des Umwelbundesamtes im EU-Testzyklus unter idealen Prüfbedingungen in etwa die Stickoxid-Werte eines BMW 320d unter widerlichen Stassenbedingungen ( Herbst/kalt/nass). Das sagt eigentlich schon genug aus. Allerdings wird ja die DUH ordentlich von Toyota unterstützt. Niemand beisst die Hand, die ihn füttert. Daher können wir drauf warten, welche (nicht-Toyota-)Sau die DUH als nächstes durchs Dorf treiben wird. Seriös ist anders.

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23.02.2018

Die schädlichen Auswirkungen der Stickoxide auf Menschen bestreiten Sie zum Glück nicht.

Ein Schelm, wer böses dabei denkt:

Erst verhindert die Bundesregierung strengere Abgasnormen für Autos, dann wird bekannt, dass BMW-Großaktionäre kurz zuvor der CDU fast 700.000 Euro gespendet haben.

690.000 Euro überwies die BMW-Eignerfamilie Quandt 2013 der CDU, Kanzlerin Merkel erstritt Schonung für deutsche Autokonzerne bei EU-Abgasnormen.

Nicht nur CDU und CSU haben nach der Bundestagswahl Großspenden erhalten - auch die FDP wurde großzügig von der Industrie bedacht.

Die Gewinne der Konzerne waren Merkel wichtiger, als die Gesundheit der Bürger. Wäre es falsch, diese Vorgänge als Korruption zu bezeichnen?

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Auch BMW-Diesel sind alles andere als "sauber":

Zum einen sind es nach wie vor nicht alle, denn BMW konnte man, trotz aller seriösen und unseriösen Versuche der DUH, bisher immer noch keine Manipulation nachweisen.

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Aus der WELT 4. 5. 2016:

"Auch die Autos von BMW verfügen über die berühmten Abschalteinrichtungen, sie haben ebenfalls die skeptisch beäugten „Thermofenster“. Auch die Test-BMWs blasen mehr Stickoxid in die Luft, als sie sollten, sie überschreiten zum Teil deutlich die Grenzwerte. „Im Grunde schummeln alle in der Branche, nur manche haben eine Erklärung dafür“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer."

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23.02.2018

Sie haben die Intention meines Beitrages nicht im Ansatz verstanden. Ich fasse es noch einmal zusammen: An der NOX Belastung in den Städten sind alle Dieselfahrzeuge gleichermaßen beteiligt, egal wo der Hersteller seinen Sitz hat. Dementsprechend sind auch alle gleichermaßen in der Pflicht, nicht nur die deutschen.

Zum beliebten BMW - Thema hab ich aber auch noch ein Zitat gegenzusetzen, eines vom KBA: "Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat das Modell BMW 320d Euro 6 untersucht und eigene Messungen durchgeführt. Die Abgasemissionen auf dem Rollenprüfstand und auch auf der Straße sind unter normalen Betriebsbedingungen nicht zu beanstanden. Es konnten keine unzulässigen Abschalteinrichtungen festgestellt werden. Die von der Deutschen Umwelthilfe ermittelten Ergebnisse mit erhöhten NOx-Emissionen sind auf nicht normale Betriebsbedingungen zurückzuführen. Daher besteht keine Veranlassung zur Einleitung von Maßnahmen."

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23.02.2018

Dementsprechend sind auch alle gleichermaßen in der Pflicht, nicht nur die deutschen.

Das ist nicht zu bestreiten, tat ich auch nicht. Jemand der ständig behauptet, die besten Autos der Welt zu bauen (Premium-Hersteller!), sollte sich nicht darüber wundern, besonders gut beobachtet zu werden.

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Zu BMW: Der Test erscheint mir da glaubwürdiger:

http://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Verkehr/dieselgate/EKI/2017-11-27_Bericht_BMW_320d.pdf

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23.02.2018

"Das ist nicht zu bestreiten, tat ich auch nicht." Das tun Sie, und auch die gesamte Presselandschaft, ob bewusst oder unbewusst, schon durch Unterlassung, aber geschenkt, unter dem Strich sind wir da wohl einig. Was die Glaubwürdigkeit und Seriosität der DUH angeht, bin ich einfach inzwischen anderer Meinung . Der Resch begibt sich mit seinen Geschäftspraktiken langsam aber sicher in die Fußstapfen eines Thomas Urmann. Es kursieren wohl auch weiterhin Gerüchte , dass sich bestimmte Firmen in einer Art Ablasshandel von allzu kritischer Betrachtung freigekauft haben sollen. Das kann man natürlich auch als Diskreditierungsversuch seitens der Gegner abtun, muss man aber nicht.

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23.02.2018

Das ist Geschichte, SPON meldet soeben, dass BMW nun auch erwischt wurde. Ausgerechnet beim 7er und bei diversen 5ern.

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23.02.2018

Denn wenn die Großstädte früher und engagierter auf den öffentlichen Nahverkehr, auf Carsharing-Konzepte und mehr Fahrradfreundlichkeit gesetzt hätten, dann wäre ihre Luftqualität heute besser.

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Umgesetzt wird das noch immer auf kommunaler Ebene und da kann man nichts erzwingen.

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Es gab jahrzehntelang hohe Bundeszuschüsse für neue Tramstrecken (= E-Mobilität) und Augsburg hat bis Anfang der 1990er nichts gemacht.

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In München wurde jahrelang um den 2. S-Bahntunnel gerungen; mancher wollte auf dem Südring um die stark schadstoffbelastete Innenstadt herumfahren, statt die Menschen mit der S-Bahn und Regionalzügen in die Stadtmitte zu bringen.

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2018 - Augsburg schafft mit schwarz-grüner Mehrheit eine preisgünstige Innenstadtzone im ÖPNV ab.

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Wie wäre es mal mit einem Bericht über die Dieselfahrzeuge des swa carsharing? Ich glaube ja mal, dass mein Euro 6 Lieferwagen sauberer als dieser Corsa unten an der Haltestelle ist...

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Und Semmeltaste? Und Diskussion über innerstädtisches Parken? Parkleitsystem? War die AZ da immer dagegen im Sinne der Umwelt?

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23.02.2018

Das klingt so, als wären die Kommunen die Übeltäter - doch es war die heilige Kuh deutsche Automobilindustrie . . .

Das mögen alles gute Ideen sein. Doch Sie rechtfertigen nicht die Betrügereien der Autoindustrie plus Tolerierung und Begünstigung von Betrug durch Merkel und Dobrindt.

Ich glaube ja mal, dass mein Euro 6 Lieferwagen sauberer als dieser Corsa unten an der Haltestelle ist.

Aber nur wenn er die Euro 6 d-Norm erfüllt. M. W. gibt es noch keinen deutschen Diesel, der dem entspricht.

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23.02.2018

Betrügereien der Autoindustrie

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Einen Nachweis bzgl. Betrug gibt es bislang nur gegen den VW-Konzern.

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Obwohl hunderte staatliche Ermittler und DHU-Subunternehmer seit 2 Jahren insbes. gegen Daimler und BMW vorgehen, finden die bislang keine Sachverhalte, die ein rechtsstaatliches Vorgehen wie gegen den VW Konzern stützen könnte.

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Aber nur wenn er die Euro 6 d-Norm erfüllt. M. W. gibt es noch keinen deutschen Diesel, der dem entspricht.

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Unfug...

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https://www.adac.de/infotestrat/umwelt-und-innovation/abgas/modelle_mit_euro_6d_temp/default.aspx

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6d gibt es nicht - daher 6d temp - es findet ja gerade die Umstellung des Prüfverfahrens von Prüfstand auf Realverkehr statt.

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Und natürlich helfen auch Software-Updates - das ist längst bewiesen:

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https://www.auto-motor-und-sport.de/news/rde-test-nach-software-update-mercedes-v-klasse-sauber-nach-eu-6c-3615475.html

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23.02.2018

Einen Nachweis bzgl. Betrug gibt es bislang nur gegen den VW-Konzern.

„Im Grunde schummeln alle in der Branche, nur manche haben eine Erklärung dafür“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer."

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Unfug...

(edit/ Bitte bleiben Sie sachlich) zur Info: Wir haben noch nicht März 2018.

Bevor Sie andere bezichtigen, Unfug zu verbreiten, sollten Sie jemand bemühen, der lesen kann.

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Was von Software-Updates zu halten ist, können Sie u. a. hier, wenn möglich, nachlesen lassen:

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/volkswagen-das-bewirkt-die-neue-diesel-software-von-vw-a-1188149.html

Ihre Verlinkung aus der Auto-Motor-und-Sport ist wieder mal ein alter Hut. Und denen würde ich sowieso nicht trauen.

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22.02.2018

Freut mich sehr, Herr Marks, Ihnen einmal uneingeschränkt zustimmen zu können. Zu diesem Kommentar in einer der Sache angemessenen aber für AZ-Verhältnisse ungewöhnlich deutlichen Sprache,

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