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  3. Trockenheit: Niedrigwasser am Rhein macht Probleme

Trockenheit
15.08.2022

Niedrigwasser am Rhein macht Probleme

Niedrigwasser am Mittelrhein bei Kaub.
2 Bilder
Niedrigwasser am Mittelrhein bei Kaub.
Foto: Thomas Frey, dpa

Die Trockenheit lässt den Rheinpegel weiter sinken. Das spüren Menschen auch in ihrem Alltag: Weil sie mehr fürs Tanken bezahlen müssen oder die Zwangspause für viele Fähren lange Umwege erzwingt.

Vergleichsweise hohe Preise an den Tankstellen in Süddeutschland, Engpässe bei Kohletransporten zu den Kraftwerken und Riesenumwege für Pendler, weil Fähren am Ufer bleiben: Das Niedrigwasser am Rhein sorgt für immer mehr Probleme in vielen Lebensbereichen, denn Deutschlands größter Fluss ist ein unersetzlicher Transportweg.

Die Situation

Durch die Trockenheit ist der Wasserstand des Rheins in den vergangenen Wochen immer weiter zurückgegangen. In Emmerich kurz vor der niederländischen Grenze erreichte der Pegel am Morgen nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit vier Zentimetern einen historischen Tiefstand. In Kaub zwischen Mainz und Koblenz - einem für die Schifffahrt besonders wichtigen Nadelöhr - lag der Pegel bei 31 Zentimetern. Die Fahrrinnentiefe betrug damit 1,43 Meter.

Die Schifffahrt

Das Niedrigwasser hat starke Auswirkungen auf die Schifffahrt. "Für die Binnenschifffahrt bedeuten niedrige Pegelstände, dass die Schiffe, um eine Grundberührung zu verhindern, weniger Ladung mitnehmen können", betont der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Wie groß die Einbußen bei der Transportkapazität sind, kann der Verband nicht beziffern.

Der Duisburger Logistik-Dienstleister HGK Shipping teilte aber bereits mit, größere Schiffe könnten aufgrund ihres gewöhnlichen Tiefgangs an bestimmten Stellen am Oberrhein nicht mehr fahren. Die Ladung, die sonst ein Frachter transportiere, müsse wasserstandabhängig auf immer mehr Binnenschiffe verteilt werden. "Hierzu fehlen allerdings aktuell die Kapazitäten", berichtete Firmenchef Steffen Bauer.

Teureres Benzin

Vor allem Autofahrer in Süddeutschland bekommen die Folgen des Niedrigwassers beim Tanken im Portemonnaie zu spüren. Nach einer Marktuntersuchung des Bundeskartellamts mussten sie nicht zuletzt wegen der durch das Niedrigwasser gestiegenen Transportkosten schon Anfang August deutlich tiefer für Benzin und Diesel in die Tasche greifen als Autofahrer im Bundesdurchschnitt.

Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes, sagt, der Rhein sei für die Branche der entscheidende Transportweg zur Versorgung Süddeutschlands. Benzin oder Diesel könnten nicht in ausreichender Menge per Bahn oder Lastwagen transportiert werden. "Dafür ist die Logistik nicht ausgelegt. Dafür haben wir den Rhein."

Der Ölindustrieverband en2x hatte bereits in der vergangenen Woche über Engpässe in der Tankstellenversorgung im Süden berichtet. "Mineralölprodukte sind ausreichend vorhanden, aber wir sehen uns mit großen Herausforderungen konfrontiert, Benzin, Diesel oder Heizöl zur rechten Zeit und in ausreichender Menge an die Zielorte zu transportieren."

Probleme beim Kohletransport

Für Probleme sorgt das Niedrigwasser aber auch bei der Versorgung von Kraftwerken mit Kohle - und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Meiler wegen des Ukrainekrieges Gaskraftwerke ersetzen sollen. Schon in der ersten Augustwoche kündigte der Energieversorger Uniper an, die Stromproduktion in seinem Kraftwerk Staudinger 5 im hessischen Großkrotzenburg möglicherweise wegen mangelnden Nachschubs drosseln zu müssen. Eine Rechtsverordnung soll nun im Schienenverkehr Transporten von Öl, Gas, Kohle und Transformatoren vorübergehend Vorrang geben.

Zwangspause für Rheinfähren

Während Frachtschiffe auf dem Rhein häufig zumindest mit verminderter Ladung fahren können, müssen immer mehr Autofähren ihren Betrieb einstellen. Am Morgen traf es die Rheinfähre in Nierstein. Doch auch etliche andere Fähren sind betroffen: etwa die Fähren in Zons, in Köln-Langel/Hitdorf und in Rees am Niederrhein. Für die Nutzer bedeutet dies oft lange Umwege.

Ein Hoffnungsschimmer

Bundesverkehrsminister Volker Wissing machte allen, die unter dem Niedrigwasser leiden, mit Blick auf die zweite Monatshälfte und den Septemberanfang im einem Gespräch mit der "Rheinischen Post" zumindest etwas Hoffnung. Zwar sei keine schnelle Besserung in Sicht. "Für die zweite Monatshälfte im August und die erste Septemberhälfte deutet die jüngste Sechs-Wochen-Vorhersage unserer Experten allerdings auf leichte Wasseranstiege und eine Stabilisierung der Wasserstände auf niedrigem Niveau hin."

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