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20.04.2013

Essen auf Rädern fährt Defizit ein

Warmes Essen geliefert zu bekommen ist für viele alte Menschen wichtig, um selbstständig bleiben zu können.
Bild: Jan Wolters/dpa

Warmes Essen geliefert zu bekommen ist für viele alte Menschen ein wichtiger Grund, weiter zu Hause zu leben. Doch seit dem Wegfall des Zivildienstes steigen die Kosten drastisch.

In jeder zweiten Gemeinde im Landkreis wird leidenschaftlich über ein großes Thema diskutiert: Wie können alte Menschen in Zukunft weiter am Leben teilnehmen, Teil der Gesellschaft bleiben? Selbstbestimmung soll der Schlüssel sein, die Senioren sollen so lange wie möglich zu Hause bleiben können. Doch so leicht ist das nicht, wie sich bei der Vorstellung des Jahresberichts der Fachstelle für pflegende Angehörige des Kreises Aichach-Friedberg gezeigt hat.

Demnach hakt es vor allem bei der Verpflegung für knapp 80 Senioren. Es ist „zunehmend problematisch, den ganzen Landkreis zuverlässig mit Essen auf Rädern zu versorgen, da die Fahrten in abgelegene, ländliche Gebiete von den Anbietern als unrentabel eingeschätzt werden“, heißt es in dem Bericht. Doch vor allem dieses Angebot gebe den älteren Menschen die Möglichkeit, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Es sei sogar ein „entscheidender Faktor“ bei der Entscheidung, weiter zu Hause zu bleiben oder ins Heim zu gehen.

Es hängt an den Kosten. So fährt die Caritas, die sich mit den Johannitern die Versorgung im Kreis teilt, regelmäßig für diesen Dienst ein Minus ein. Geschäftsführer Andreas Reimann erklärt auf AN-Anfrage, dass dies an den Personalkosten liege. Wie in vielen anderen sozialen Einrichtungen auch, seien die Probleme durch den Wegfall des Zivildienstes vor knapp drei Jahren gekommen.

Essen auf Rädern fährt Defizit ein

Seither entstehe dem Caritasverband jedes Jahr in diesem Bereich ein Defizit von rund 20000 Euro. Zwar sei es auch schon ein Zuschussgeschäft gewesen, als Zivis im Einsatz waren, doch damals habe es sich noch in Grenzen gehalten. Während die Wehrdienstverweigerer vom Staat bezahlt wurden, ist jetzt die Caritas – unterstützt vom Kreis – in der Pflicht, eigene Mitarbeiter dafür zu beschäftigen.

Nun sei aber eine Grenze erreicht, an der geprüft werden müsse, ob die Caritas Essen auf Rädern fortführen könne. „Wir wollen aber nicht einfach kündigen, sondern zusammen mit dem Kreis überlegen, wie es weitergehen soll“, unterstreicht der Geschäftsführer. „Ich denke, dass wir eine Lösung finden werden. An uns soll es nicht liegen.“ Es geht wohl um höhere Zuschüsse vom Kreis, ist hinter vorgehaltener Hand von Experten zu hören.

Fünf mal in der Woche fährt die Caritas zu den Senioren, fürs Wochenende gibt es Essen, das aufgewärmt werden kann. Rentiert hat sich das Angebot noch nie. Vor dem Verband war die Caritas-Sozialstation Aichach zuständig, doch auch sie hat im Jahr zwischen 8000 und 10000 Mark Verlust damit gemacht, sagt Geschäftsführerin Ilse Schormair. Die Einrichtung habe den Dienst in den frühen 80er-Jahren von der Pfarrei übernommen und ihn vor acht bis zehn Jahren abgegeben. Bevor der Verband eingesprungen ist, seien für kurze Zeit die Malteser involviert gewesen.

Die Johanniter, die die andere Hälfte des Kreises mit Essen auf Rädern versorgen, sprechen auch von einem Zuschussgeschäft. Sie zahlen laut Gertrud Streit-Doderer, Vorstand des Regionalverbands Schwaben, ebenfalls drauf – wenn auch „nur“ 3000 Euro, die restlichen 7000 Euro trage der Kreis. „Für eine Hilfsorganisation ist es in Ordnung“, sagt sie. Ohne Zuschuss gehe es aber nicht. Die Probleme lägen bei den Personal- und Fahrtkosten. Für die Johanniter stehe aber fest: „Mit uns geht es ganz klar weiter.“ Zur Not müssten Senioren ein paar Euro mehr fürs Essen zahlen.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Wochenendausgabe der Aichacher Nachrichten.

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