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Prozess in Aichach

13.05.2015

Seine Komplimente haben ihr Angst gemacht

Das Amtsgericht in Aichach (Kreis Aichach-Friedberg).
Bild: Archiv/Christian Kirstges

Ein 30-Jähriger hat einer 20-Jährigen monatelang nachgestellt. Sie fand das eher beängstigend.

Regelrecht abgepasst hat ein 30-jähriger aus dem südlichen Landkreis eine 20-Jährige. Rund zwei Monate lang fing er sie auf dem Weg zu und von der Arbeit ab, machte ihr Komplimente, hielt sie auch mal am Oberarm fest und wollte ihre Telefonnummer haben. Gestern stand der inzwischen 31-Jährige deswegen vor dem Aichacher Amtsgericht. Er hatte gegen den Strafbefehl, den er wegen Nötigung erhalten hatte, Einspruch eingelegt. Richter Axel Hellriegel erhöhte die Zahl der Tagessätze.

Am Anfang waren es ganz harmlose Komplimente, die der 30-Jährige Asylbewerber der 20-jährigen Verkäuferin machte. „Dann wurde es intensiver“, sagte sie vor Gericht aus. Bis zu drei Mal täglich war der Angeklagte bei ihr im Laden aufgetaucht. Dann ging er dazu über, sie fast täglich auf dem Weg zur Arbeit abzufangen, fuhr mit dem Fahrrad neben ihr her. „Am Anfang hatte ich es für Zufall gehalten“, erzählte die Zeugin. Maximal fünf Mal habe er sie dabei auch kurz am Oberarm festgehalten, wenn sie nicht stehengeblieben sei, sagte sie aus. Einmal habe er auch betrunken bei ihr daheim in der Einfahrt gestanden und hätte bei ihr übernachten wollen.

Das Foto aus dem Internet war der Frau unheimlich

Unheimlich wurde es der 20-Jährigen, als ihr der Angeklagte ein Foto von ihr auf seinem Handy zeigte, das er offensichtlich aus dem Internet heruntergeladen hatte. „Das hat mir dann schon Angst gemacht.“ Die permanenten Komplimente hatte die 20-Jährige da schon längst nicht mehr als schön, sondern als aufdringlich empfunden.

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Er kenne die 20-Jährige vom Einkaufen, habe außer Begrüßungen wie „Hallo“ oder „Hi“ noch nie etwas zu ihr gesagt und ihr auch nicht nachgestellt. Der 31-Jährige hatte auf Anraten eines ehrenamtlichen Asylbetreuers Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt.

Ihm sei in diesem Fall das Verhör durch die Polizeibeamten zu ungenau vorgekommen, begründete der 68-jährige Asylbetreuer seinen Rat. Die Beamten hätten den Angeklagten auf deutsch und englisch in seiner Unterkunft befragt und ihn anschließend auf dem Gang ein Papier unterschreiben lassen. Auf Nachfrage bei den Behörden erfuhr der 68-Jährige, dass der Mann bereits gestanden hätte.

Keine Zweifel an den Angaben der 20-Jährigen hatte Staatsanwältin Britta Füchtenbusch. Sie war sicher, dass der Angeklagte ihr massiv nachgestellt und sie auch am Oberarm festgehalten hatte. Die Staatsanwältin plädierte dafür, die Anzahl der Tagessätze im Strafbefehl von 50 auf 130 zu je 10 Euro zu erhöhen.

Auch Richter Hellriegel glaubte der Zeugin. „Ich sehe keinen Grund, warum sie ein Lügenmärchen erzählen sollte.“ Auch hätte die Zeugin richtiggestellt, dass es nicht um 20, sondern um maximal fünf Fälle ging, in denen er sie am Oberarm festgehalten hatte.

Der Richter berücksichtigte im Urteil, dass die Folgen sich bei der 20-Jährigen in Grenzen hielten. „Dafür kann der Angeklagte aber nichts.“ Das liege eher daran, dass sich die Zeugin nicht aus der Bahn hatte werfen lassen. „Ich habe durchaus andere Fälle, wo Frauen von weniger Übergriffigkeit mehr belastet waren.“ Hoch rechnete Hellriegel dem 30-Jährigen an, dass er seit dem Besuch der Polizei der 20-Jährigen nicht mehr nachstellt. Das Gesamtgeschehen wertete der Amtsrichter jedoch als so massiv, dass er einen Eintrag ins Führungsregister des Angeklagten für notwendig hielt. Er verurteilte ihn zu 120 Tagessätzen á 10 Euro. (drx)

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