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11.08.2018

So erlebt Gebersdorf den Sommer

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Diese Aussicht hat Alois Hagele vor 40 Jahren dazu bewogen, von Augsburg nach Gebersdorf zu ziehen. Blickt er von seiner Terrasse in die Weite, fühlt er sich „wie auf der Alm“.
Bild: Stefanie Brand

Im Petersdorfer Ortsteil gibt es zwei Straßen: Die Höhenstraße, die als „Siedlung“ bezeichnet wird, und die Sonnenstraße, die das „alte Gebersdorf“ durchkreuzt.

Im Petersdorfer Ortsteil Gebersdorf machen sich die gut 50 Bewohner bei über 35 Grad im Schatten rar. Wo viele seiner Nachbarn sich „verstecken“, verrät Bernhard Rebatz: „Beim Baden am Mandlachsee oder in Sand.“ Der 28-Jährige hingegen räkelt sich nicht in der Sonne. Er werkelt stattdessen an seinem Haus – genauer gesagt an der Unterkonstruktion, die später die Terrasse bilden soll.

Eigentlich sah der Zeitplan von ihm und seiner Frau etwas anders aus, verrät er. Bereits im September ist das Paar eingezogen. Doch noch heute fehlt, neben der Terrasse, der Außenputz.

Dafür hat das Paar geheiratet und im Februar eine Tochter bekommen. Das erklärt die Zeitverzögerung, den Hochzeitsbaum mit zwei Herzen im Vorgarten und den Willen von Rebatz, trotz größter Hitze am Haus zu arbeiten. Die Terrasse und den Außenputz des Hauses will der 28-Jährige heuer noch fertigstellen. Wie es früher dort aussah, wo heute sein Eigenheim steht, weiß der gebürtige Alsmooser ganz genau: „Dort, wo jetzt unsere Garage steht, war einst der Fahrsilo meines Opas.“ Rebatz hat den letzten Bauplatz in Gebersdorf bekommen und hat dort neben das älteste Haus gebaut, das im oberen Teil des Petersdorfer Ortsteils steht.

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Ein Ausblick, „wie auf der Alm“

Einer von Rebatz’ Nachbarn ist Alois Hagele, der aufmerksam darauf achtet, wer die Straße entlang geht oder fährt. Hagele verrät: „Wir haben heuer unser 40-jähriges Jubiläum hier.“ Vor 40 Jahren wurde ihm und seiner Frau klar: Die Wohnung in Augsburg wird zu klein. Sie brauchten mehr Platz. Der Makler fand das Haus in Gebersdorf, das einst noch als Bungalow gebaut war und lediglich in den Ferien genutzt wurde. Bereits bei der Besichtigung fiel dem ehemaligen Lehrer der Ausblick auf: „Wie auf der Alm“, befand er damals. Noch heute ist er begeistert von der Aussicht von seiner Terrasse. Für seine Tochter Theresa Hagele, eine von drei erwachsenen Kindern, war vor allem die Schul- und Jugendzeit schwer. Sie erinnert sich noch daran, dass der Bus zur Schule nach Augsburg bereits um 6.40 Uhr in der Früh losfuhr. Auch war es schwierig, ohne Führerschein und Auto in die Stadt zu kommen. Heute lebt sie in Augsburg, ebenso wie ihre Geschwister, kommt aber regelmäßig zu Besuch und genießt die Ruhe und die Natur rund um Gebersdorf.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich viel im Ort verändert, weiß Hagele zu berichten. Früher sei alles noch Wiese gewesen. Nach und nach konnte er zusehen, wie Haus um Haus entstand und der Weg zur Straße wurde.

Rebatz und Hagele leben in der „Siedlung“ von Gebersdorf, in der Höhenstraße, die sich östlich der Staatsstraße 2047 befindet. Wer von der Staatsstraße 2035, die den Pöttmeser Ortsteil Gundelsdorf und Petersdorf verbindet, Richtung Gebersdorf fährt, den macht lediglich ein grünes Ortshinweisschild darauf aufmerksam, dass hier Gebersdorf beginnt – mit dem Verweis, dass die Staatsstraße hier mit maximal 60 Stundenkilometern zu befahren ist. Eine Bushaltestelle liegt rechts und links der Straße. Wer nicht in die Siedlung abbiegt, sondern weiterfährt, kann nur wenige Meter weiter nach rechts abbiegen ins „alte Gebersdorf“: in die Sonnenstraße.

Mit 14 Jahren einen Lebenstraum erfüllt

Dass die Höhenstraße als die „Siedlung“ Gebersdorfs bezeichnet wird und die Sonnenstraße als das „alte Gebersdorf“, auf das übrigens mit einem regulären Ortsschild verwiesen wird, das verrät Anton Kandler. Er lebt im „alten Gebersdorf“ – und das schon sein ganzes Leben.

Mit einem Strahlen in den Augen verrät er, dass er sich im Alter von 14 Jahren den Traum erfüllt hat, Landmaschinenmechaniker zu lernen. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Zuerst baute der heute 75-Jährige eine Werkstatt für Landmaschinen und betrieb diese ganz allein. Eine zweite Werkstatt für Autos folgte. Von 1974 bis 1992 vertrieb er als offizielle Nissanvertretung die Fahrzeuge des Herstellers.

Heute ist aus dem Autohaus Kandler samt Werkstatt ein freies Autohaus mit Werkstatt geworden. Warum er bei der größten Sommerhitze im Ausstellungsbereich mit Platz für 50 Fahrzeuge und in der Werkstatt anzutreffen ist, hat mehrere Gründe. Zum einen macht er gerade die Urlaubsvertretung für seinen Sohn und seine Schwiegertochter.

Zum anderen „fordert die Arbeit Körper und Geist“, verrät er lachend und erklärt, wie sehr das Autoreparieren der Arbeit eines „Kriminalers“ gleicht: Schließlich müssen beide etwas herausfinden. Denkt er an die Vergangenheit des Ortsteils, ist ihm vor allem die Schließung der Wirtschaft im Ort im Gedächtnis geblieben. Das ist inzwischen bereits über 40 Jahre her.

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