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Aichach

27.01.2019

Tablet-Klasse: So läuft es im digitalen Klassenzimmer

Seit ein paar Wochen arbeitet die sechste Klasse des Deuschherren-Gymnasiums nur noch mit Tablets. Ein Pilotversuch, der auf zwei Jahre geplant ist und künftig gedruckte Bücher ersetzen soll.
Bild: Michael Lang

Plus Die sechste Klasse des Deutschherren-Gymnasiums arbeitet seit November nur noch mit Tablets. Obwohl es Startschwierigkeiten gibt, sind die Schüler zufrieden.

Seit in der sechsten Klasse des Deutschherren-Gymnasiums Ende November ein Pilotprojekt gestartet ist, sind die Schulranzen der Kinder deutlich leichter. Der Grund dafür ist klein, rechteckig und schwarz: Die Klasse arbeitet vorwiegend mit Tablet-PCs. Die schweren Bücher, unter denen andere Klassen weiter ächzen, sind für die Tablet-Klasse erst einmal passé. Ziel ist es, gedruckte Bücher komplett zu ersetzen.

Michael Lang ist Lehrer am Aichacher Deutschherren-Gymnasium und Initiator des Projekts. „Wir haben vor zwei Jahren mit der Planung begonnen“, erzählt er. Zunächst wurde in der damaligen fünften Klasse geprüft, ob überhaupt an einer Tabletklasse Interesse besteht. Allerdings: „Damals waren die Kinder noch überfordert“, erklärt Lang. Deshalb habe er das Pilotprojekt für die älteren Kinder ab der sechsten Klasse konzipiert. Die Tablets mussten privat finanziert werden, weshalb eine Absprache mit den Eltern notwendig war. In diesem Schuljahr konnte das Projekt nach langer Planung umgesetzt werden. Lang sagt: „In der sechsten Jahrgangsstufe teilt sich die Klasse in die jeweiligen Fremdsprachen auf, da konnten wir für die Lateiner die Tablets einführen.“

Tablet-Klasse: So sehen die Schüler das Lernen

Paul Schwegler, Sophie Wallner, David Scherer und Elisabeth Dietlinger sind Schüler der Klasse, die seit Ende November nur noch mit dem Tablet-PC arbeitet. Sophie erklärt: „In Deutsch, Bio und Geschichte nutzen wir es schon. In anderen Fächern schreiben wir noch auf dem Papier.“ Bücher lesen sie aber in jedem Fach auf dem Tablet. Einige Lehrer haben allerdings noch keins. In diesem Fall wird „halbdigital“ gearbeitet. Die Lehrkraft schreibt ihre Notizen auf Papier, welche durch eine Dokumentenkamera, die vorne am Pult befestigt ist, an die Wand projiziert werden. Die Schüler schreiben sie dann auf ihrem Tablet-PC ab. Aber das soll sich bald ändern.

Bei der Einführung ist nicht alles problemlos abgelaufen. Es gab einige Startschwierigkeiten, wie Michael Lang erzählt: „Die Planung hat sehr lange gedauert und der Etat musste vom Landkreis erst genehmigt werden.“ Beim Start des Projekts zeigte sich die nächste Hürde: Die Schule hat bisher sehr langsames Internet und kein W-Lan. Die Tablets können somit nicht für Internetrecherchen genutzt werden. „Das wird sich hoffentlich bald ändern“, hofft Lang. Darüber hinaus gibt es Probleme mit einer Lernapp, die nicht richtig startet. Bei einer digitalen Lektüre deckt sich der Inhalt nicht mit dem Buch. „Aber das ist kein großes Problem“, so Lang.

Auch die Schüler sind nach den ersten Wochen zufrieden mit der digitalen Neuerung. Paul sagt: „Am Tablet können Fehler leichter geändert werden.“ David stimmt ihm zu: „Und die Arbeit mit Texten ist einfacher, weil man ganze Textbausteine markieren kann.“ Auch Sophie arbeitet gerne mit dem digitalen Medium. „Die anderen Schüler sind ein wenig neidisch auf uns“, sagt sie. „Wenn wir in der Pause auf dem Tablet etwas lesen, sind die anderen immer sehr neugierig.“

Warum die Tablet-Klasse gut angenommen wird

Ablenkung durch den kleinen Computer befürchtet Initiator Lang bisher nicht. Einerseits ist unerlaubtes Surfen im Internet wegen des fehlenden W-Lansnoch gar nicht möglich, andererseits ist es schriftlich untersagt. „Die Schüler haben zu Beginn unterschrieben, die Tablets nur für schulische Zwecke zu nutzen“, versichert Michael Lang. Schülerin Elisabeth ist ebenfalls froh über die Neuerung. Sie sieht auch die gesundheitlichen Vorteile: „Seitdem sind unsere Rucksäcke leichter und der Rücken schmerzt nicht mehr.“ Ihre drei Schulkameraden stimmen ihr zu. Bis zu zehn Kilo schleppten sie bisher an langen Schultagen mit sich herum. Nun reicht das kleine digitale Medium für alle Fächer. Die technischen Fertigkeiten für die Nutzung hatten die Sechstklässer schon zuvor. Paul, Sophie, David und Elisabeth kannten die Handhabung durch ihre Eltern daheim und mussten sich nicht umstellen. An einige Dinge müssen sie sich allerdings noch gewöhnen: Durch die glatte Oberfläche des Bildschirms ist das Schreiben anders. Bei David hat sich dadurch seine Handschrift verändert, sie wurde weicher. Auch ist der Wechsel zwischen Papier und Tablet in einigen Schulfächern für Sophie noch verwirrend.

Die benachbarte Realschule hatte schon im Vorjahr mit einer Tabletklasse begonnen und setzt das Projekt heuer erfolgreich fort. „Sie haben aber deutlich schnelleres Internet“, merkt Lang an. Auch die FOS Friedberg nutzt seit mehreren Jahren Tablet-PCs für die Ausbildung. „Ihr Konzept hat uns als Vorbild gedient“, sagt Lang. Ähnlich wie die Berufschüler schreiben die Gymnasiasten mit einem speziellen Stift auf dem Tablet. Lang: „Nur noch für Prüfungen wird Papier genutzt.“ So soll verhindert werden, dass digitale Spicker entstehen. Außerdem können Lehrer durch eine „Classroom-App“ die Tablets ihrer Schüler im Unterricht überwachen. Wird das Tablet nicht für den Unterricht gebraucht, muss es ausgeschaltet sein.

Inzwischen sind 30 Schüler in der Tabletklasse, erzählt Lang stolz. Das Projekt werde gut angenommen. Noch haben Schüler und Lehrer Zeit, sich an die digitale Ausbildung zu gewöhnen. Erst am Ende der siebten Klasse wird entschieden, wie das Pilotprojekt weitergeführt wird. Dann können die Schüler wählen: Arbeiten sie weiter mit dem Tablet oder kehren sie zurück zum Papier?

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