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Schondorf: In Schondorf entstehen Bilder aus Zeitungsschnipseln

Schondorf

In Schondorf entstehen Bilder aus Zeitungsschnipseln

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    Gabriele Pillon aus Schondorf steckt voll kreativer Kraft. In ihrem Beruf als Bühnenbildnerin arbeitete sie in vielen Theatern der Welt.
    Gabriele Pillon aus Schondorf steckt voll kreativer Kraft. In ihrem Beruf als Bühnenbildnerin arbeitete sie in vielen Theatern der Welt. Foto: Ulrike Reschke

    Zur bildenden Kunst kam Gabriele Pillon, weil sie unbedingt ans Theater wollte. Noch während ihrer Schulzeit in Mönchengladbach habe sie am Theater in Düsseldorf getanzt, ihr Vater unterband dies aber, für ihn war das brotlose Kunst. Seine 1945 geborene Tochter setzte sich dennoch in den Kopf: „Ich komm’ zurück ans Theater.“ Nach dem Abitur folgte – gegen den Widerstand im Elternhaus – ein Studium in der Klasse Bühnenkunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihr Weg führte sie schließlich nach München, wo sie ihren Mann kennenlernte und später drei Töchter großzog.

    Malerin, Gewandmacherin und Bühnenausstatterin

    Bei Professor Teo Otto studierte Gabriele Pillon in Düsseldorf Malerei, Gewandmacherei und Bühnenausstattung – in der Leitungsphase von Joseph Beuys und zeitgleich mit Gerhard Richter, wenngleich sie beide nie persönlich kennenlernte. Nach einer Assistenz bei Professor Ernst Wedel an der Oper Düsseldorf ging sie 1971 für ein Jahr an die Deutschen Kammerspiele in Buenos Aires, um für eine Theatertournee in Lateinamerika zu arbeiten.

    „In München habe ich mir dann Sitz und Bleibe ausgesucht“, sagt sie. Hier und von hier aus arbeitete sie für Film, Fernsehen und Theater, unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder, war viel unterwegs. „Die Leopoldstraße war damals voller Filmleute“, schwärmt sie, „heute haben sich alle ins Private zurückgezogen“. Ein Projekt mit Michael Verhoeven zerschlug sich, als sie im siebten Monat schwanger war. Während der Erziehung ihrer drei Kinder widmete sie sich eine Zeit lang der Illustration von Kinderbüchern und der Innenarchitektur. Bei einem der zahlreichen Flüge nach Teneriffa lernte die Familie den Kinderbuchautor Janosch kennen, der zu dieser Zeit in Greifenberg lebte, und freundete sich mit ihm an.

    Viel Platz zum Malen in den Räumen der Ateliergemeinschaft

    Seit vielen Jahren fährt Pillon von Schwabing an den Ammersee, um künstlerisch zu arbeiten. 2000 wandte sie sich der Malerei zu und sattelte 2006 ein Studium an der Kunstakademie München bei Professor Günther Förg drauf. Zunächst in einem Atelier in Utting kreativ, unterhält sie seit nunmehr 15 Jahren eine Ateliergemeinschaft mit Anemone Rapp und Gisela Detzer. Zusammen mit diesen und anderen Künstlern gestaltete sie einen großformatigen Kreuzweg, oder stellte in den Glashäusern an der Landsberger Stadtmauer aus. An diesem „herrlichen Platz zum Malen“ gestaltete sie auch, konnte sich nach Herzenslust mit Farben, Wasser und Herumspritzen bei großartigem Licht ausleben. Für September 2022 plant die Schondorfer Ateliergemeinschaft eine Ausstellung in der Orangerie am Englischen Garten in München.

    Im Moment sei sie in einer Phase mit Sprayfarben, sagt Pillon. Die dabei entstehenden Bilder sind „Zweitverwertungen“ aus zerschnittenen Gemälden, darunter liegen Zeichnungen, darüber wird collagiert, sei es mit eigenen Bildern oder Bild- und Textschnipseln aus Zeitungen und Zeitschriften. „Intuitiv sammle ich bestimmte Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie irgendwann verwende“, sagt die Künstlerin. Auch während unseres Gesprächs liegt ein halb ausgeschnittener „Tänzer in altmodischer Kleidung“ auf dem Tisch. Außerdem zerteilte sie eine Berglandschaft, legte sie lose über eine Leinwand, besprühte sie in Grün und Blau. Durch das Wegnehmen der Schablonen entstanden „fliegende Wesen“, während Berge und Himmel zum Teil erhalten blieben. „Es passieren Dinge, die nie vorhersehbar sind“, sagt sie. Für einen Künstler sei es wichtig, im Prozess zu bleiben, damit etwas gelingt.

    Von Menschen Gemachtes mit der Natur kombiniert

    Bereits in einer Ausstellung zu sehen waren Skulpturen aus gefundenen Materialien, mit weißer Kalkfarbe übersprüht oder bemalt. Dabei entstehen – spontan, aber auch korrespondierend mit Gesehenem oder Erfahrenem: Assoziationen von Gebäuden oder archaischen menschlichen Figuren, im Blick auf ein harmonisches Ganzes. Das Faszinierende an der Arbeit mit diesen Fundstücken ist für Gabriele Pillon die Kombination aus von Menschen Gemachtem mit Teilen aus der Natur wie Ästen, „die aber zuvor auch schon von Menschen benutzt worden sind“. Ihren Werken Titel zu geben, empfinde sie als gekünstelt. Vielmehr will sie den Betrachter anregen, sich mit dem Gesehenen zu beschäftigen und eigene Interpretationen vorzunehmen. Es sei spannend, was die Leute sagen. Kunst ist für Gabriele Pillon Magie. „Es kommt etwas, das ich sagen wollte“, erklärt sie. Das Tun folge den Gedanken und Gefühlen.

    Mindestens zweimal pro Woche fährt sie mit dem Auto nach Schondorf in das Atelier im ältesten Haus des Ortes. „Es ist herrlich, hier rauszufahren“, schwärmt sie, „hier kriege ich den Kopf frei“. Sie arbeitet am St.-Jakobs-Bergerl in einem ehemaligen Stall, der zudem den Luxus einer Fußbodenheizung bietet. Die sorgt nicht nur für eine wohlige Atmosphäre, sondern auch für einen schnellen Trocknungsprozess. Das Atelier bietet ideale Bedingungen für die großen Formate, die Gabriele Pillon auf dem Boden ausbreitet, um sie mit den Sprühdosen zu bearbeiten.

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