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Ustersbach-Baschenegg

22.09.2019

100 Jahre Marienheim mit unzähligen Lebensgeschichten

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Das heilpädagogische Kinder- und Jugendheim bietet differenzierte stationäre Leistungsangebote für Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren an.
Bild: Michael Kalb

Das Marienheim Baschenegg feiert Geburtstag. Die Wurzeln des heilpädagogischen Kinder- und Jugendheims reichen weit zurück.

Das Marienheim im Ustersbacher Ort Baschen-egg feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Dieses wird am Montag, 7. Oktober, in einem Festakt gefeiert und gewürdigt. Schließlich ist das Heim im Augsburger Land eine wichtige Institution.

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Das heilpädagogische Kinder- und Jugendheim bietet differenzierte stationäre Leistungsangebote für Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren an. Heute zählt das Marienheim 39 Kinder und Jugendliche sowie 40 Mitarbeiter.

Die Führung des Heims wurde den Dillinger Franziskanerinnen anvertraut

Am 1. Juli 1919 nahm das Marienheim in Baschenegg mit 25 Kindern und sechs Betreuerinnen seinen Betrieb auf. Doch die Wurzeln des Trägervereins, der Christlichen Kinder- und Jugendhilfe, reichen sogar noch weiter zurück. „Auf Initiative von Frau Maria von Brunnhuber gründete Domprediger Georg Wagner 1904 in Augsburg den christlichen Fürsorgeverein Augsburg, um Kindern und Jugendlichen in sozialer Not eine Heimat zu bieten“, heißt es in der Chronik. Die Führung des Heims wurde Schwestern der Dillinger Franziskanerinnen anvertraut.

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Die Anfänge machte ein Heim in Oberschönenfeld (1906), gefolgt vom Josefsheim in Reitenbuch (1910), welches auch heute noch besteht. Für 70.000 Mark erwarb der Fürsorgeverein dann im Juni 1919 das Gut Baschenegg samt Inventar, 5,6 Hektar Feld und Wiesen und 15,9 Hektar Wald.

Beginn des Nationalsozialismus markierte das Ende der Liberalisierung

1929 zählte das Marienheim bereits 44 Kinder, doch im Verein beklagte man die Vernachlässigung der Gebäude, bedingt durch die schlechte Lage während der Inflationszeit. Der Beginn der nationalsozialistischen Ära markierte das Ende der Zeit der Liberalisierung, und „ein anderer Geist“ hielt Einzug in die Pädagogik. „Zucht, Ordnung und Gehorsam als neue (alte) Erziehungsideale und ideologische Einflüsse von Volksgemeinschaft und Rassismus vermischten sich“, fasst die Heimchronik zusammen. Der neue Vereinsvorstand, Prälat Anton Luible, und Heimleiterin Schwester M. Hadwigis Kopp hielten das Heim in Baschenegg jedoch über diese dunkle Zeit hinaus am Leben.

Während des Krieges wurden Kellerräume zu beheizbaren Luftschutzbunkern umgebaut. Durch die Bombardierungen in Augsburg stieg die Anzahl der Kinder gegen Kriegsende auf 85. Verschiedene Krankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten und ein Lungenvirus, kosteten zu dieser Zeit und auch noch 1956 mehreren Kindern das Leben.

1959 betrug der Pflegesatz 4,20 Mark

40 Jahre nach der Eröffnung des Heims zählte man in Baschenegg bereits 14 Schwestern, fünf klösterliche Kandidatinnen und 14 weltliche Kräfte. Der Pflegesatz betrug 1959 4,20 Mark. Ebenso wurde zu dieser Zeit das Gut in zwei Bauabschnitten umgebaut und der Ost- und Westteil des Altbaus abgebrochen und neugebaut. Durch diese und weitere Investitionen und mit steigendem Wohlstand in Deutschland verbesserte sich in Folge auch die Situation im Marienheim.

1974 wurde ein hauseigener Kindergarten gegründet, der allerdings 1979 wieder aufgegeben werden musste. Ebenso wurde das Heim allmählich vom Säuglings- und Kinderheim zum heilpädagogisch orientierten Kinderheim umstrukturiert. Der Pflegesatz betrug nun 17 Mark. 1991 wurde die bis dahin noch betriebene Landwirtschaft mit Reitenbuch zusammengelegt und aufgrund negativer Entwicklungen auf dem Agrarmarkt 1995 verpachtet.

Zum 90. Jubiläum im Jahre 2009 waren 48 Heimplätze genehmigt, bei einem Pflegesatz von 94,19 Euro. 2011 verließ mit Schwester Clara Mendel die letzte Oberin das Marienheim.

Kinder unterstützen und Halt geben

Zum 100-jährigen Bestehen ist am Montag, 7. Oktober, ein Festakt für geladene Gäste geplant. Den Festvortrag hält Referent Prof. Reinhard Wiesner, „Vater“ des Achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII), welches in Deutschland die Kinder- und Jugendhilfe regelt. „100 Jahre Marienheim sind unzählige Lebensgeschichten, die davon erzählen, wie Erwachsene für Kinder Verantwortung übernehmen“, resümiert Pädagogin Maria Schwarz vom Marienheim Baschenegg. Über viele Jahrzehnte seien es zuerst die Dillinger Franziskanerinnen gewesen, ab den 60er-Jahren dann vermehrt weltliche Mitarbeiterinnen, die diese Aufgabe übernahmen, Kinder in deren Entwicklung unterstützten und ihnen Halt gaben.

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04.10.2019

Ich war auch Jahrelang im Kinderheim von Marienheim Baschenegg, Da meine Mutter mich nicht haben wollte kam ich als Säugling zuerst ins Josefinium nach Augsburg und dann nach Baschenegg. Was erinnert mich an Baschenegg, ich weiß nur so viel das ich immer großes Heimweh nach Baschenegg hatte. Nach vielen Jahren erzählte mir Schwester Hertha einmal .wie ich ins Josefsheim gekommen bin, Sie und der Hausgeistliche- Rat Helmle haben mich damals 1958 an einem Karsamstag von Baschenegg abgeholt und ich kam in das Kinderheim nach Reitenbuch. Schwester Hertha erzählte mir dann, das mich jeden Tag geschlagen haben weil ich jeden Tag immer geweint habe und geschrieen habe vor lauter Heimweh nach Baschenegg- Sie erzählte mir auch das sich dieses Heimweh nach Baschenegg sich wochenlang angehalten hatte und ich immer mit Prügel bestraft wurde- In dieser Zeit im Marienheim von Baschenegg wurde auch mein Bruder adopiert,denn ich dann erst nach 40 Jahre kennen gelernt habe. Ünber meine Erlebnise im Josefsheim habe ich vor einpaar Jahre schon einiges berichtet in der Augsburger-Internetzeitung. Was das Marienen- Heim Baschenegg anbelangt so wünsche ich für die Zukunft alles Gute

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