Newsticker

Carneval in Rio fällt wegen Corona-Pandemie aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. 40 Tage nur Wasser und Brot?

Landkreis Augsburg

19.02.2015

40 Tage nur Wasser und Brot?

Sechs Wochen Enthaltsamkeit – nicht jeder hält das durch.

In der Fastenzeit verzichten viele Menschen in der Region freiwillig auf Laster wie Bier oder Tabak. Für Einen ist die Fastenzeit sogar gar kein Verzicht.

Wenn jeder Tag eine eigene Persönlichkeit hätte, dann wäre der Aschermittwoch wohl die Spaßbremse. Schließlich beendet er nicht nur die fünfte Jahreszeit. Zu allem Nicht-Mehr-Überfluss beginnt auch noch die Fastenzeit. Nicht jeder findet das schlimm.

Für Jürgen Centmeier zum Beispiel ist die Fastenzeit vor allem „eine Zeit der Erholung und der Ruhe.“ Centmeier ist Vorsitzender der Lechana Faschingsgesellschaft. „Nach den vielen Aktivitäten der letzten Tage fällt es nicht schwer, auch mal zu verzichten“, sagt er. Für den Narr gehört die Fastenzeit „auf jeden Fall mit zum Fasching“. Und doch ist er nicht allzu streng mit sich. „Ab und wann auf ein Bier zu verzichten ist in Ordnung. Aber ich bin da nicht allzu dogmatisch.“ Ähnlich sieht das auch Gerhard Kranzfelder, Hofmarschall der Zusamtaler Bettschoner. „Mit dem Alkohol reicht es jetzt auch.“ Die Fastenzeit sei für ihn „der Urlaub vom Fasching“, in der wieder etwas Normalität einkehre. Vom Alkohol wolle er erst einmal die Finger lassen.

Dass Fasching seine Wurzeln in der anschließenden Fastenzeit hat, weiß auch Bernhard Uhl, Bürgermeister von Zusmarshausen. Konkrete Vorsätze für die Fastenzeit hat der bekennende Narr allerdings nicht. „Ich bin ja auch nicht nur ein lustiger Mensch, wenn Fasching ist“, sagt er und verteidigt damit seine Haltung zur Fastenzeit. „Ich halte mich ja schon das ganze Jahr über zurück.“ Zumindest teilweise. „Klar habe auch ich ein paar Laster. Da gibt es sicher noch Möglichkeiten.“ Der Geist sei ja willig, aber das Fleisch eben schwach.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Kickbox-Weltmeisterin Tina Schüßler ist skeptisch gegenüber einer Fastenzeit mit Anfang und Ende. „Ich will nicht nur für 40 Tage ein guter Mensch sein.“ Dennoch faste sie zusammen mit ihren Nachbarn. Das gäbe zusätzliche Motivation, sich zu überwinden. „Man schreibt dann auf Whatsapp über seine kleinen Erfolge.“

Genau das Gegenteil davon praktiziert Pfarrer Adam Weiner von der Friedenskirche Stadtbergen: „Ich versuche, auf alles zu verzichten, was mit Vernetzung zu tun hat. Ich muss nicht jeden Moment am Draht sein.“ Die Rückbesinnung aufs Wesentliche, bessere Konzentration, die „innere Gesundheit“, darum gehe es ihm in der Fastenzeit. Ebenso wie seinem katholischen Kollegen Wolfgang Kretschmer von der Pfarreiengemeinschaft Neusäß. „Die Fastenzeit ist für mich weniger Verzicht.“ Er wolle mehr beten, sich stärker auch bei Routine-Arbeiten konzentrieren. Für ihn bedeutet die „Zeit der Selbstfindung“ auch die Suche nach Jesus. „Nicht nur in der Kirche, sondern auch im Wohnzimmer.“ Aber auch in der Natur. Er will ein bisschen mehr joggen oder spazieren gehen. „Das geht hier in Neusäß wunderbar.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren