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Stadtbergen

16.04.2018

Auch als Friseur waren die 68-er wild

Friseurmeister Michael Metzger aus Leitershofen hat nach 50 Jahren seinen Salon aufgegeben.
Bild: Marcus Merk

Michael Metzger hört nach 50 Berufsjahren auf. Was er alles erlebt hat, wie sich die Leitershofer Institution verwirklichen konnte und was ihm fehlen wird

Die wilden 68-er: Das war nicht nur ein Aufbegehren gegen die Gesellschaft, sondern auch eine Rebellion in der Mode. Angesagt waren lange Haare, viel Haut und Hosen mit Schlag. „Töricht, lächerlich oder geschmacklos“ nannte 1966 das Münchner Oberlandesgericht noch die Langhaarmode, mit der junge Männer „glauben, auf diese Art ihre Persönlichkeit entfalten zu sollen“. Für den Michael Metzger, der damals mit 14 Jahren als Friseur anfing, sollte es die spannendste Zeit seiner Karriere sein. Nach 50 Jahren hat die Leitershofer Institution aufgehört.

Erinnern Sie sich noch an den ersten Haarschnitt?

Michael Metzger:

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Wann kamen dann die richtig wilden Frisuren?

Metzger:

Was hatten Sie damals für eine Frisur?

Metzger:

War das nicht eine aufregende Zeit für Sie als Friseur?

Metzger:

Über welche Themen hat man in 1968 gesprochen? Ging es um die Proteste, die Beatles, die Stones oder Flower-Power?

Metzger: Um politische und wirtschaftliche Themen ging es weniger. Es lief ja gut in Deutschland. Gesprochen wurde eher über Sport, zum Beispiel über den Cassius Clay, der ja als Muhammad Ali der größte Boxer aller Zeiten wurde. Damals standen wir auch nachts auf, um die Kämpfe im Fernsehen mitzuverfolgen. Auch Fußball, die Bundesliga und Autos waren immer wieder Themen.

Um was geht es heute im Friseursalon?

Metzger: Politik, die Zuwanderung, Urlaub und die Freizeitgestaltung. Man merkt auch: Deutschland geht es gut, wir haben ja nahezu eine Vollbeschäftigung.

Darf ein Friseur auch mal seine eigene Meinung sagen?

Metzger: Ich bin früher so erzogen worden, dass man sich eher zurückhält im Gespräch mit Kunden. Man hört mehr zu. Aber eigentlich ist ein Friseur heute noch viel mehr: Ein guter Zuhörer wie gesagt, aber auch ein Trendsetzer, Tränentrockner, Schönfärber, Abschnittsgefährte, Glücklichmacher, Partyretter, Gedankenleser und Ausbügler.

Welche Rolle hatten Sie am liebsten übernommen?

Metzger:

Was war Ihre wildeste Kreation?

Metzger:

Hatten Sie auch selbst den ein oder anderen Fußballer die Locken gedreht?

Metzger:

Nach 50 Jahren legen Sie die Schere beiseite und kümmern sich mehr um die Enkel Lukas und Laurin, die gesamte Familie und den geliebten Garten. Was geht Ihnen am meisten ab?

Metzger:

Die Gespräche mit den Kunden. Man bekommt ungefiltert mit, was gerade angesagt ist und wo der Schuh drückt. Ein Sepp Maier oder Helmut Haller war nicht dabei. Aber der ein oder andere FCA-Spieler. Ich war ja auch selbst sportverrückt. Da gab es einige, nämlich Mitte der 1970er-Jahre, als man den Männern Locken drehte. Den Minipli-Trend gaben Die Fußballstars Sepp Maier und Rudi Völler vor. Die Frauen wollten eine Löwenmähne wie die Sängerinnen von Abba. Da konnte man sich als Friseur richtig austoben. Dann kam in den 1980er-Jahren „Dallas“ aus den USA im Fernsehen. Und jeder wollte so aussehen wie Schauspieler in der Serie. Wir hatten damals die Folgen aufgenommen und dann im Salon für die Kunden wieder abgespielt. Ich war gerne der Trendsetzer. In den 1968er-Jahren und in der Zeit danach bin ich in dem Job richtig aufgegangen. Man konnte damals experimentieren und sich verwirklichen. Das war eigentlich meine schönste Zeit. Die Jahre bedeuteten einen Neubeginn der Mode - nicht nur bei der Kleidung, sondern auch bei den Frisuren. Heute ist ja im Grunde alles irgendwie tragbar. Ich hatte auch lange Haare. Alle wollten lange Haare und so aussehen wie beispielsweise der Fußballstar Günther Netzer. Jeder wollte sich irgendwie anders zeigen. Das war Anfang der 1970er-Jahre. Die Haare wurden lang, die Männer hatten Koteletten. Auch bei den Frauen wurden die Haare länger. Und die Röcke kürzer. Zum Look gehörten bei den Frauen auch knallige Lippenstift-Farben. Das war 1968 ein klassischer Fasson-Schnitt. Das ist ein mittellanger Herrenschnitt, bei dem die Haare an den Seiten und im Nacken stufenlos gekürzt werden. In Mode kam damals der Messer-Haarschnitt. Das heißt: Die Haare wurden gewaschen, geschnitten und dann geföhnt. Damals ein echter Einschnitt in der Männermode. Bei den Frauen war der Bubikopf angesagt.
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