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Fischach

09.11.2018

„Der Nationalsozialismus war kein Vogelschiss“

80 Jahre später wird nicht nur in Fischach an die Reichspogromnacht erinnert, im Bild ein Toraschrein.
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80 Jahre später wird nicht nur in Fischach an die Reichspogromnacht erinnert, im Bild ein Toraschrein.

Franz Josef Merkl hält einen Vortrag über die „Judenpolitik“ der Nazis und zieht den Kreis von den „Geschehnisse im Reich“ zu den „Ereignissen in Fischach“.

Die Zeitzeugen werden rar, und so ist es gerade auch dem Markt Fischach ein wichtiges Anliegen, an die Zeit zu erinnern, als „jüdisches Leben ein fester Bestandteil von Gemeinde und Region“ war, so Bürgermeister Peter Ziegelmeier. Eine ruhige Stunde mit Informationen zu den Geschehnissen und deren Hintergründen bildete den ersten Teil des Gedenkens an die damaligen Ereignisse.

Elisabeth Kick, Rektorin, nannte die „bedrückende Aktualität“ der historischen Ereignisse und dankte dafür, dass die Wahl für den Rahmen dieser Veranstaltung auf die Fischacher Schule gefallen war.

Anne-Marie Fendt, Leiterin des Arbeitskreises Geschichte im Kulturverein Kern, war es gelungen, mit Franz Josef Merkl einen Historiker für den Abend zu gewinnen, der über profundes Wissen zur jüdischen Geschichte in Bayerisch Schwaben wie auch zur Geschichte des Nationalsozialismus verfügt. Darüber hinaus hatte Merkl sich speziell auf die Fischacher Vergangenheit eingelassen und dezidiert Fakten und Namen recherchiert. Diese Sachkenntnis, gepaart mit dem Engagement von Heike Marz, Lehrerin in den M-Klassen und der Unterstützung durch Schüler und Kollegium, gab dem Abend eine ganz besonders eindrucksvolle Prägung.

Schüler zitierten aus historischen Quellen

Lehrer der Schule stimmten mit Volksweisen, wie sie auch von jüdischen Mitbürgern gepflegt wurden, einfühlsam musikalisch ein. Dann führte Merkl die Phasen der „NS-Judenpolitik“ von den ersten Einzelaktionen bis zur systematischen Ermordung aus. Er erklärte die „Geschehnisse im Reich“ und zog schließlich den Kreis enger zu den „Ereignissen in Fischach“. Dabei zitierten Schüler aus historischen Quellen, berichteten über die Schicksale von namentlich genannten Familien. In verschiedenen Treffen mit dem Historiker waren sie über Details aufgeklärt worden und so für die Not und das Unfassbare sensibilisiert worden.

Die Unmittelbarkeit drückte sich in originalen Fotos hinter den jungen Menschen aus. Diese Szenen schufen Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und erzeugten so spürbare Betroffenheit.

Auch in Fischach war das jüdische Leben ernsthaft bedroht

Dr. Merkl bestätigte den Fischachern zwar „weitgehend anständigen Umgang mit den jüdischen Nachbarn“, doch seit dem Novemberpogrom war auch in diesem einst ruhigen Ort das jüdische Leben ernsthaft bedroht und kam letztlich zum Erliegen.

In seinem Resümee gelangte der Historiker schließlich zu der Erkenntnis, dass es „kein Selbstzweck“ sei, sich mit Geschichte zu befassen, vielmehr müssten Schlüsse auf die Gegenwart gezogen werden: Demokratie und ein funktionierender Rechtsstaat seien keine Selbstverständlichkeit und „der Nationalsozialismus war kein Vogelschiss in der Deutschen Geschichte“. (lui)

Gedenken: Am kommenden Sonntag, 11. November, findet in Fischach eine „Gedenkstunde zur Erinnerung an das Los der jüdischen Menschen in Fischach“ statt. Sie beginnt um 16 Uhr an der ehemaligen Synagoge und führt zum Erinnerungsstein in der Ortsmitte.

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