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Rommelsried

07.04.2019

Der legendäre Räuber aus dem Augsburger Land

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6 Bilder
Diese Zeichnung von Johann Baptist Pflug zeigt die Räuberbande des Schwarzen Veri um 1822.
Bild: Marcus Merk

Exklusiv Der „Schwarze Veri“ wurde in Rommelsried geboren. Sein Unwesen trieb er in Oberschwaben. Dort wurde er mit 31 Jahren gefangen - und vom Blitz getroffen. 

Er war gefürchtet. Er war berüchtigt. Und am Ende traf ihn wie zur Strafe der Blitz: Xaver Franz Hohenleiter, genannt der „Schwarze Veri“, versetzte die Menschen in Oberschwaben Anfang des 19. Jahrhunderts in Angst und Schrecken. Er gilt als einer der letzten Räuberhauptmänner in Deutschland. Kaum bekannt ist, dass seine Wurzeln im Augsburger Land liegen. Am Wochenende will eine Delegation aus Riedhausen im Landkreis Ravensburg sehen, woher Hohenleiter stammt.

Der Räuberhauptmann soll auf der Flur von Riedhausen gefangen genommen worden sein. Dort gibt es ein großes Moor mit einer Fläche von 1500 Hektar: „Das war der ideale Ort, um sich zu verstecken“, erklärt Riedhausens Bürgermeister Ekkehard Stettner. Der „Schwarze Veri“ sei in der Gegend bekannt wie ein bunter Hund – nach ihm sind Gasthöfe und Buchhandlungen bekannt, sogar eine Narrenzunft trägt den Namen des Schwabens. Es gibt auch einen Schnaps und ein Gedicht über den „Räuber, weiß Anne-Marie Wiedemann aus Rommelsried. Sie und ihr Mann Hermann haben sich mit der Biografie beschäftigt.

Gotteslästerung wird sofort bestraft

Über Hohenleiter wurde gedichtet, dass er im Kerker in Ketten gefesselt geflucht hatte. Daraufhin soll der Blitz eingeschlagen und den Kriminellen gerichtet haben. Die übertragende Bedeutung: Gotteslästerung wird sofort bestraft. Riedhauens Bürgermeister hat gar keinen Zweifel, dass die Geschichte mit dem Blitz stimmt. „Das ist nachgewiesen“, sagt er. Heuer jährt sich der Tod von Hohenleiter zum 200. Mal.

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Zur Erinnerung wird in Riedhausen das Freilichtschauspiel „Xaver Hohenleiter – Der Schwarze Vere“ aufgeführt. Die Resonanz ist riesig: Fast alle fünf Aufführungen sind schon ausverkauft. Auch Kutzenhausens Bürgermeisterin Silvia Kugelmann will das Stück im Dorfzentrum von Riedhausen sehen. Sie war sofort gefesselt von der Geschichte des Gauners, der in einer schwierigen Zeit ums Überleben kämpfte: Hunger und Armut beherrschten damals den Alltag, viele Menschen wanderten aus.

Polizeigewalt endet an der Landesgrenze

Kugelmann sammelte Unterlagen und begann zu forschen. Sie fragte auch in der Diözese nach dem Taufregister. Siehe da: Dort sind die Eltern und die Taufpaten von Hohenleiter festgehalten. Der Vater hieß Jean, die Mutter Franziska. Ihr Sohn Xaver Franz wurde am 2. Dezember 1788 offenbar im Armenhaus geboren. Er musste zum Militär und wurde dann unehrenhaft entlassen worden, weiß Ekkehard Stettner. Als Räuber der mit seinen Kumpanen Rauch- und Speisekammern leerte und schon gar nicht vor Sparstrümpfen Halt machte, zog er in den Bodensee-Raum. Das hatte einen einfachen Grund: Im Grenzbereich von Baden, Württemberg und Hohenzollern konnte der „Schwarze Veri“, der wegen seines schwarzen langen Haares und Bartes so genannt wurde, leichter fliehen. „Die Polizeigewalt endete ja immer an der Landesgrenze“, weiß Stettner.

Wegen seiner Körperkraft und seiner besonnenen Art wurde Hohenleiter der Hauptmann der arbeitslosen Handwerker und Dienstmägde. Auch Schwabenkinder sollen zur Bande gehört haben. Das waren Minderjährige aus Südtirol und Vorarlberg, die daheim nicht ernährt werden konnten und deshalb von ihren Eltern zur Arbeit auf Bauernhöfe in Oberschwaben und im Allgäu geschickt wurden. Der spektakulärste Raubzug führte die Bande am 4. April 1818 zu einem Bauernhof in Argenhardt.

Eine Witwe wurde tödlich verletzt

Die meisten Bewohner waren gerade in der Kirche – nur eine Witwe befand sich noch dort. Sie wurde schwer verletzt und starb einige Monate später. Die Bande erbeutete Essen, Schmuckstücke, Branntwein, Bettwäsche, Kleidungsstücke und eine Leinwand im Gesamtwert von rund 441 Gulden. Ihre Waffen bestanden aus alten Pistolen, Stöcken und Messern. Noch bevor die Bande wie geplant nach Frankreich flüchten konnte, zerfiel sie wieder. Der Schwarze Veri und das Bandenmitglied Friedrich Klumpp, der „Schöne Fritz“, wurden von bewaffneten Förstern verhaftet.

Hohenleiter hatte übrigens eine Gefährtin. Sie hieß Maria Josepha Tochtermann und trug den Spitznamen Günzburger Sephe und stammte aus Eppishofen. Auch der Bruder des Anführers soll bei den Überfällen mit von der Partie gewesen sein: Ulrich Hohenleiter, genannt „Urle.“ Er war mit Agatha Gebhard, der „Schwarz Agath“, liiert und bekannt für seine Brutalität. Die Frauen der Bande sollen Bauern auch mit ihrer nackten Brust abgelenkt haben, damit die Männer zugreifen konnten.

Eine Stehle soll an den Räuberhauptmann erinnern

Mehr Geschichten zum „Schwarzen Veri“, die nach langer Zeit zu Räuberpistolen wurden, kennen sicherlich die Mitglieder der oberschwäbischen Delegation, die am Samstag nach Rommelsried kommt. Silvia Kugelmann will den Interessierten zeigen, wo das frühere Armenhaus gestanden haben könnte. Dauerhaft an den „Schwarzen Veri“ soll in Rommelsried eine Stehle erinnern: Kugelmann lässt gerade einen Entwurf anfertigen und möchte sie zum 200. Todestag aufstellen lassen.

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